Olympia

Noch geht alles gutBenoit Richaud stemmt 16 Trainerjobs gleichzeitig bei Olympia

14.02.2026, 23:59 Uhr
Milano-Cortina-2026-Olympics-Figure-Skating-Men-Single-Skating-Free-Skating-Milano-Ice-Skating-Arena-Milan-Italy-February-13-2026
Benoit Richaud trainiert gemeinsam mit der umstrittenen Eteri Tutberidse den Georgier Nika Egadse bei den Winterspielen. (Foto: REUTERS)

Es ist der bemerkenswerteste Trainerjob der Olympischen Spiele: Zeit zum Verschnaufen hat Benoît Richaud kaum. Wenn die Eiskunstlauf-Wettbewerbe stattfinden, ist der Choreograf ein besonders gefragter Mensch.

Benoit Richaud hat bei diesen Olympischen Spielen viele Gesichter. Präziser gesagt: Er trägt besonders viele Nationalmannschafts-Jacken. In den sozialen Medien gehen Videos um, in denen der französische Eiskunstlauf-Choreograf rasend schnell das Oberteil wechselt. Mal trägt er blau, mal rot. Die Clips erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch warum tut der 38-Jährige das? Die Antwort ist ganz einfach: Er trainiert in Mailand 16 Athleten aus 13 Ländern. Der frühere Eistänzer wirkt an mehr als ein Dutzend Programmen mit und dürfte damit einer der gefragtesten Menschen dieser Spiele sein - und wohl auch einer der fleißigsten. Verrückt.

Als Eistänzer rückte Richaud nie in die absolute Weltelite vor. Bereits 2009 beendete er seine aktive Karriere. Er war damals Anfang 20. Einen Namen machte er sich dann als Choreograf. Einige seiner Programme wurden international bekannt, darunter Ivett Tóths Programm zu AC/DC und Adam Siao Him Fas Star-Wars-Kür.

Zu seinen bekanntesten Schützlingen gehört der Georgier Nika Egadse. Gemeinsam mit Eteri Tuterbidse war er für den sportlichen Erfolg des Europameisters verantwortlich. Das gelang so leidlich. Der 23-Jährige wurde Siebter, landete damit einen Platz vor dem tief gefallenen Wunderkind Ilia Malinin. Der wilde Ritt durch die Wettbewerbe stellt den gefragtesten Choreografen der Welt vor logistische Probleme. Er muss zahlreiche Outfits mitnehmen. Die Sachen bringt er im Athletenraum unter.

Spagat zwischen Triumph und Tränen

Organisatorisch lässt sich das Athleten-Hopping sehr gut managen, sagt er. Problematisch wird's auf einem anderen Terrain: "Es ist emotional tatsächlich sehr anstrengend, denn es kommt darauf an, wie es läuft", sagte er in einem BBC-Podcast. Wenn alles klappt, kann er bedenkenlos weiterziehen. Wenn seinen Athletinnen und Athleten aber etwas widerfährt, das Trost braucht, dann kommt er ins Dilemma. Schließlich wartet irgendwo ein nächster Sportler, der vorbereitet werden will. "Gott sei Dank kamen sie bislang nicht allzu oft direkt nacheinander, dann wäre es sehr schwierig." Es ist ein emotionaler Spagat zwischen Triumph und Tränen.

Besonders wild wurde es für den 38-Jährigen am vergangenen Dienstag, als die Männer ihr Kurzprogramm gelaufen waren. Für sieben Starter war er erfolgreich, für vier von ihnen als Chefcoach. Neben Egadse vertrauen ihm weitere prominente Namen: der Amerikaner Max Naumov, der Franzose Siao Him Fa und der Kanadier Stephen Gogolev.

Unter seiner Regie wollen sich auch die deutschen Hoffnungsträger Minerva Hase und Nikita Volodin ihren Goldtraum erfüllen. Am Sonntag um 19:45 Uhr zeigen sie ihr Kurzprogramm, am Montagabend folgt die Kür (20 Uhr) und die Medaillenentscheidung. Dass Choreografen im Eiskunstlaufen mehrere Sportlerinnen und Sportler betreuen, ist allerdings keine Seltenheit. So arbeitet beispielsweise auch der Belgier Adam Solya für viele verschiedene erfolgreiche Athletinnen und Athleten.

Quelle: ntv.de, tno

Olympische Winterspiele 2026Wintersport