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Glücklich in der südkoreanischen Kälte: Die Jacke hat Eric Frenzel hinterher nicht ausgezogen.
Glücklich in der südkoreanischen Kälte: Die Jacke hat Eric Frenzel hinterher nicht ausgezogen.(Foto: dpa)
Mittwoch, 14. Februar 2018

"Gibt einfach manchmal Wunder": Frenzel kombiniert goldig - und will mehr

Von Elisabeth Schlammerl, Pyeongchang

Olympiasieger? Das kennt der Nordische Kombinierer Eric Frenzel schon. Bei den Spielen in Pyeongchang aber denkt er nach seinem Triumph flugs an das, was noch kommt. Und schickt einen schönen Gruß an die Konkurrenz.

Eric Frenzel hatte sich warm angezogen. Selbst im beheizten Zelt bei der Pressekonferenz dachte er nicht daran, den dicken Anorak aufzumachen. Er will gewappnet sein für das, was nun nach dem Sieg beim ersten Wettbewerb der Nordischen Kombinierer auf ihn zukommen wird. Olympiasieger - der 29 Jahre alte hatte dies ja vor vier Jahren schon einmal mitgemacht. Viele Hände schütteln, die Feier im Deutschen Haus, Medaillenzeremonie einen Tag später. "Aber ich versuche, dieses Mal nicht krank zu werden." In Sotschi vor vier Jahren hatte ihn eine Grippe gestoppt, nun in Pyeongchang soll die Goldmedaille im Kombinationswettkampf von der Normalschanze nur der Auftakt bei den Winterspielen gewesen sein.

Zwei Männer im Schnee: Eric Frenzel und Johannes Rydzek.
Zwei Männer im Schnee: Eric Frenzel und Johannes Rydzek.(Foto: imago/GEPA pictures)

"Es ist hier noch sehr viel möglich", sagte Frenzel mit Blick auf den Wettbewerb von der Großschanze und dem Teamwettbewerb. Die Konkurrenz dürfte nun keinen Moment mehr daran zweifeln, dass die beiden noch zu vergebenden Goldmedaillen nur über die deutschen Kombinierer führen - und da vor allem über Frenzel. "Er ist da, wenn es darauf ankommt", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Zuvor hatten die Norweger, die Österreicher und der Japaner Akito Waktabe die Hoffnung gehabt, die dominierende Nation der vergangenen Jahre endlich in den Griff bekommen zu haben.

Fünfmal in Serie hat Frenzel den Gesamtweltcup gewonnen, und Johannes Rydzek hatte bei den jüngsten Weltmeisterschaften abgeräumt. In der vergangenen Saison gab es in 23 Weltcup-Wettbewerben 21 deutsche Siege, aber ausgerechnet im Olympia-Jahr hakte es. Oder war das einfach nur Taktik? Ein bisschen ja, wie Weinbuch zugibt. "Es war schon Strategie, hier die Bestform haben. Aber es sind ein paar Sachen dazwischengekommen." Nach Schwierigkeiten beim Springen und fehlender Frische in der Loipe aufgrund einer kräftezehrenden Vorbereitung, hat die irgendwann die mentale Stärke gefehlt. "Das Schwierigste war, den Glauben wieder zu finden und den großen Abstand, den wir im Springen hatten, zu schließen", sagt der Bundestrainer.

"Kein normaler Mensch in dem Sinne"

Die Olympia-Starter ließen deshalb den letzten Weltcup vor den Winterspielen aus, statt ins japanische Hakuba ging es zum Sprungtraining nach Oberstdorf. Der richtige Schritt, wie sich herausgestellt. Bei Frenzel kam die Erfahrung hinzu, er ließ sich durch die Probleme im Dezember und Januar nicht von seinem Weg abbringen. Für das Ziel, in Pyeongchang wieder ganz oben zu stehen, seinen Olympiasieg von Sotschi zu wiederholen, habe er alles untergeordnet. "Es war nicht ganz einfach, aber ich hatte schon oft Saisonen, in denen es auf den Punkt funktioniert hat", sagte der Fahnenträger der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier. "Es gibt einfach manchmal Wunder."

Oder einfach ein bisschen Glück beim Springen, das aufgrund des starken Windes schon verschoben worden war. Frenzel hatte bessere Bedingungen erwischt als seine Teamkollegen Fabian Rießle und Rydzek, erst recht als ein paar der großen Favoriten. "Das finde ich schade. Da hätte man vielleicht ein bisschen geduldiger sein können, denn Zeit hätte man genug gehabt", kritisierte Weinbuch das eilige Abspulen des ersten Wettbewerb-Teils. Während Rydzek dank glänzender Laufleistung noch Fünfter wurde, sowie Rießle als Siebter und der junge Vincent Geiger als Neunter noch für ein glänzendes Mannschaftergebnis sorgten, mussten die Norweger Jan Schmid und Jørgen Gråbak mussten nach dem "Lotteriespringen", wie der Bundestrainer es ausdrückte, ihre Hoffnungen auf ein gutes Resultat schon nach dem Springen begraben.

Mit mehr als zwei Minuten Rückstand auf die Sprungbesten gingen sie in den 10-Kilometer-Langlauf. In der Spitzengruppe lief Frenzel ein taktisch kluges Rennen, versuchte bei den Anstiegen die ärgsten Konkurrenten Watabe und Lukas Klapfer aus Österreich mit Tempoverschärfungen "aus der Reserve zu locken", wie er zugab. "Ich wusste, dass sie sich dann am Schluss schwerer tun, wenn ich ihnen schon zuvor ein paar Körner nehme." Am letzten Anstieg zog er davon und ließ sich die Führung vor Watabe und Klapfer auf den letzten Metern auch nicht mehr streitig machen. "Was so ein kleines Mandl für eine Energie hat", sagte Weinbuch. "Das ist kein normaler Mensch in dem Sinne."

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Quelle: n-tv.de