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Die Erpresser setzen auf das schlechte Gewissen der Angeschriebenen.
Die Erpresser setzen auf das schlechte Gewissen der Angeschriebenen.(Foto: dpa)
Montag, 07. Mai 2018

"Masturbieren ist normal": E-Mail-Erpresser setzen auf Handarbeit

Viele Menschen erhalten derzeit E-Mails, in denen Erpresser schreiben, sie hätten die Angeschriebenen beim Masturbieren mit der Kamera des Computers gefilmt. Selbst wenn man sich ertappt fühlt, sollte man nicht bezahlen.

"Guten Tag, Masturbieren ist natürlich normal, aber wenn deine Familie und Freunde davon zeugen, ist es natürlich eine große Schande", heißt es in E-Mails, die laut "Heise Online" aktuell vielen Nutzern ins Postfach flattert. Sie stammen von Erpressern, die behaupten, sie hätten Videos, die die Angeschriebenen beim Masturbieren vor dem Computer zeigen. "Ich habe dich eine Weile beobachtet, weil ich dich in einer Werbung auf einer Porno-Website durch einen Virus gehackt habe", so die Erklärung der Gangster. Sie drohen, die Aufnahmen zu veröffentlichen, wenn der Nutzer nicht 500 Euro in Bitcoin bezahlt. Er soll dafür ein Konto bei der bekannten Krypto-Handelsplattform Coinbase einrichten.

Tatsächlich ist es durchaus möglich, Nutzer über die Webkamera ihres Computers auszuspionieren. Und es kommt auch immer wieder vor, dass Menschen mit heimlich aufgenommenen Videos erpresst werden. Doch in diesem Fall bluffen die Erpresser einfach nur und nutzen aus, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Nutzer anzuschreiben, der tatsächlich am Rechner onaniert hat, sehr hoch ist.

"Heise Online" schreibt, die E-Mails seien vor allem daran als Fälschungen zu erkennen, dass sie keinen konkreten Bezug zum Empfänger herstellten. In den aktuellen Kampagnen werde nicht einmal dessen Name verwendet. Im Ernstfall würden die Erpresser der Nachricht außerdem Screenshots aus den Videos abhängen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

Jeder Vierte klebt ab

Viele Deutsche fürchten, am Computer heimlich gefilmt zu werden. Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergab, dass rund ein Viertel daher die Kameras an Laptops, Tablets oder Smartphones abklebt, um sich vor Angriffen von Hackern und Internetkriminellen zu schützen.

Misstrauisch gegenüber ihren Webcams sind der Umfrage zufolge vor allem jüngere Nutzer. Mit 38 Prozent verdeckt mehr als jeder Dritte der 14- bis 29-Jährigen die Linse des Laptops, Tablet-Computers oder Smartphones. Mit steigendem Alter nehmen diese Bedenken immer mehr ab. Verdecken bei den 50- bis 64-Jährigen noch 23 Prozent der Gerätenutzer ihre Linsen, so sind es bei den über 65-Jährigen nur noch 13 Prozent.

Quelle: n-tv.de