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Olympia-Revanche gegen Schweden? DEB-Cracks träumen nach "Riesensieg"

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Über den Kampf zum Sieg - das gelingt den deutschen Eishockey-Nationalspielern gegen die Schweiz.

(Foto: dpa)

Sie kämpfen. Sie rackern. Sie haben gute Nerven. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ringt die Schweiz bei den Olympischen Spielen aus dem Turnier. Nun geht's gegen Schweden um den größten Verbandserfolg seit 1976.

Eine Katastrophe wäre das. Eine Niederlage gegen die Deutschen, auweia. Im Fußball, okay, aber doch nicht im Eishockey. Der Fernseh-Kollege vom SRF ist kaum zu besänftigen. Dabei hat der "Klassiker" noch gar nicht angefangen. Es muss über die Physis gehen, analysiert er. Jaja, die Physis, dieses Pfund der Deutschen, das beschäftigt die Schweizer vor der ersten olympischen Knockout-Runde. So auch die Kollegen des "Blick". In ihrem Liveticker beschwören sie noch vor dem ersten Bully "einen geordneten Gewaltakt". Ein Spiel, "nichts für Zartbesaitete, Krawall und hohe Intensität." Und nach gerade einmal neun Sekunden hat das Spiel seinen ersten "Gewaltakt": Der Eidgenosse Cody Almond rauscht mit dem Ellenbogen voran auf den Kopf von Christian Ehrhoff. Eine Attacke aus der schäbigsten Schublade des Eishockeys.

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Christian Ehrhoff wird gleich mal ausgeknockt.

(Foto: AP)

Der Kölner Ehrhoff bleibt auf dem Eis liegen, wird erstversorgt. Dann schlittert er auf eigenen Beinen in die Kabine, steht im Mitteldrittel völlig überraschend wieder voll belastbar auf dem Eis. "Dass er nach dem Check zurückgekommen ist, zeigt echt Charakter. So etwas brauchen wir. So kommen wir weiter", lobte Goalie Danny aus den Birken. Weiter als ins olympische Viertelfinale. Das nämlich haben die Deutschen gegen die Schweizer erreicht, dank eines blitzschnellen Treffers des Münchener Verteidigers Yannick Seidenberg zu Beginn der Overtime, nach 26 Sekunden (Endstand 2:1).

"Jetzt muss schon ein Verteidiger vor dem Tor stehen, damit wir treffen", spaßte Bundestrainer Marco Sturm angesichts des mittlerweile fast chronischen, deutschen Tor-Problems bislang. Der Berliner Frank Hördler hatte abgezogen, den von Jonas Hiller abgeprallten Rebound verwandelte Seidenberg mühelos. "Das war das System Don Jackson", scherzte er. Jackson ist sein Coach in München, Hördler kennt den Trainer noch aus dessen Zeit an der Spree.

"Sehr gut gefightet"

Viel schnalzendes Systemeishockey gab's sonst allerdings nicht, dafür eine Schlacht an der Bande. Beide Teams arbeiteten sich, defensiv sehr stabil stehend, leidenschaftlich aneinander ab. Checks, Schubser, Trashtalk, ein echter "Klassiker". Allein im ersten Drittel fingen sich die Deutschen vier Zeitstrafen. "Das war ein bisschen zu viel", urteilte Sturm. Auch mit dem zweiten Drittel, als die Schweizer ihre technische und spielerische Klasse aufs Eis brachten und die Führung von Leonhard Pfoderl (2.) durch Simon Moser (24.) konterten, war der Ex-NHL-Profi nicht zufrieden. Weil seine Mannschaft aber "sehr gut gefightet" hatte, war Sturm dennoch sehr glücklich.

Denn bei einer Pleite gegen die Schweizer wäre die olympische Eishockey-Bilanz nach vier Partien mit nur einem Sieg nach Penaltyschießen gegen Norwegen ziemlich verheerend ausgefallen. Doch statt nötiger Frustbewältigung setzen die DEB-Cracks den Aufschwung unter Sturm mit dem Viertelfinal-Hattrick bei großen Turnieren fort. Wie schon bei den Weltmeisterschaften 2016 und 2017 steht Deutschland auch bei den Winterspielen unter den besten acht Nationen der Welt. Zuletzt war das 2002 in Salt Lake City gelungen.

"Ich hoffe, dass die Reise noch nicht zu Ende ist"

Die Party indes fiel kurz aus, ein bisschen Mickie Krause in der Kabine - das war's. Für einen Abstecher ins legendäre Feiermekka dieser Spiele, dem Deutschen Haus, bleibt keine Zeit. Bereits am Mittwoch (13.10 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) geht's um den Einzug ins Halbfinale, es wäre der größte Eishockey-Erfolg bei Olympia seit Sensations-Bronze 1976. "Da reden viele heute noch drüber, und das ist natürlich etwas, von dem man träumt", sagte Ehrhoff. "Das war ein Riesensieg für uns. Da ist man schon stolz drauf. Aber ich hoffe, dass die Reise für uns noch nicht zu Ende ist." Gegner im Kwandong Hockey Center ist nun wieder Schweden. Wie schon in der Vorrunde, als Deutschland nach vielen Komplimenten und besten Chancen mit vier Aluminiumtreffern mit 0:1 verloren hatte.

"Wir können jetzt befreit aufspielen. Die Schweden sind zwar eine Topmannschaft, aber wir können auch gut Eishockey spielen", sagte Sturm. Das müssen die DEB-Auswahl dann auch wieder. Vor allem in vorderster Linie. Da gab's gegen die Schweizer, wie schon zuvor im letzten Vorrundenspiel gegen Norwegen, zu viele Ungenauigkeiten, schlechte Pässe, leichte Fehler. Doch statt über das Schlechte, wollen die Deutschen lieber über das Gute reden. "Wir haben gegen die Schweden viele Dinge richtig gemacht, dass wollen wir wieder so versuchen", sagte Ehrhoff. Also aggressiv und kreativ spielen, "mit Stolz und mit Freude", wie aus den Birken mit viel Pathos appelliert. Dann kann's klappen mit dem "noch Größeren, was wir erreichen wollen." Das Wort Bronze, das vermeiden sie. Noch.

Quelle: ntv.de

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