Olympia

Nach Olympia verlassen und vergessen? Sotschi droht eine ungewisse Zukunft

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Diese sechs hochmodernen Sportstätten sollen nicht dem Zerfall überlassen werden - soweit der vorläufige Plan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wettkämpfe sind beendet, die Medaillen vergeben und die Sportler fliegen nach Hause - Olympia in Sotschi ist vorbei. Nun stehen die Veranstalter vor der eigentlichen Aufgabe: Sie müssen die Sportstätten sinnvoll weiter nutzen, um die Millionenausgaben aufzufangen.

An der Schanze brennt seit Tagen kein Licht mehr, die ersten Hotelzimmer stehen schon leer und Stau gibt es höchstens noch auf der Straße zum Flughafen. Zwei Wochen lang verwandelte Olympia das kleine Sotschi in ein hektisches Wespennest, jetzt ist der Spuk vorbei. Wie wird es hier wohl aussehen in zehn Jahren, in einem Jahr, nächste Woche?

"Gut", sagt Sergej Belikow. Der Mann mit dem breiten Grinsen ist Manager des Rosa Chutor Skigebiets, als solcher zu Optimismus quasi verpflichtet. 10.000 Hotelbetten sind rund um die Pisten gebaut worden, bis Moskau sind es mit dem Flugzeug nur zwei Stunden. "Das hier wird ein Wintersport-Zentrum bleiben", sagt Belikow und blickt auf die breite Hauptstraße, die vielen Restaurants und das topmoderne Einkaufszentrum, in dem noch immer nicht alle Geschäfte fertig sind.

"Was geschehen ist, ist bemerkenswert"

Geschätzte 50 Milliarden Dollar hat Olympia gekostet, für das Geld wurde ein hochmodernes Skigebiet in die kaukasischen Berge gesprengt -für Loipen, Schanzen, Lifte. Aber auch 367 Straßen-Kilometer, eine Bahnstrecke, 420 öffentliche Gebäude, vier Krankenhäuser, Schulen. "Der Plan von Russland war, ein Wintersportzentrum anzulegen. Es ist natürlich sehr viel teurer, etwas von Null aufzubauen. Was geschehen ist, ist bemerkenswert", sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

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Sollte Sotschi im Nebel des Vergessens verschwinden, würden Sportstätten im Wert von 50 Milliarden Euro verfallen.

(Foto: dpa)

Aber wird Sotschi auch ein Zentrum für Profisport bleiben? Man müsse "das Erbe von Sotschi sichern", sagte Bach. Immerhin: Im Herbst steigt hier der erste Formel-1-Grand-Prix, die Konturen der Strecke sind längst zu erkennen, die Boxengasse wächst mit jedem Tag. Und 2018 fungiert Sotschi als Spielort der Fußball-WM. Nur einen Klub, der die 40.000 Sitzschalen im Olympiastadion füllt, gibt es noch nicht.

Schwieriger wird es bei den Sportstätten. Im Olympiapark an der Schwarzmeerküste drängen sich sechs moderne Arenen auf engstem Raum. Offiziell heißt es, die weitere Nutzung sei gewährleistet. Die Schaiba-Eisarena etwa, während der Spiele Schauplatz von Eishockey-Spielen, soll umziehen. Angeblich haben die Städte Krasnodar und Nischni Nowgorod Interesse angemeldet. Ob es so kommt, steht in den Sternen.

Schanzen werden meist beerdigt

Zu einem Millionen-Grab dürften die Skisprung-Schanzen werden, die statt der geplanten 35 Millionen knapp 230 Millionen Euro kosteten und zu allem Überfluss auf Gelände gebaut wurden, das andauernd abrutscht. "Ich sage immer scherzhaft: Die Schanzen werden in zehn Jahren nicht mehr oben am Berg stehen, sondern unten am Meer", sagte FIS-Präsident Gian Franco Kasper.

Es wären nicht die ersten Olympia-Schanzen, die in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. In Whistler etwa fanden nach den Winterspielen 2010 nur noch kanadische Meisterschaften statt, ansonsten ist die Anlage verwaist. Die Schanzen von Turin 2006 wurden zuletzt sogar für vier Jahre komplett stillgelegt. Die Zukunft als "weißer Elefant" ist irgendwie Teil der Planung - auch in Sotschi.

Und so werden die meisten Sportler und Touristen wohl nie mehr einen Fuß in diesen Ort setzen. Am Tag nach der Abschlussfeier verlassen 145 Maschinen den Flughafen von Sotschi. Für den folgenden Montag stehen dann nur noch 37 abgehende Flieger auf dem Plan.

Quelle: ntv.de, Erik Roos, sid