Technik

Action in der Idylle Montanas "Far Cry 5" blickt in Amerikas Abgründe

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Letztes Abendmahl in "Far Cry 5" - gespickt mit allem was in den USA gerade aneckt.

Der Ego-Shooter "Far Cry 5" stellt eine Endzeit-Sekte und deren Anführer im malerischen Montana in den Mittelpunkt. Die USA zwischen Waffenwahn, Drogenepidemie und Ultrarechten - digitales Chaos am Rande der Realität.

In Hope County im US-Bundesstaat Montana hat die Sekte "Project at Eden's Gate" das Sagen. Vom Waffen- über Drogen- bis hin zum Menschenhandel kontrollieren sie mit ihrem Anführer, dem charismatischen Joseph Seed, die ländliche Gegend mit religiösem und endzeitatmosphärischem Pathos - bis der "Far Cry 5"-Spieler, in Person eines Hilfs-Sheriffs, endlich ins Geschehen eingreift und beginnt, das Mini-Imperium zu stürzen.

In der Grundstruktur bleibt sich Far Cry im fünften Teil der Serie treu. Ein Bösewicht mit Charaktertiefe und Ausstrahlung trägt das Spiel und die Geschichte. In diesem Fall sogar eine ganze Familie. Der Seed-Clan besteht aus Antagonist Joseph und seinen drei Geschwistern, die alle noch einmal unterschiedlich psychopathisch daherkommen. Sie kümmern sich um die Rekrutierung der Miliz, die Sektenpropaganda und das Geschäftliche: den Drogenhandel.

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Familie Seed und ihr Anführer Joseph - ähnelt Bradley Cooper, selbst die deutsche Synchronisation klingt wie die des US-Schauspielers.

Joseph verkörpert die Gallionsfigur von "Eden's Gate", den Auserwählten Gottes, der unantastbar souverän wirkt. Ihm folgen die Heerscharen von ungepflegten Hillbilly-Schlägern, die dem Spieler zu Fuß, auf dem Quad, im Helikopter oder im Panzer zu Leibe rücken. Bevor man sich den Sektenführer vorknöpfen und dem ganzen Treiben ein Ende setzen kann, muss man erst seine Geschwister ausschalten.

Geballer, Jagen und Angeln

Der Spaßfaktor wird serientypisch auf einem hohen Level gehalten. Das gelingt dem Ego-Shooter mit abwechslungsreichen Missionen. Das bezieht sich gar nicht zwingend auf den Rahmen der Haupthandlung, die Mordaufträge, Befreiungs- oder Zerstörungsmissionen en masse liefert. Die eigentlichen Highlights findet der Spieler abseits der Main-Quest.

Wenn er einfach mal nicht den Familienmitgliedern des Seed-Clans auf die Pelle rückt, darf er jagen, fischen oder an Stuntrennen teilnehmen. Im Detail reichen die vielseitigen Aufgaben im Open-World-Game dann sogar vom Viehtrieb bis zum Spiel im Spiel, wenn es gilt, an kultigen Arcade-Automaten den Highscore zu knacken.

Anspielungen auf Trump und US-Politik

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Ob in der Luft, zu Boden oder auf dem Wasser - der Spieler muss sich in Far Cry 5 in allen Sphären mit der Sekte messen.

"Far Cry 5" liefert so viele Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen der USA, dass man fast den Überblick verliert. Waffenfetisch, Patriotismus der nur so vor "Stars and Stripes" trieft und politische Anspielungen auf Ultrarechte prägen das Spiel, auch wenn das nach Angaben der Entwickler in der Entstehung nicht geplant war.

Viele Ereignisse in den Vereinigten Staaten haben das Spiel während seiner Entwicklungsphase einfach eingeholt. Bewusste Spitzen Richtung US-Regierung gibt es aber dennoch. Eine Nebenmission spielt auf das angebliche Pinkel-Video von US-Präsident Donald Trump an, welches während einer Nacht in Moskau mit einer Prostituierten entstanden sein soll. Parolen wie "Make Montana Great Again" geben die Sektenanhänger ebenfalls von sich.

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Das ganze Setting wirkt in vielen Facetten zu überspitzt. Gefühlt tragen alle Leute in Montana Jeansjacke und Truckermütze, die fanatischen Anhänger von "Eden's Gate" wirken wie ein generischer Haufen vollbärtiger und ungewaschener Hinterwäldler. Die Gegnerflut bietet zwar einen schönen Kontrast zu den gepflegten und kultivierten Seed-Geschwistern, lässt sie aber auch wie Lemminge daherkommen.

Natur als ästhetischer Pluspunkt

Dass die interessantesten Helfer des Spielers dann Tiere sind, verwundert da nicht. "Boomer" der Straßenköter kann ganz unscheinbar durch die gegnerischen Reihen wandeln und auf Kommando zum Killer aus dem Hinterhalt werden. Das gibt dem Spieler auch taktisch einige Optionen. Ganz anders dagegen der abgerichtete Grizzly "Cheeseburger", der eher die Panzervariante darstellt und in Gefechten die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Der Wunsch Einklang in Natur und Zivilisation zu bringen, zeigen auch die detaillierte Landschaftsgestaltung und die investierten Mühen von Ubisoft - sie sind an jedem noch so kleinen Strauch zu erkennen. Das erzeugt beim Blick in die Ferne Montanas eine regelrechte Postkartenidylle und macht gleichzeitig Lust auf Nebenquests als Jäger und Angler.

Politische und gesellschaftliche Probleme zu thematisieren, ist für ein Videospiel oft ein schmaler Grat, der den Entwicklern von Ubisoft über weite Strecken gelingt, auch wenn er in Teilen nicht gewollt ist, wie das Studio betont. Die Inszenierung einer eigenen Sekte in den ländlichen Great Plains der USA startet hervorragend. Die Spannung kann das Spiel über die gesamte Dauer aber nicht halten - auch wenn das Ende durch einen Twist zu überraschen weiß.

"Far Cry 5" dreht noch einmal an Stellschrauben, die auch die Vorgänger bereits gut eingesetzt haben. Der charismatische Bösewicht, jede Menge Action und Geballer, dazu tierische Helfer. Die Umsetzung der Story ist zwar kreativ, aber ein bisschen weniger Klischee und Stereotype hätten es sicher auch getan. Dem Spielspaß tut das insgesamt keinen Abbruch, besonders, wenn politisches und kulturgesellschaftliches Hintergrundwissen beim Zocker keine große Rolle spielt.

 

Quelle: ntv.de