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Kein Platz für Konkurrenz-Apps? Apple soll Kindersicherungen unterdrücken

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Menschen investieren Stunden in die Nutzung ihres iPhones. Besonders bei Kindern können Apps die Dauer regulieren.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Screentime-Apps sollen iPhone-Nutzern helfen, ihre Zeit am Handy besser einzuteilen und dienen gleichzeitig auch als Kindersicherung. Seit auch Apple diesen Service bietet, wird einem Bericht zufolge die Konkurrenz vom Techgiganten systematisch ausgegrenzt.

Im letzten Jahr hat Apple 11 der 17 am meistgenutzten Apps für Kindersicherung und Screentime-Kontrolle aus dem App-Store entfernt oder reguliert. Das berichtet die "New York Times", basierend auf einer gemeinsamen Analyse mit der Datenfirma Sensor Tower. Auch weniger genutzte Apps wären davon betroffen.

In einigen Fällen habe Apple die Unternehmen gezwungen, Funktionen zu entfernen, mit denen Eltern die Geräte ihrer Kinder kontrollieren konnten oder die den Zugriff von Kindern auf bestimmte Apps und Inhalte für Erwachsene blockierten. In anderen Fällen wurden die Apps einfach aus dem App Store gezogen, berichtet die Zeitung. Dadurch gingen mehrere der betroffenen Unternehmen Pleite.

"Sie haben uns ohne jegliche Vorwarnung herausgezogen", sagte Amir Moussavian, Geschäftsführer von OurPact, der "New York Times". Die Kontroll-App für Eltern war mit über drei Millionen Downloads äußerst beliebt, ehe Apple die Anwendung aus dem Apple Store entfernte. "Sie töten systematisch die ganze Branche", sagte Moussavian, dessen Unternehmen 80 Prozent der Einnahmen über das Betriebssystem iOS generiert.

"Das war noch nie ein Ziel für uns"

Viele App-Entwickler glauben, dass es Apple bewusst auf die Kontroll-Anwendungen abgesehen haben, weil sie dem Konzern schaden könnten. Die von Apple herausgebrachten Kontroll-Apps wären nicht so aggressiv darin, die Nutzungsdauer einzuschränken, wie die der geschassten Unternehmen. "Kann man wirklich darauf vertrauen, dass Apple möchte, dass die Leute weniger Zeit mit dem Telefon verbringen?", stellte Freedom-Geschäftsführer Fred Strutzman gegenüber der Zeitung in den Raum.

Apple hatte vor wenigen Tagen auf einer Konferenz des "Time"-Magazine in Person von Tim Cook noch betont, neue Kontroll-Apps im Store bereitzustellen. "Wir möchten nicht, dass die Leute die ganze Zeit über ihr Telefon benutzen “, sagte Cook. "Das war noch nie ein Ziel für uns."

App Store bietet ungewöhnlich große Macht

Auf europäischer Ebene gehen jetzt mehrere Unternehmen gegen die mutmaßliche Zensur vor. Zwei der beliebtesten Apps zur Kindersicherung, Kidslox und Qustodio, reichten eine Beschwerde beim Wettbewerbsbüro der Europäischen Union ein. Laut Kidslox sei das Geschäft stark zurückgegangen, seit Apple Änderungen an seiner App erzwungen habe. Durch die Änderungen sei die App weniger nützlich als Apples Anwendung.

Die Kritik an Apple, das Unternehmen würde die Konkurrenz schwächen, um die eigenen Produkte zu fördern, ist nicht neu. Tatsächlich hat Apple durch die Kontrolle des iPhone App Stores, in dem Anbieter einige ihrer lukrativsten Kunden finden, eine ungewöhnlich große Macht über das Vermögen anderer Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, mba

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