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"Mittleres Desaster" bei OlympiaKonkurrentin "klaut" Deutscher die Ski

22.02.2026, 12:47 Uhr
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Katharina Hennig Dotzler fährt, ohne zu wissen, welche Aufregung es um ihre Ski gab. (Foto: picture alliance/dpa)

Wie in der Formel 1 gibt es auch beim Skilanglauf eine Boxengasse. Beim Rennen über 50 Kilometer können die Athletinnen ihre Ski wechseln. Die Russin Darja Neprjajewa macht davon Gebrauch - schnappt sich aber die Ski von Katharina Hennig Dotzler. Für das deutsche Team beginnt ein eigener Wettkampf gegen die Zeit.

Kurioser Zwischenfall - oder eher "mittleres Desaster" - beim olympischen Skilanglaufrennen über 50 Kilometer: Die unter neutraler Flagge startende Russin Darja Neprjajewa hat beim Skiwechsel nach knapp der Hälfte der Distanz die Ski von Olympiasiegerin Katharina Hennig Dotzler genommen. Neprjajewa fuhr zum Wechsel in Box 12, ihre Startnummer war aber die 14. Offenbar ein Versehen, im Rennen über 50 Kilometer ist es üblich, dass die Sportlerinnen die Skier zwischendurch wechseln.

Was wohl unabsichtlich geschah, löste bei vielen Deutschen einen rasenden Puls aus: Die deutschen Techniker mussten in Windeseile neue Ski für Hennig Dotzler präparieren - es gelang. Die Ersatzski wurde gerade noch rechtzeitig für den Wechsel der Deutschen bereitgestellt. Rund 20 Kilometer vor dem Ende des Rennens konnte Hennig Dotzler ihre Ski wechseln.

"Wir haben die Information bekommen, dass in Kathas Box kein Ski mehr liegt", sagte der deutsche Cheftechniker Lukas Ernst im ZDF: "Zu diesem Zeitpunkt war das Technikerteam bereits in der Mittagspause. Wir mussten alles wieder hochfahren, einen halben Truck neu aufbauen. Wir haben es geschafft, zehn Sekunden vor dem Wechsel wieder einen Ski in die Box zu legen. Dass jemand wirklich weiterläuft und der Ski dann fehlt, das haben wir so noch nicht erlebt."

"Wie wenn der Ferrari beim McLaren reinfährt"

Auch Bundestrainer Peter Schlickenrieder war entsetzt: "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Es lässt von der gesamten Betreuer-Mannschaft den Puls höher schlagen." Er sprach vom "mittleren Desaster". Man plane strategisch, wann die Athletin zum Wechsel kommen soll, das sei nun über Bord geworfen. "Wir hatten genau zehn Minuten Zeit. Dass die Wachsler es geschafft haben, ist schon eine Leistung für sich. Chapeau an die ganze Wachsler-Crew." Schlickenrieder erklärte, dass der Wachstruck fast einen Kilometer von der Strecke entfernt steht.

Sowohl für Neprjajewa als auch für Hennig Dotzler waren die Top-Platzierungen zu Zeitpunkt des Theaters bereits deutlich entfernt, die Deutsche wurde am Ende Neunte. Neprjajewa lief zunächst zwei Positionen und sieben Sekunden hinter ihr über die Ziellinie. Eine halbe Stunde nach dem Rennende wurde sie aber disqualifiziert. Schlickenrieder hatte dies bereits erwartet: "Es ist ja, wie wenn man in der Formel 1 in die falsche Boxengasse fährt. Wie wenn der Ferrari beim McLaren reinfährt. Sorry, ich glaube, die würden dem den Schuh aufblasen."

Hennig Dotzler: "Hä, komisch?"

Schlickenrieder und das Betreuerteam hatten Hennig Dotzler nicht über das Drama informiert - ihr Wettkampf sollte nicht gestört werden. "Wenn sie auf ihre Ski schaut, denkt sie, es sind die, die sie in die Box gelegt hat." Allerdings ging der Plan nicht auf: Sie habe sofort bemerkt, "dass nicht mein Zweitski in der Box lag, sondern der Dritt- oder Viertski. Da habe ich gedacht: 'Hä, komisch?'", sagte Hennig Dotzler: "Ich bin dann aus der Box gestolpert, weil es gestockt hat."

Zusätzlich gab es ein weiteres Problem: "Und dann war noch ein Stück Frischhaltefolie unter dem Ski. Ich musste anhalten, das entfernen und wieder zur Gruppe auflaufen, da war ich erstmal blau. Das Glück war heute nicht auf meiner Seite. Dennoch bin ich stolz."

Der Sieg bei der Olympia-Premiere ging an Ebba Andersson. Die Schwedin siegte acht Tage nach ihrem spektakulären Sturz in der Staffel klar vor Heidi Weng aus Norwegen und der Schweizerin Nadja Kälin.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

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