Kolumnen

"Bild" beweist DFB-Kicker ganz bei Trost

Im Streit zwischen der DFB-Spitze und Bundestrainer Joachim Löw samt Entourage ist die "Bild" nun nicht nur als Zündler, sondern endlich auch verdienstvoll aktiv geworden: mit einer Umfrage unter Deutschlands Nationalspielern. Sie beweist: Fußball-Deutschland hat kein Kamikaze-Problem.

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Bundestrainer Joachim Löw: Unumstritten oder unerwünscht?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wenn sie aktueller Nationalspieler wären, und Deutschlands größte Boulevardzeitung ruft bei Ihnen an, um Sie mal eben kurz zu fragen, was Sie denn eigentlich so vom Zoff um ihren Chef Joachim Löw halten - was würden Sie sagen? "Kein Kommentar" wäre die richtige Antwort, wenn Sie 1.) im Umgang mit der "Bild" eher unerfahren sind und eigentlich schon noch gern auf DFB-Kosten nach Südafrika reisen wollen, wenn 2.) ihr Vorname Torsten und ihr Nachname Frings ist - oder 3.) die "Bild" einfach nicht ihr Herz-Blatt.

Welche der beiden möglichen Alternativen auf Patrick Helmes, Toni Kroos, Marcell Schäfer, Sami Khedira, Christian Träsch, Cacau, Per Mertesacker und Aaron Hunt zutrifft, lässt sich aus der Ferne nur schwer beurteilen. Überliefert ist jedoch, dass keiner der genannten Kicker antworten wollte auf die drei rhetorischen "Bild"-Fragen:*

1. Soll Löw nach der WM weitermachen?

2. Soll Bierhoff nach der WM weitermachen?

3. Bedroht der Krach die WM?

Wie man etwas wortreicher nichts sagt, führte Bremens Marko Marin vor: "Ich kann mich nicht dazu äußern, da ich alles nur aus der Zeitung erfahren habe. Aber jetzt ist es wichtig, dass sich alle auf die WM konzentrieren und wir eine gute Vorbereitung und anschließend die WM spielen."

"Joachim Löw ist ein sehr guter Trainer"

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Philipp Lahm fand nur lobende Worte für Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Gewohnt eloquent antwortete hingegen Nationalverteidiger Philipp Lahm, was allerdings nur mäßig überrascht. Schließlich hatte der zuvor als durchaus nachdenkender Fußballprofi geltende Lahm die Fußballwelt Anfang 2009 bereits nachhaltig schockiert, nachdem er sich plötzlich bundesweit auf Großplakaten als treuer "Bild"-Leser outete. Was Lahm seinem Stammblatt zum Thema DFB gegen Löw mitzuteilen hatte, überraschte allerdings noch weniger als die Tatsache, dass er überhaupt antwortete.

"Ja, das wäre wünschenswert, denn Joachim Löw ist ein sehr guter Trainer, der die Mannschaft Stück für Stück weiterentwickelt und verbessert hat", flötete Lahm nun als Antwort auf Frage 1. "Das Gleiche wie für Joachim Löw gilt auch für Oliver Bierhoff. Er hat entscheidend an der Entwicklung der Nationalmannschaft mitgewirkt", flötete Lahm zu Frage 2. "Klar wäre es schöner, wenn bald eine Einigung erzielt würde. Aber der Kern der Nationalmannschaft ist schon lange genug dabei, um auch mit dieser Situation umzugehen. Daher sehe ich keine Gefahr für die WM und würde es nicht als Ausrede gelten lassen", flötete Lahm zu Frage 3.

Podolskis Hauch von Rebellion

Damit liegt er auf einer Linie mit den meisten seiner antwortbereiten Kollegen, die mehr oder weniger galant (Arne Friedrich: "Ich hoffe für den deutschen Fußball, dass sie bleiben.", "Er hat viele positive Dinge getan, auch für uns Spieler." / Mesut Özil: "Ja.", "Ja.") Zustimmung äußerten.

Einen verbalen Sonderweg beschritt wieder einmal Lukas Podolski. Ihm wollte zu Frage 1 und 2 partout nichts einfallen, folgerichtige Antwort: "Kein Kommentar." Der "Bild" bloß nix Falsches sagen! Bemerkenswert ist diese Antwort auch nur deswegen, weil "Prinz Poldi" zu Frage 3 durchaus etwas einfiel - was uns allerdings prompt wieder entfallen ist.

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Fast keinen Kommentar gab es von Lukas Podolski.

(Foto: AP)

Das letzte Wort gebürt an dieser Stelle deshalb nicht Podolski, sondern einem seiner früheren Sturmkollegen im DFB-Dress. Der inoffiziell vom Nutella-Fluch ereilte, offiziell wegen schlechten Benehmens mindest mittelfristig aus dem DFB-Team aussortierte Kevin Kuranyi wurde von "Bild" ebenfalls angerufen. Seine Antwort verdient Beachtung, sie ist nicht weniger als ein versteckter Hilferuf und macht eine umgehende Begnadigung unumgänglich. Kuranyi via "Bild" an Fußball-Deutschland: "Leider gehöre ich im Moment nicht zur Nationalmannschaft, deshalb kann ich dazu nichts sagen." Womit zum Thema mehr gesagt ist als nötig.

* Die Frage "Was halten Sie davon, wie wir Oliver Bierhoff durch die Veröffentlichung geheimer Verhandlungsdetails öffentlich als "Gierhoff" enttarnt haben?" musste aus Relevanzgründen leider kurzfristig aus dem "Bild"-Fragenkatalog gestrichen werden.

Quelle: n-tv.de

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