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Altstar als Sündenbock Verbietet Ballack-Bashing!

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Michael Ballack steht im Regen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für die Medien war das Leverkusener Pokalaus gegen Zweitligist Dresden ein gefundenes Fressen und der Sündenbock schnell gefunden: Michael Ballack. Es ist ein beliebter Sport geworden, dem früheren Kapitän der Nationalelf ans Bein zu pinkeln. Das Scheitern jedoch nur Ballack anzukreiden, ist unsachlich, ungerecht und unfair.

Auf Michael Ballack verbal einzuprügeln, ist wieder en vogue. Nach Ballack kommt, spielt und verliert in Dresden, als der Bundesligist im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten eine 3:0-Führung verspielte, produzierten viele Zeitungen Schlagzeilen wie "Als Ballack kam, ging Bayer unter", "Dresdens Wunder ist Ballacks Albtraum" oder "Ballack kommt, Bayer verliert". Einige Blätter und Internetportale überzogen Ballack genüsslich mit Häme und freuten sich gleichzeitig darüber, mit diesen Schlagzeilen ihre Auflage beziehungsweise Klickzahlen gesteigert zu haben.

Natürlich steht der Mittelfeldstar aufgrund seiner sportlichen Vergangenheit und seiner geäußerten Ansprüche mehr im Fokus als andere Spieler. Doch das Scheitern am früheren Kapitän der Nationalelf festzumachen, ist schlicht und einfach unsachlich, ungerecht und unfair. In Dresden standen noch andere Spieler auf dem Platz, die sich ungenügend gegen das Pokalaus stemmten. Die Rolle des ebenfalls eingewechselten Stürmers Stefan Kießling, immerhin auch Nationalspieler, wurde zum Beispiel nicht hinterfragt.

In der Völler-Ära ist Ballack der Lichtblick

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Michael Ballack schießt das entscheidende Tor gegen Österreich.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein Spieler wie Ballack, dem vielleicht besten und wichtigsten deutschen Fußballer des zurückliegenden Jahrzehnts, hat es nicht verdient, ständig in Frage gestellt und respektlos behandelt zu werden. In der grauen Ära des deutschen Fußballs unter Rudi Völler von 2000 bis 2004 war er der Lichtblick. Ihm war es zu verdanken, dass der DFB-Elf in der WM-Relegation 2001 gegen die Ukraine der Super-Gau erspart blieb. Ohne seine Tore hätte Deutschland erstmals in seiner Historie nicht an einer WM teilgenommen. Ballack prägte die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea und schoss die entscheidenden, weil einzigen Tore im Viertel- und Halbfinale.

Bei der EM 2004 in Portugal verkörperte Ballack als einziger deutscher Spieler internationales Format. Zwei Jahre später war er bei der Heim-WM in Deutschland Jürgen Klinsmanns "Capitano", der auf und neben dem Platz das Sagen hatte. Als während der EM 2008 im Spiel gegen Österreich nicht viel zusammenlief, war Ballack zur Stelle: Mit grimmiger Entschlossenheit jagte er den Ball zum entscheidenden Tor ins Netz. Ballack erzielte im Trikot der Nationalelf 42 Tore – das ist der beste Wert eines Mittelfeldspielers. Kurzum: Die Verdienste des Görlitzers, dem lange Zeit einzigen deutschen Star im Ausland, sind immens. Das sollten viele in ihrer Bewertung Ballacks nicht vergessen.

Das beleidigte Kind

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Als sie noch zusammenarbeiteten: Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz seiner Meriten war es freilich richtig von Bundestrainer Joachim Löw, seinen früheren Kapitän nicht mehr für die Nationalelf zu berücksichtigen. Ein Führungsspieler der alten Prägung ist mit den flachen Hierarchien von heute nicht mehr kompatibel. Auch sollte der Altstar nicht unnötig in Watte gepackt werden. Sein Verhalten nach dem Ballack pfeift auf Abschiedsspiel ist kritikwürdig. Ballack verhielt sich wie ein beleidigtes Kind, dem das Spielzeug – in seinem Fall die Kapitänsbinde – weggenommen wurde.

Ungeachtet dessen verfügt der 34-Jährige immer noch über genügend Qualität für die Bundesliga. Für ihn und die innere Balance seines Clubs Bayer Leverkusen wäre es wünschenswert, wenn Ballack endlich seine Rolle im Team findet. Als anerkannte Führungsfigur kann er Leverkusen wertvolle Dienste leisten. Pendelt Ballack jedoch weiter zwischen Bank und Spielfeld hin und her, stehen Bayer und seinem neuen Trainer Robin Dutt eine unruhige Spielzeit bevor.

Quelle: n-tv.de

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