Technik
"Detroit: Become Human" entführt den Spieler in eine faszinierende Zukunftswelt, in der Androiden ihre Menschlichkeit entdecken.
"Detroit: Become Human" entführt den Spieler in eine faszinierende Zukunftswelt, in der Androiden ihre Menschlichkeit entdecken.(Foto: PlayStation)
Samstag, 02. Juni 2018

Wie fühlt sich ein Roboter?: "Detroit: Become Human" übt die Revolution

Von Hedviga Nyarsik

Künstliche Intelligenz bestimmt immer mehr unseren Alltag. Doch was passiert, wenn Maschinen ein Bewusstsein und Gefühle entwickeln? Das neue Videospiel "Detroit: Become Human" geht dieser komplexen Frage nach Menschlichkeit in einer düsteren Zukunft nach.

Was macht uns menschlich? Diese existenzielle Frage stellen sich nicht nur Philosophen seit Tausenden von Jahren, sondern auch das neue Spiel von David Cage "Detroit: Become Human". Der interaktive Film aus der Adventure-Thriller-Schmiede Quantic Dreams erzählt eine imposante und düstere Geschichte über die Zukunft und das Zusammenleben von Mensch und Maschine.

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Es ist das Jahr 2038. Im Detroit der nahen Zukunft helfen humanoide Roboter im Haushalt, arbeiten als Verkäufer, kehren die Straßen und dienen im Militär. Beliebt sind sie deshalb noch lange nicht und auch jegliche Art von Rechten bleibt ihnen verwehrt, denn sie sind ja schließlich nur Maschinen. Doch mit der Zeit überwinden die Androiden ihre Programmierung, entwickeln Gefühle und lehnen sich gegen die Herrschaft der Menschen auf.

Roboter, die ihre Menschlichkeit entdecken, faszinieren und ängstigen die Menschheit seit Jahrzehnten. Spätestens seit Science-Fiction-Filmen wie "Blade Runner", "A.I. Künstliche Intelligenz" oder "I, Robot" ist die Debatte um die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft in der Popkultur angekommen.

Die Qual der Wahl

In "Detroit: Become Human" wird die dystopische Geschichte entlang dreier Hauptcharaktere erzählt, die sich in unterschiedlichen Situationen in der futuristischen Stadt befinden. Eine Sache haben sie jedoch gemeinsam: Alle drei sind Maschinen, die ihre Emotionen entdecken und ihr Schicksal wählen müssen. Der Spieler begleitet die künstlichen Wesen dabei auf ihrem Weg zum Menschwerden.

Wie weit wird Markus für die Befreiung seiner künstlichen Artgenossen gehen?
Wie weit wird Markus für die Befreiung seiner künstlichen Artgenossen gehen?(Foto: PlayStation)

Da ist zum einen Conner, der als Ermittler für die Polizei arbeitet und abtrünnige 'Artgenossen' jagt. Er ist ein besonders fortschrittlicher Android, der meist rational und kühl handelt, aber schon bald eine persönliche Beziehung zu seinem menschlichen Partner aufbaut. Auf der anderen Seite des Gesetzes steht Markus. Als ehemaliger Pfleger eines alten Malers ist der Android nun Anführer der Revolution, die gleiche Rechte von den Menschen fordert. Und schließlich gibt es noch Kara. Sie ist ein Roboter der Haushaltshilfe und kümmert sie sich um die kleine Alice. Als sie jedoch merkt, dass der Vater des Mädchens gewalttätig ist, flieht sie mit dem Kind durch das feindselige Detroit.

Kara, Conner und Marcus nehmen den Spieler mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der er sich bis zum Schluss nicht sicher sein kann, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Dabei steht immer die Frage nach Menschlichkeit im Vordergrund. Wie die Schicksale der drei Hauptfiguren ausgehen, liegt in der Hand des Spielers. Per Knopfdruck kann die Geschichte eine vollkommen andere Wendung nehmen. Manchmal kann sich der Spieler dafür alle Zeit der Welt nehmen und dann geht es wiederum um Sekunden. Reagiert er nicht schnell genug, kann es fatale Folgen haben.

Der Kampf für Androidenrechte

Detroit: Become Human - [PlayStation 4]
EUR 78,90
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"Detroit" ist der Nachfolger von "Beyond: Two Souls" und "Heavy Rain" und bietet eine ganz eigenwillige Spielerfahrung. Wie schon seine Vorgänger erzählt auch das neueste visuelle Meisterwerk von Cage eine hochkomplexe und emotionale Story, die den Spieler stets seine eigene Menschlichkeit und Moral hinterfragen lässt.

Dabei bedient es sich vieler Vorlagen der Unterdrückung und Ungerechtigkeit in der Geschichte. Am augenscheinlichsten ist wohl die Thematik der Sklaverei. So müssen die Androiden in den Bussen in einem eigenen Abteil stehen, was stark an die Rassentrennung in den USA erinnert. Doch auch andere globale Themen wie Ausgrenzung, Verfolgung, häusliche Gewalt und Genozid klingen im Verlauf der Handlung immer wieder an. Die Maschinen stehen in diesem Spiel somit stellvertretend für jede Minderheit, die in der Welt um Beachtung und Akzeptanz kämpfen muss. Da kann man auch bei der ein oder anderen stereotypen Figurenzeichnung ein Auge zudrücken.

"Detroit" ist ein äußerst intelligentes Spiel. Es stellt Fragen über das menschliche Dasein, die eigene Moral und Identität. Die Antworten überlässt es dem Spieler: Setzt er auf eine friedliche Lösung oder doch auf Gewalt? Denn wie im Spiel, geht es auch in der Realität um Entscheidungen, die Tag für Tag neu gefällt werden müssen - manche sind unwichtig, andere dafür umso schwerwiegender. Die Konsequenzen seiner Handlungen werden dem Spieler spätestens dann schmerzlich bewusst, wenn er durch eine Entscheidung einen Charakter in den Tod schickt.

Leichte Kost ist "Detroit: Become Human" somit nicht. Doch Spieler, die etwas Abwechslung zu den ewig gleichen Ballerspielen suchen und gerne in eine tiefgründige und vielschichtige Geschichte eintauchen wollen, werden an Cages bildgewaltigem Stück ihre schiere Freude haben. Denn "Detroit" schafft das, was nur wenige Videospiele heutzutage schaffen: Es regt zum Nachdenken an und begleitet den Spieler auch noch lange Zeit nach dem Abspann.

Quelle: n-tv.de