Technik

Privatsender kosten ab Juli DVB-T2 kommt nicht überall gut an

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DVB-T2 HD macht Fernsehen schärfer, aber auch teurer.

Im Frühjahr wurde DVB-T abgelöst, der neue Standard heißt DVB-T2 HD und bringt ein besseres Bild, aber auch höhere Kosten: Der Empfang von Privatsendern ist ab Juli kostenpflichtig. Wie finden das die Zuschauer?

Seit Ende März 2017 ist DVB-T abgelöst. Das neue, schärfere und bessere terrestrische Fernsehen heißt DVB-T2 HD und es hat einige Änderungen mit sich gebracht. Die wichtigste: Die alten Empfangsgeräte funktionieren nicht mehr, was für viele Nutzer ärgerlich ist. Aber auch mit einem neuen, zukunftsfähigen DVB-T2-Empfänger ist nicht mehr alles, wie es war. Wer Privatsender über das terrestrische Fernsehen empfangen will, muss ab Juli dafür bezahlen. Wie finden das die Nutzer? Der Branchenverband gfu hat in 2000 deutschen Haushalten nachfragen lassen.

"Großes Potenzial"

Die gfu heißt eigentlich "gfu Consumer & Home Electronics", sie ist ein Zusammenschluss von großen Unternehmen aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik und richtet unter anderem die Technikmesse IFA in Berlin aus. Klar, dass eine Befragung, die aus der Branche heraus in Auftrag gegeben wird, positive Ergebnisse liefern soll oder zumindest positiv gedeutet wird. So liest man in der Pressemitteilung zur Studie dann auch, dass es "großes Potenzial" für DVB-T2 HD gebe.

Potenzial, das bedeutet aber auch, dass bisher nicht alles rosig ist und es noch viel ungenutzte Kapazitäten gibt – oder in diesem Fall Nutzer, die noch nicht auf DVB-T2 HD umgesattelt haben. Rund drei Millionen TV-Haushalte seien vom Wechsel betroffen gewesen, schreibt die gfu - das sind knapp acht Prozent aller deutschen Fernsehhaushalte, also relativ wenig. Trotzdem konnten von den 2000 Befragten in der repräsentativen Umfrage rund 80 Prozent mit der Bezeichnung für die neue Übertragungsart etwas anfangen.

Wenig Wechselwillige

Einen Wechsel zu DVB-T2 HD zieht aber kaum jemand der Studienteilnehmer in Erwägung, die ihr Fernsehen über Satellit, Kabel oder Internet (IPTV) beziehen. Nur fünf Prozent gaben an, einen Wechsel konkret zu planen, rund 19 Prozent ziehen einen Wechsel in Betracht. Umgekehrt wollen rund 14 Prozent der Nutzer von terrestrischem Fernsehen zu einem anderen Übertragungsweg wechseln, wenn im Juli die Privaten nur noch gegen Geld zu empfangen sind. Die meisten wollen auf Kabelfernsehen umsatteln (7,8 Prozent), die anderen zu Satelliten-TV (3,9 Prozent) oder zu IPTV (2,6 Prozent).

Immerhin: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten DVB-T2-Nutzer gab an, trotz des Aufpreises für die privaten Sender weiterhin den terrestrischen Weg gehen zu wollen. Das zeige, dass die Zuschauer durchaus bereit seien, "für bessere Bildqualität einen Mehrpreis zu akzeptieren", zitiert die Pressemitteilung den gfu-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Joachim Kamp. DVB-T2 HD ist aber ein Nischenstandard und wird in den 3,4 Millionen Fernsehhaushalten, die auf terrestrischen Empfang setzen, häufig nur beim Zweit- oder Drittgerät genutzt.

Privatanbieter Freenet ist trotzdem zuversichtlich, dass die Nutzerzahlen für sein Angebot steigen werden. Ende April nutzten rund 160.000 zahlende Kunden das Angebot Freenet TV für monatlich 5,75 Euro. Bis Ende des ersten Halbjahres 2017 rechne Freenet mit rund 500.000 Kunden für das Angebot der Privatsender. Bis zum Jahresende 2017 sollen es dann rund 800.000 Abonnenten sein.

Quelle: n-tv.de, jwa