Olympia

Olympisches Eishockey-FinaleEin Hassduell, bei dem Trump alles noch viel schlimmer macht

21.02.2026, 21:16 Uhr
imageVon Tobias Nordmann & Till Erdenberger
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Kanadas Brandon Hagel und US-Boy Matthew Tkachuk beim Four-Nations-Turnier im Januar 2025. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Donald Trump nutzt Eishockey gerne, um Kanada zu provozieren. Der US-Präsident heizt das ohnehin schon hitzige Duell noxh extra auf. Nun kommt es zum ultimativen Gipfeltreffen.

Es ist gekommen, wie es alle erwartet hatten: Als letzter großer Höhepunkt der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina kämpfen die USA und Kanada am Sonntag (14.10 Uhr) um Gold im Eishockey-Turnier der Männer. Es ist nicht nur auf dem Eis das größtmögliche Spektakel, der Clash der NHL-Giganten. Es ist auch das Duell, das Donald Trump liebt. Es ist ein Propagandainstrument, das er gerne nutzt, um seine Allmachtsfantasien zu befeuern. Vor dem letzten Aufeinandertreffen hatte der US-Präsident den Kampf der Superteams bereits gewaltig angeheizt.

Für Trump ist es ein erklärtes Ziel, sich den nördlichen Nachbarn als 51. Bundesstaat einzuverleiben, er hasst die Haltung Kanadas zu Zöllen und Grenzkontrollen, er verspottet sie für ihre Annäherung an China. Erst in der vergangenen Woche sorgte Trump für Fassungslosigkeit, als er mit Blick auf Handelsabkommen zwischen Kanada und China verkündete: "Das erste, was China tun wird, ist, den gesamten Eishockeysport in Kanada zu beenden und den Stanley Cup dauerhaft abzuschaffen." Über chinesische Pläne, das kanadische Eishockey und die Meisterschaft in der NHL betreffend, ist über Trumps Tirade hinaus nichts bekannt.

Provokation geht nach hinten los

Beim Vier-Nationen-Turnier im Februar vergangenen Jahres hatte Trump das Duell, das ohnehin seit Jahrzehnten eines der hitzigsten des internationalen Sports ist, noch zusätzlich angeheizt. "Ich werde heute Morgen unsere großartige amerikanische Eishockeymannschaft anrufen, um sie zum Sieg heute Abend gegen Kanada anzuspornen, das mit viel niedrigeren Steuern und viel stärkerer Sicherheit eines Tages, vielleicht schon bald, unser geschätzter und sehr wichtiger 51. Staat werden wird", schrieb Trump vor dem Finale des Turniers auf seiner Plattform "Truth Social".

Doch die Sache ging nach hinten los: Kanada schlug den großen Rivalen in Boston 3:2 in der Verlängerung. Immerhin war es da auf dem Eis vergleichsweise zivilisiert abgegangen. Wenige Tage zuvor hatten sich beide Teams beim Sieg der USA in Montreal (3:1) schon in den ersten paar Sekunden gleich mehrere Schlägereien geliefert, zuvor hatten die kanadischen Fans während der US-Hymne gepfiffen und gebuht.

"Ihr könnt uns nicht unser Land nehmen - und auch nicht unser Spiel", schrieb Kanadas damaliger Premier Justin Trudeau - von Trump schon da als 'Gouverneur Trudeau' bezeichnet - nach dem emotionalen Triumph auf X.

Conor McDavid, NHL-Superstar von den Edmonton Oliers und der entscheidende Torschütze im Finale, beschrieb vor den Spielen in Mailand in "The Players Tribune" die Bedeutung des Triumphs über den Nachbarn - und dass die Duelle spätestens seit Trumps Provokationen eine nationale Angelegenheit sind: "Ich glaube, die Leute verstehen nicht ganz, wie viel dieses Turnier uns Spielern bedeutet hat. In diesem Moment, als alles auf dem Spiel stand, haben wir uns alle daran erinnert, was es bedeutet, ein Eishockeyfan zu sein. Ein Fan von Team Canada zu sein. Kanadier zu sein."

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb, seien gemäß eines Berichtes von votehub.com 43,9 Prozent der amerikanischen NHL-Spieler registrierte Republikaner, 5,6 Prozent Demokraten. Einige der registrierten US-Boys sollen auch Anhänger von Trumps MAGA-Bewegung sein.

"Alternative zum Krieg"

Das Finale von Boston war für die Kanadier wegen Trumps Provokationen das politisch aufgeladenste Eishockeyspiel seit mehr als einem halben Jahrhundert, als Kanada in der Summit Series 1972 gegen die Sowjetunion antrat. "Die Leute werden argumentieren, dass Sport kein Ort für Politik ist, aber Sport ist der Ort, um viele der politischen Probleme anzusprechen, mit denen wir konfrontiert sind, weil er die Alternative zum Krieg ist", sagte Jennifer Walinga, Professorin für Kommunikation und Kultur an der Royal Roads University in Victoria, gegenüber CBC.

"Es ist schon Jahrzehnte her, dass es bei den Olympischen Winterspielen eine bedeutende Rivalität im Mannschaftssport gab, eine Art Showdown, bei dem zwei Nationen in einem symbolischen Kampf der Weltanschauungen aufeinandertreffen", schrieb die "New York Times" jüngst - und erinnerte an das "Miracle on Ice" von 1980, als das US-Team im olympischen Halbfinale die Sowjetuinion besiegte. "Wenn die Eishockeymannschaften der Männer aus Kanada und den Vereinigten Staaten am Sonntag im Spiel um die Goldmedaille aufeinandertreffen, wird diese Begegnung brutal und angespannt sein. Die Teams sind seit langem Rivalen, und das politische Klima, das durch die Aggressivität von Präsident Trump gegenüber unserem nördlichen Nachbarn geschaffen wurde, hat diese Leidenschaften nur noch angeheizt."

"Raum voller stoler amerikanischer Sportler"

"So etwas gibt es kein zweites Mal: Wir hassen uns auf die respektvollste Art und Weise", hatte US-Stürmerin Laila Edwards vor dem Finale bei den Frauen gesagt, das die USA dramatisch per Golden Goal 2:1 gewannen. Die "New York Times" bezeichnete das Duell als "böseste Rivalität des Frauen-Eishockey".

Sein "großartiges" US-Eishockeyteam der Männer ist eine Mannschaft, wie sie sich Trump vorstellt: Keine Afroamerikaner, keine Lateinamerikaner. Stattdessen Männer wie Matthew Tkachuk, der bei seinem Besuch im Weißen Haus den Präsidenten umschmeichelte: "Die beiden Stanley Cups waren ziemlich gut, aber dieser Gang mit Ihnen (ins Weiße Haus) hat das alles noch übertroffen. Das war ziemlich beeindruckend", sagte der Profi der Florida Panthers.

Trump berief Tkachuk inzwischen in seinen Sports Council. Generalmanager Bill Guerin versicherte Trump vor dem Finale von Boston bei einem Anruf in der Kabine: "Wir haben hier einen Raum voller stolzer amerikanischer Spieler, Trainer und Mitarbeiter."

Die Rollen auf dem Eis sind anders verteilt, als so oft in der Vergangenheit. Oftmals gingen die Kanadier als klarer Favorit ins Duell der Nordamerika-Giganten. In diesem Turnier aber hinterlassen die US-Boys mit den Tkachuk-Brüdern, mit Jack Eichel und dem herausragenden Quinn Hughes den besseren Eindruck. Sie wirken besser eingespielt, mit mehr Druck auf dem Eis. Sie hatten im Turnierverlauf allerdings auch den etwas leichteren Weg ins Endspiel. Die Kanadier kämpften sich derweil mit einem gigantischen Kraftakt gegen Finnland ins Finale. Dabei mussten die Superstars McDavid, Nathan MacKinnon und Macklin Celebrini die Hauptlast tragen. Der Siegtreffer fiel erst 35 Sekunden vor dem Ende, in Überzahl.

Was die Kanadier besonders schmerzt: Ausgerechnet ihr größtes Eishockey-Idol, der legendäre Wayne Gretzky, fraternisiert offen und leidenschaftlich mit Trump. "Wayne ist mein Freund, und er möchte mich glücklich machen und ist deshalb etwas zurückhaltend, wenn es darum geht, dass Kanada ein eigenständiges Land bleibt, anstatt ein geschätzter und schöner 51. Staat", schrieb Trump über Gretzky. "Er unterstützt Kanada so, wie es ist, wie er es sollte, auch wenn es bei weitem nicht so gut ist, wie es als Teil des größten und mächtigsten Landes der Welt, der guten alten USA, sein könnte!"

Gretzky nervt

Gretzky, Ehrenkapitän Kanadas und bis vor Kurzem erfolgreichster Scorer der NHL-Geschichte, war Gast bei Trumps Amtseinführung, auf Trumps Wahlsiegparty trug er eine "Make America Great Again"-Kappe. "Ich sagte: Kandidieren Sie für den Premierminister, Sie werden gewinnen", erzählte Trump. "Aber Gretzky sagte: Werde ich für den Premierminister oder den Gouverneur kandidieren? Ich sagte: Ich weiß es nicht, machen wir es zum Gouverneur." Der Furor in Gretzkys Heimat war gewaltig.

In Mailand kursierten Gerüchte, dass Trump sich das Spiel persönlich vor Ort anschauen wollte. Die Sicherheitsprotokolle wurden kurzfristig enorm hochgefahren. Die Pläne haben sich wohl zerschlagen, vielleicht, weil Trump statt dem Eishockey-Krieg zu folgen, mit der Vorbereitung einer echten militärischen Intervention im Iran beschäftigt ist.

Der letzte US-Triumph bei Olympischen Spielen ist unglaubliche 46 Jahre her, 1980 holten sie in Lake Placid Gold. Letztmals standen sich beide Teams 2010 in einem olympischen Finale gegenüber. In Vancouver gewann Gastgeber Kanada mit 3:2 durch ein Golden Goal von Superstar Sidney Crosby. Ein Szenario, das sich Donald Trump sicher ganz und gar nicht wünscht.

Quelle: ntv.de