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Lance Armstrong, der entlarvte Betrüger Von Drecksäcken und gefallenen Helden

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Einer der größten Betrüger der Sportgeschichte: Lance Armstrong.

(Foto: dapd)

Seine Titel sind weg, Lance Armstrong, die einstige Ikone, ist nur noch ein Betrüger. Der Radsport-Weltverband lässt sich dafür feiern, sein Präsident Pat McQuaid sieht sich als Aufklärer. Doch wer nun daran glaubt, dass alles besser wird, darf auch getrost davon ausgehen, dass die Erde eine Scheibe ist.

Lance Armstrong ist am Ende. Einst war der US-Amerikaner ein gefeierter Star, ein Liebling der Massen, das Aushängeschild des Radsports, ein Idol. Jetzt ist er auch offiziell einer der größten Betrüger der Sportgeschichte. Der Weltverband UCI hat ihm alle sieben Titel bei der Tour de France aberkannt, weil Armstrong jahrelang systematisch betrogen, gelogen, gedopt und auch andere dazu angestiftet hat. Nur - was heißt das für die Zukunft des Profiradsports? Bedeutet der Fall Armstrong eine historische Zäsur mit der einmaligen Chance auf einen Neubeginn? Oder ist der Radsport am Ende?

2012-10-22T113442Z_01_RSP109_RTRMDNP_3_CYCLING-ARMSTRONG.JPG122775052656508817.jpgDen Fahndern der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada war es gelungen, die Mauer des Schweigens um das Doping-Kartell zu durchbrechen und das System Armstrong mit seinen zahlreichen Helfern auffliegen zu lassen. Insgesamt 26 Zeugen, darunter elf ehemalige Teamkollegen Armstrongs, sagten gegen ihn aus.

Das ist ein Sieg der Dopingjäger und somit auch ein Sieg für den Radsport. Nun liegt es am Weltverband UCI, etwas daraus zu machen. Nur - wie glaubwürdig sind Funktionäre, von denen der luxemburgische Radsportpräsident Jean Regenwetter sagt: "Ohne die Usada würde die UCI Armstrong heiligsprechen"?

"Großes Interesse daran, das zu verschleiern"

Alles wird gut - zumindest Pat McQuaid, umstrittener Präsident der UCI, möchte das gerne glauben. "Armstrong hat keinen Platz im Radsport. So etwas darf nie wieder passieren." Hier gibt sich einer als der große Aufklärer, der selbst wie sein Vorgänger Hein Verbruggen unter dem Verdacht steht, Armstrong möglicherweise beschützt und positive Dopingproben vertuscht zu haben. Sowohl der Ire McQuaid als auch der Niederländer Verbruggen bestreiten das. Zumindest aber war es nicht der Weltverband, der die Ermittlungen vorangetrieben hat. Vielmehr hat die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada die UCI mit ihren Beweisen gegen Armstrong zu diesem Schritt genötigt. Freiwillige Aufklärung sieht anders aus. Zurücktreten will McQuaid aber nicht.

Auch Tyler Hamilton und Floyd Landis hatten mit den Ermittlern der Usada gesprochen, beide ebenfalls des Dopings überführt. Armstrong habe ihnen einst von einem Deal mit dem Weltverband erzählt, es sei um einen positiven Test aus dem Jahr 2001 gegangen. McQuaid räumte ein, von Armstrong insgesamt 125.000 Dollar an Spenden angenommen zu haben. Das sei aber kein Schweigegeld gewesen. Von einer Vertuschungsaktion aber könne keine Rede sein. Noch im Juli dieses Jahres aber hatte der Weltverband die US-amerikanischen Dopingjäger in einem Brief aufgefordert, ihm doch bitte die Ermittlungsakten zu überlassen. "Die UCI möchte, dass der gesamte Fall mit all seinen Beweisen an eine unabhängige Jury geht, die dann entscheidet, ob die befragten sich verantworten müssen", schrieb McQuaid. Doch Usada-Chef Travis Tygart konterte: "Die UCI und die Beteiligten der Verschwörung, die den Sport mit gefährlichen, leistungsfördernden Drogen betrogen haben, um zu gewinnen, haben ein großes Interesse daran, das zu verschleiern."

Vor diesem Hintergrund klingt es heuchlerisch, wenn McQuaid nun sagt, ihm sei schlecht geworden, als er den Bericht der Usada gelesen habe. Bezeichnender ist da schon, wie er einst die Kronzeugen Hamilton und Landis attackiert hatte: "Sie sind von Helden so weit entfernt wie Tag und Nacht. Sie sind keine Helden, sie sind Drecksäcke." Wer nun also glaubt, der Radsport stehe vor einer sauberen Zukunft, der glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist. McQuaid hat über Lance Armstrong gesagt: "Er muss vergessen werden." Will der Profiradsport eine Zukunft haben, darf aber genau das nicht passieren.

Quelle: n-tv.de

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