"Flaggschiff-Killer" aus MetallDas Nothing Phone (4a) Pro glänzt als neuer Mittelklasse-Star
Von Klaus Wedekind Pro Test (1 von 3).webp)
Mit dem Phone (4a) Pro beschreitet Nothing mit einem Metall-Unibody nicht nur einen neuen Design-Weg. Im Prinzip ist das Gerät auch eine Rückbesinnung auf die erfolgreiche alte Mittelklasse-Stärke der Briten.
Das Nothing Phone (3) war im vergangenen Jahr eines der besten getesteten Smartphones, nur knapp hinter Apples oder Samsungs Boliden platziert. Allerdings war es mit einem Startpreis von rund 800 Euro auch annähernd so teuer, was eigentlich nicht zum britischen Hersteller passte, der zuvor für seine außergewöhnlich gestalteten Mittelklasse-Geräte mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis gefeiert wurde. Mit dem Phone (4a) Pro, das ab knapp 480 Euro zu haben ist, kehrt Nothing jetzt zu seinen Ursprüngen zurück, beschreitet aber auch einen neuen Design-Weg.
Neues Aluminium-Design
Es ist das erste Gerät des Herstellers und insgesamt eines der wenigen aktuellen Smartphones mit einem Metall-Unibody. Das heißt, das knapp 8 mm schlanke Gehäuse besteht fast komplett aus Aluminium. Damit macht das 210 g schwere Smartphone nicht nur einen sehr hochwertigen Eindruck, es fühlt sich auch gut an. Es ist zudem robuster als der Vorgänger, immerhin ist es nach IP65 vor Staub und Wasser geschützt.
Die transparente Rückseite der Vorgänger ist damit größtenteils Geschichte. Lediglich ein Bereich, der die Kameras und die neue Glyph Matrix umschließt, ist nach wie vor von Glas bedeckt, das einen Einblick auf das Innenleben, genauer gesagt dessen Abdeckungen gewährt. Das Design soll in Einklang mit dem des extravaganten Kopfhörer Nothing Headphones (1) sein. ntv.de findet die Optik gelungen, sie ist nach wie vor außergewöhnlich, aber eleganter.
Informative Mini-LED-Matrix
Die Glyph Matrix ist ein rundes Display, das das (4a) Pro im Prinzip vom (3) übernommen hat. Es bietet mit weniger Mini-LEDs allerdings eine gröbere Darstellung. Die Glyph-Matrix kann unter anderem mit Pixel-Animationen Benachrichtigungen anzeigen, die bei zugeordneten Kontakten unterschiedlich sein können. Dazu kann die Uhrzeit, eine Timer-Sanduhr, der Akku-Stand, die Mondphase oder der Sonnenpfad angezeigt werden. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern teilweise auch praktisch.
Weitere sogenannte Glyph-Spielzeuge findet man auf Nothings Playground-Website. Dabei handelt es sich um eine KI-basierte Kreativ‑ und Entwicklungsumgebung, mit der sich beispielsweise einfache Apps und Widgets über Text-Prompts erstellen lassen. Die Ergebnisse kann man für sich behalten oder mit der Nothing-Community teilen.
Tolles Display, kräftiges Innenleben
Die Bildschirmdiagonale ist im Vergleich zum Vorgänger von 6,77 auf 6,83 Zoll angewachsen. Wichtiger ist allerdings, dass das Panel jetzt mit 450 statt 377 ppi eine noch schärfere Pixeldichte hat und eine adaptive Bildwiederholfrequenz von 30 bis 144 Hertz (Hz) bietet. Ansonsten kann der HDR-fähige Bildschirm bis zu 1600 Nits hell leuchten, womit er auch im Sonnenlicht ablesbar bleibt. Insgesamt ist das Panel ausgezeichnet.
Beim Innenleben hat Nothing beim Pro im Vergleich zum einfachen (4a) noch eine Schippe draufgelegt. Der Qualcomm-Chip Snapdragon 7 Gen 4 ist kräftiger als der 7s und werkelt auf einem oberen Mittelklasse-Niveau. Mit LPDDR5x ist auch der Arbeitsspeicher moderner, unter anderem nutzen ihn Top-Smartphones wie Samsungs Galaxy S26 Ultra. Entsprechend reagiert das Gerät zackig und lässt sich auch von anspruchsvolleren Aufgaben nicht ausbremsen. Dabei wird es von Nothings ausgezeichneter Software unterstützt, die auch durch eine besonders aufgeräumte Benutzeroberfläche überzeugt.
Die Standard-Variante für 480 Euro bietet 128 Gigabyte (GB) Flash-Speicher und 8 GB Arbeitsspeicher. Mit 12 und 256 GB kostet das Nothing Phone (4a) Pro 550 Euro. Das sind 90 Euro mehr als der Vorgänger, den es nur in dieser Ausführung gab. Das 128-GB-Modell hat Nothing eingeführt, um unter der magischen 500-Euro-Grenze zu bleiben.
Preisanstieg durch extrem teuren Speicher
Der Preisanstieg ist deutlich, angesichts der Speicherpreise, die in den vergangenen zwölf Monaten geradezu explodiert sind, geht das aber in Ordnung. Laut Marktforscher TrendForce ist LPDDR5X-RAM alleine in den ersten drei Monaten 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 90 Prozent teurer geworden.
Angesichts des Preisdrucks ist es auch zu verstehen, dass Nothing das Phone (4a) Pro nur drei Jahre mit Betriebssystem-Updates versorgt. Dabei umgeht das Unternehmen die seit Juni 2025 für Mobiltelefone geltende EU-Ökodesign-Verordnung, die eigentlich nach Verkaufsende eines Geräts noch fünf Jahre kostenlose Aktualisierungen mit neuen Funktionen fordert. Allerdings ist die Verordnung schwammig formuliert, was nicht nur Nothing ausnutzt. Immerhin gibt es aber sechs Jahre lang Sicherheitsupdates.
Gute Dreifach-Kamera
Die Dreifach-Kamera auf der Rückseite ist im Prinzip ebenso gut wie die des einfachen (4a). Die optisch stabilisierte (OIS) 50-Megapixel-Hauptkamera mit Blende f/1,88 hat zwar einen anderen Sensor, der eine Spur besser sein könnte. Im direkten Vergleich sind allerdings kaum Unterschiede zu erkennen.
Die Hauptkamera produziert bei Tageslicht, aber auch nachts ansprechende Fotos. Die Videos können sich ebenfalls absolut sehen lassen. 4K-Aufnahmen macht die Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde (fps), Full-HD-Videos mit 60 fps. Insgesamt sind die Unterschiede zum (4a) nicht allzu groß.
Die 50-MP-Tele-Kamera (f/2.88/OIS) erreicht jetzt mit einem Periskop-Objektiv eine 3,5-fache statt nur dreifache optische Vergrößerung. Sie hat im Test gezeigt, dass sie auch darüber hinaus noch scharfe Aufnahmen zustande bringt, obwohl bei sehr großem digitalem Zoom doch viele Details verloren gehen.
Die 8-MP-Ultraweitwinkel-Kamera (f/2.2) ist kein Highlight, aber nicht schlecht. Sie produziert tagsüber gute Bilder, wobei ihre Fotos beim Pro auch den gleichen Weißabgleich wie bei den beiden anderen Kameras aufweisen.
Praktische KI-Taste
Wie beim Standard-Modell sitzt jetzt auch beim Nothing Phone (4a) Pro die Essential-Taste isoliert von den anderen Knöpfen alleine auf der linken Seite. So nutzt man sie nicht mehr versehentlich. Beim Vorgänger, wo sie direkt unter dem Einschalter sitzt, ist das schnell passiert.
Drückt man die Essential-Taste, erstellt das Gerät einen Screenshot, der in der Essential-Space-App abgelegt wird. Unter anderem kann man Notizen hinzufügen, wobei die KI-Funktion beispielsweise erkennt, wenn es eine Aufgabe ist und sie zu einer To-do-Liste hinzufügt. Bei Bildschirmfotos mit Text sieht man Zusammenfassungen des Inhalts, 300 Minuten pro Monat sind gratis. Außerdem ist es möglich, über die Essential-Taste Sprachaufnahmen zu machen und transkribieren zu lassen.
Neu ist die Essential-Suche, mit der man gleichzeitig auf dem Gerät nach Apps, Einstellungen, Terminen, Kontakten oder Notizen und online suchen kann. Man erreicht sie auf Wunsch, wenn man auf dem Bildschirm nach oben streicht, unter der App-Sammlung.
Ausdauernd und schnell geladen
Das alles funktioniert größtenteils online. Weitere KI-Talente hat das Nothing Phone (4a) Pro nicht, aber man kann wie bei anderen Android-Geräten über einen langen Druck auf den Einschalter Google Gemini oder ChatGPT über ein Widget aufrufen. Interessant ist, dass man in den Einstellungen unter "Intelligence-Toolkit" sieht, wann welches KI-Modell verwendet wurde. Hier sieht man auch, dass Nothing für die Sprachumwandlung "Whisper" von OpenAI verwendet.
Auch das Pro hat einen Akku, der 5080 Milliamperestunden fasst. Entsprechend hält es normalerweise ebenfalls locker einen Tag durch und hat vor der Nachtruhe meistens noch einige Reserven. Wird es doch mal knapp, lässt sich das Gerät mit bis zu 50 W auftanken. Ein leerer Akku ist so in etwas mehr als einer Stunde wieder voll.
Fazit
Das Nothing Phone (4a) Pro ist ein neuer, glänzender Mittelklasse-Star. Nicht nur sein Design ist einzigartig, auch die Glyph Matrix oder der Essential Space machen es zu etwas Besonderem. Dazu kommt Hardware auf oberem Mittelklasse-Niveau, wobei das Display und die Kameraausstattung hervorstechen.
Nur drei Jahre funktionale Android-Updates sind ein Manko, wobei dies in dieser Preisklasse leider noch eher die Regel ist. Größter Gegner des Nothing Phone (4a) Pro dürfte Samsungs neue A-Klasse sein, die in Kürze erwartet wird. Schon die Vorgänger glänzen mit garantierten sechs Jahren Android-Aktualisierungen.
