Technik

Besser als Google Maps und Co. Braucht man heute noch ein Navi?

«Sie haben Ihr Ziel erreicht»: Aussagen wie diese sind vielen Autofahrern heute gut bekannt, dem Navigationssystem sei Dank. Das erste Navi startete entstand in Niedersachsen. Foto: Bosch

Veraltet oder immer noch nützlich? Stiftung Warentest ließ Navis gegen Karten-Apps antreten.

(Foto: dpa)

Braucht man heute noch einen Autoatlas oder ein Navigationsgerät oder reicht auch die richtige Karten-App? Stiftung Warentest hat Navis und Apps getestet und urteilt: Kommt drauf an.

Wer früher mit dem Auto in den Urlaub gefahren ist, tat gut daran, einen Autoatlas oder zumindest eine faltbare Straßenkarte im Handschuhfach zu haben. Die ersten Navigationsgeräte mit Display liefen den umständlichen Papierplänen schnell den Rang ab, doch im Zeitalter der Smartphones führen auch die Geräte von Tomtom, Garmin und Co. nur noch ein Nischendasein. Viele Autofahrer nutzen heute einfach ihr Smartphone als Navi - doch ist das immer die beste Wahl?

Typsache

Ein Navigationsgerät ist schließlich nicht ganz günstig, zwischen 160 und 380 Euro kosten die Geräte, die Warentest geprüft hat. Navi-Apps wie Google Maps oder Here We Go gibt es dagegen gratis. Eine universelle Empfehlung hat Warentest nicht - es kommt vielmehr auf den Nutzertyp an. Ist man Vielfahrer oder Gelegenheitsnutzer? Smartphone-affin oder eher unerfahren im Umgang mit Apps?

Für ein eigenes Gerät sprechen der niedrige Datenverbrauch, ein großer Bildschirm und die Unabhängigkeit vom Mobilfunk - zumindest, solange man keine Echtzeit-Informationen abruft. Smartphone-Apps haben dagegen den Vorteil, dass sie oft gratis sind, auf dem Handy immer dabei und mit schneller Routenberechnung durchweg flotter startklar. Außerdem können Smartphone-Nutzer mehrere Dienste unkompliziert ausprobieren oder abwechselnd nutzen.

Tomtom Gesamtsieger

Aus dem Test, in dem sieben herkömmliche Geräte mit Saugnapfhalterung gegen sieben Navi-Apps antreten, geht das Tomtom Go 6200 als knapper Sieger hervor (Gesamtnote 1,8, "Gut"). Mit einem Preis von 380 Euro ist es aber auch das teuerste Gerät und lohnt sich daher am ehesten für Vielfahrer. Auf Platz zwei landen die beiden Navigationsgeräte Garmin Drivesmart 61 für 220 Euro (Note 1,9) und das Tomtom Go Essential 6 für 269 Euro (Note 1,9). Erst dann folgt die erste Smartphone-App auf Platz drei - ebenfalls von Tomtom. Die App Go Mobile kostet 20 Euro im Jahr und sticht in der Gesamtwertung mit der Note 2,1 ("Gut") ihre kostenlosen Konkurrenten knapp aus.

Beim wichtigsten Punkt "Navigation" hat die zweitbeste App Google Maps aber die Nase vorn, der Dienst erreicht als einziger die Note 1,7. Der kostenlose Kartendienst, der auf jedem Android-Handy vorinstalliert und auch für iOS-Nutzer kostenlos verfügbar ist, "brilliert" in dieser Kategorie, so das Urteil der Tester. Entscheidender Nachteil: Die App verbraucht im Online-Modus viele Daten. Eine Blitzerwarnung gibt es auch (noch) nicht - deren Nutzung ist in Deutschland aber ohnehin eine rechtliche Grauzone.  

Insgesamt liegen in der Kategorie "Navigation" Apps und Gerät etwa gleichauf, entscheidende Vorteile bietet keines der Systeme, mit der Routenführung kommen alle klar - die App ALK Copilot lotst aber nicht optimal, sie hat unter anderem Probleme bei der Neuberechnung der Route.

Apps ziehen Daten, aber lotsen besser

Wer eine App nutzt, sollte, wenn möglich, Karten vorher im WLAN herunterladen, denn sonst verbrauchen besonders die Gratis-Anwendungen viele Daten. Bei Waze und Apple Karten fallen immer Daten an. Apples App, die es als einzige im Test nicht für Android gibt, hat zudem den höchsten Datenverbrauch im Test, 10 Megabyte (MB) für eine zwölf Kilometer lange Stadtfahrt. Google Maps verbraucht im Online-Modus auf der gleichen Strecke fast 8 MB in der Android-Version, die iOS-Variante ist mit 6 MB etwas sparsamer. Alle Kauf-Apps bleiben dagegen unter 1 MB.  

Staus und Verkehrsinformationen empfangen die Apps und das Tomtom Go 6200 blitzschnell über Mobilfunk. Das Tomtom hat dafür eine eingebaute SIM-Karte, durch die dem Nutzer aber keine Zusatzkosten entstehen, auch nicht im Ausland - ein echter Pluspunkt und ein tolles Alleinstellungsmerkmal. Alle anderen Navigationsgeräte müssen sich per Bluetooth mit einem Handy koppeln, um Verkehrsdienste zu empfangen. Ausnahme ist das Tomtom Start 62, das setzt auf den Verkehrsdienst TMC (Traffic Message Channel), der Verkehrsmeldungen über UKW-Radiosender empfängt. Wegen der veralteten Technik und fehlender Erklärungen bekommt es im Prüfpunkt "Verkehrsdienst" aber die Note "Mangelhaft".

Beim Kartenmaterial bieten die Apps mehr Möglichkeiten als die Geräte, bei denen laut Warentest nur Europa-Karten zum Download bereitstehen - Straßenkarten für andere Weltteile müssen unter Umständen dazugekauft werden. Die Apps von Google, Tomtom, Here und Apple bieten Straßenkarten aus aller Welt zum kostenlosen Download.

Fußgänger, Radfahrer und Bahnfahrer

Eine nützliche Erkenntnis der Tester: Den Ausweichempfehlungen von Navi oder App sollten Autofahrer ruhig vertrauen, wenn sie Staus umfahren wollen. Die Vorhersagen zu Länge und Dauer stimmen meistens; wer sich an die Empfehlungen hält, kann viel Zeit sparen. Tomtom und Google Maps haben dabei die besten Empfehlungen. Die Apps NNG iGo, ALK Copilot und die Android-Versionen von Waze und Here WeGo sind weniger genau.

Wer als Navi-Nutzer auch mal das Auto stehen lassen möchte, ist mit einer Smartphone-App ebenfalls besser bedient als mit einem eigenen Gerät. Die Apps Google Maps und Here We Go sind dabei die einzigen Testkandidaten, die neben der klassischen Auto-Navigation auch Strecken für Fußgänger, Radfahrer und für den öffentlichen Nahverkehr berechnen. Tomtom bietet immerhin Fußgänger- und Rad-Navi, Nutzer von Garmin und Waze müssen auf alle drei Extras verzichten. Mit Apple Karten schauen Radfahrer in die Röhre. 

Quelle: n-tv.de, jwa

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