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Das Internet und die Bundesliga Eine Sportschau stirbt nicht

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Heribert Faßbender und Anne Will im Jahr 1999 - ohne Fußball.

(Foto: picture alliance / dpa)

Skandal, die Sportschau stirbt! Berichten mehrere Medien. Anstoß der steilen These ist die Ausschreibung der Fußball-Bundesligarechte ab 2013. Wenn die Erstverwertung bewegter Bilder ins Internet wanderte, wäre das historisch. Aber ein Sendeformat, das 50 Jahre überdauert hat, schreckt das nicht.

"Wir haben eine klare Position und wollen die Sportschau erhalten", sagte ein ARD-Sprecher bereits im März, als erstmals die neuen Verwertungspläne der Deutschen Fußball-Liga auftauchten. Das Brisante am möglichen Vermarktungsmodell: Bewegte Bilder des Bundesligaspieltags könnten ab der Saison 2013/14 zunächst im Internet, im frei empfangbaren Fernsehen erst ab 21.45 Uhr gezeigt werden. Ein Skandal? Nein.

Erstens nicht, weil das Fernsehen bereits jetzt mit dem Internet verschmilzt. Längst sind Inhalte im Web abrufbar, die im Wohnzimmer über den Bildschirm flimmern. Webstreams aufs TV werfen, oder anders herum per DVB-T-Stick am Rechner gucken – alles ohne Weiteres möglich. Für den technisch versierten Zuschauer macht das kaum einen Unterschied.

Die Grundausstattung fehlt

Aber das restliche Publikum wird für die Pläne zum Problem. Fußball in Deutschland ist Allgemeingut, das hat spätestens die Diskussion um die Ausstrahlungsrechte der WM 2002 gezeigt. Wenn der Geldregen aus dem Netz wirklich einsetzen sollte, wird es einen riesigen Aufschrei geben. Und wenn die Boulevardmedien sich zum Anwalt der Traditionalisten machen sollten, ist die Schlacht schon fast zu ihren Gunsten entschieden.

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Moderator Ernst Huberty im Jahr 1971: Etwa 250.000 Zuschriften bekam die Sportschau damals bei jeder Wahl zum "Tor des Monats".

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Skandal ist das Modell zweitens nicht, weil die Rechte ohnehin irgendwann ins Netz wandern werden, allein wegen der Reichweite – Stichwort Laptops, Smartphones und Tablet-PCs. Aber es wird nicht jetzt geschehen, dafür gehören diese Geräte (noch) nicht zur technischen Grundausstattung. "Die User haben gelernt, im Internet kleine Video-Schnipsel zu gucken, wann immer sie wollen. Bislang haben sie es aber nicht gelernt, sich zu einer bestimmten Zeit für einen Live-Stream vor den Rechner zu setzen", sagt Sportschau-Chef Steffen Simon zu den Plänen der DFL. Auch das ist richtig.

Nicht nur Fußball

Ein möglicher Zwischenweg wäre, wenn sich die öffentlich-rechtlichen Sender schlicht mit den kolportierten Interessenten wie dem Internetkonzern Yahoo arrangieren. Eine leicht zeitversetzte Ausstrahlung oder, was noch komfortabler für beide Seiten sein könnte: Die Sportschau läuft im Netz über den Inhaber der Onlinerechte, der sie jedoch mit eigenen Werbeinhalten versieht. Zugegeben, das ist unwahrscheinlich. Die Ligateilnehmer selbst zeigen sich jedoch pragmatisch: "Der Markt wird entscheiden, ob die Sportschau verschwinden wird", zitiert das Handelsblatt Vertreter der Profiklubs.

Wenn "der Markt" tatsächlich unabhängig vom Zuschauer entscheidet, die Erstverwertungsrechte ins Internet wandern und die Bundesliga aus der regulären Sportschau verschwindet: Insgesamt gab es die Sendung 50 Jahre lang. Auch zwischen 1992 und 2003, als Privatsender die Rechte besaßen. Aus einem einfachen Grund: Sport ist eben nicht nur Fußball.

Quelle: n-tv.de

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