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Die russische Regierung übt Druck aus, weil Telegram Geheimdiensten keine Schlüssel zu den Konversationen seiner Nutzer aushändigen will.
Die russische Regierung übt Druck aus, weil Telegram Geheimdiensten keine Schlüssel zu den Konversationen seiner Nutzer aushändigen will.(Foto: imago/photothek)
Donnerstag, 31. Mai 2018

Gründer erklärt Situation: Blockiert Apple Updates für Telegram?

Telegram für iOS erhält seit Wochen keine Updates mehr, unter anderem ist so auch keine Anpassung an die DSGVO möglich. Der Gründer des Messengers gibt Apple die Schuld und erklärt, warum.

Wenn man im App Store die Telegram-App aufruft, sieht man, dass das letzte Update des Messengers rund zwei Monate zurückliegt. Das hat nicht nur zur Folge, dass ein nerviger Sticker-Bug unbehoben bleibt, auch die Anpassung an die am 25. Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist nicht möglich. Was ist da los?

Eigentlich seien die Probleme schon lange behoben, schreibt Telegram-Gründer Pavel Durov. Doch Apple blockiere die Updates, seit Russland von dem Unternehmen verlangt habe, den Messenger aus dem App Store zu entfernen. Moskau will Telegram zwingen, Schlüssel herauszurücken, mit denen Geheimdienste Chats auslesen können.

Im Gegensatz zu Messengern wie Whatsapp oder Signal mit grundsätzlicher Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können die Telegram-Betreiber theoretisch Nachrichten auf den Servern auslesen, so lange Nutzer keinen geheimen Chat führen. Um Druck auf die Betreiber auszuüben, ist die beliebte Whatsapp-Alternative seit dem 16. April eigentlich in Russland verboten, aber auch dort immer noch im App Store zu finden, obwohl die Behörden Apple offiziell aufgefordert haben, die Anwendung zu entfernen.

Komplizierte Lösungssuche

"Wir glauben, dass wir das einzig Richtige getan haben, indem wir das Recht auf Privatsphäre in einem unruhigen Land zu schützen", schreibt Durov. Apple habe sich unglücklicherweise nicht an ihre Seite gestellt. Und obwohl nur 7 Prozent der mehr als 200 Millionen Telegram-Nutzer in Russland lebten, blockiere Apple seit Mitte April weltweit Updates. Durov verspricht weiter an einer Lösung zu arbeiten und bittet die Telegram-Nutzer um Geduld. Apple hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Schon im Februar war das Unternehmen äußerst strikt gegen Telegram vorgegangen und hatte die App für einige Zeit aus dem Store entfernt. Laut "9to5Mac" sei Apple darauf hingewiesen worden, dass über den Messenger Kinderpornografie verteilt werde. Damals wurde das Problem schnell mit dem Entwickler gelöst. Die vielen iOS-Nutzer, die weltweit über Telegram kommunizieren, wären wahrscheinlich froh, wenn so auch die aktuelle Blockade schnell aufgelöst werden könnte. Diesmal ist die Situation allerdings weitaus komplizierter.

Quelle: n-tv.de