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Bundestrainer maßregelt seine Kritiker Listiger Löw kämpft um die Hoheit

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"Es gab viel sportliche Kritik, welche ich in aller Demut annehme und versuche, daraus Lehren zu ziehen": Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Erstmals nach der Fußball-EM knöpft sich Joachim Löw seine Kritiker vor. Das zeigt, wie sehr ihn das Gerede von verwöhnten Spielern und der Humbug mit dem Hymnensingen getroffen hat. Aber der Bundestrainer macht das sehr geschickt, verspricht, aus Fehlern zu lernen - und erarbeitet sich so die Deutungshoheit zurück.

DFB-Elf setzt schwarze Serie fortEnttäuschung bemisst sich immer an der Erwartungshaltung. Nun ist es nicht so, dass Bundestrainer Joachim Löw und die deutsche Nationalmannschaft die Öffentlichkeit vor der Europameisterschaft über ihr Leistungsvermögen getäuscht hätten. Sie haben nicht vorgegeben, gute Fußballer zu sein - und hinterher kläglich versagt. Im Gegenteil. Bis zum Halbfinale waren sie gute Fußballer, die einzigen, die alle Spiele gewonnen hatten. Und dann haben sie in Warschau gegen Italien trotzdem mit 1:2 verloren. Das kommt vor im Sport. Der Gegner war, zumindest an diesem Tag, besser. Dummerweise war es das entscheidende Spiel. Wieder einmal.

Genau deshalb waren alle enttäuscht. Die Fans, die Spieler und auch ihr Trainer. Denn nach Platz drei bei der Weltmeisterschaft 2006, dem verlorenen Finale bei der EM 2008 und erneut Rang drei bei der WM 2010 hatten die Menschen erwartet, dass es nun in Polen und der Ukraine mit dem Titel klappen könnte. Eine Erwartung, die auch Joachim Löw befeuert hatte. Vor dem Halbfinale gegen den Angstgegner Italien hatte er gesagt: "Dieses Mal werden wir als Sieger vom Platz gehen."

"Fehler abstellen und noch ein Stück besser werden"

Das ist, Sportpsychologen bestätigen das, eine durchaus vernünftige Aussage. Nur wenn es dann nicht klappt, muss er sich Kritik gefallen lassen. Erst recht, wenn er mit einer zu ängstlichen, zu sehr am Gegner ausgerichteten Aufstellung seinen Teil dazu beigetragen hat. Nur: Das ist auch gar nicht das Problem. Joachim Löw hat das nun in seinem Rundumschlag geschickt aufgefangen. "Es gab viel sportliche Kritik, welche ich in aller Demut annehme und versuche, daraus Lehren zu ziehen." So sollte es sein. Auch daran wird er sich messen lassen müssen.

Was dem Bundestrainer aber offenbar immer noch übel aufstößt, waren die Kritiker, die nach einer Serie von zuvor 15 Siegen in Folge bei Spielen, in denen es um etwas ging, auf einmal davon sprachen, das nun alles schlecht sei. Joachim Löw der falsche Mann am falschen Ort, die Spieler verweichlicht, das System das falsche. Und überhaupt: Wer vor dem Spiel die Nationalhymne nicht mitsingt, kann auch nicht gewinnen.

Das ist Mumpitz. Und es ist durchaus listig vom Bundestrainer, diese offensichtlich dummen Vorwürfe in den Mittelpunkt seiner Abrechnung zu stellen. Diese Runde jedenfalls geht an ihn. Er hat lange genug mit seiner Replik gewartet, um nun zumindest einen Teil der Deutungshoheit über die Geschicke der Nationalmannschaft wiederzuerlangen. Alles andere entscheidet sich auf dem Platz, am 7. September beginnt die Qualifikationsrunde für die WM 2014 in Brasilien, die Färöer sind dann zu Gast in Hannover. Und wenn Joachim Löw ankündigt: "Wir werden Fehler abstellen und noch ein Stück besser werden" - dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Fußball-Deutschland 2014 nicht wieder den Titel erwartet. Vor allem der Bundestrainer selbst.

Quelle: n-tv.de

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