Nothing Phone (4a) ausprobiertSo gut kann ein Smartphone für 350 Euro sein
Von Klaus Wedekind Test (1 von 2).webp)
Das Nothing Phone (4a) bietet ab knapp 350 Euro ein spannendes Design kombiniert mit guter Mittelklasse-Hardware inklusive Top-Display und Tele-Kamera. Im Praxistest überzeugt das Gerät fast durchgehend, aber der enorme Preisdruck durch drastisch verteuerte Komponenten fordert auch Opfer.
Das Nothing Phone (3a) war im vergangenen Jahr der Preis-Leistungs-Hit unter den Smartphones bis zu 350 Euro. Auch bei Stiftung Warentest ließ es mit der Gesamtnote 2,0 alle anderen 2025 veröffentlichten Konkurrenten in dieser Kategorie hinter sich. Obwohl die Preise für Speicher und andere Komponenten in den vergangenen Monaten geradezu explodiert sind, haben es die Briten immerhin geschafft, den Nachfolger ab 349 Euro (128 GB) anzubieten, 20 Euro teurer als den Vorgänger. ntv.de hat ausprobiert, was das Nothing Phone (4a) kann.
Einfachere Glyph Bar
Der Hersteller hat das typische Design mit transparenter Rückseite grundsätzlich beibehalten. Allerdings hat sich das Layout der sichtbaren Abdeckungen geändert und statt mehrerer über die Rückseite verteilter Leuchtstreifen sitzt jetzt rechts neben den Kameras eine Leiste mit Mini-LEDs, die in fünf Blöcken angeordnet sind, die sogenannte Glyph Bar.
Das mag eine Sparmaßnahme sein, macht es aber auch einfacher, die unterschiedlichen Blink-Zeichen zu unterscheiden, die man unter anderem für verschiedene Benachrichtigungen festlegen kann. Am unteren Ende der Bar sitzt eine rote LED, die blinkt, wenn man Videos aufzeichnet.
Robust mit kleinen Einschränkungen
Das Gerät ist mit rund 205 g angenehm leicht. Das liegt unter anderem daran, dass sein Rahmen nicht aus Metall, sondern Kunststoff besteht. Trotzdem macht es keinen billigen Eindruck und ist grundsätzlich auch robust. Aber man muss für den kleinen Preis Abstriche hinnehmen: Das Nothing Phone (4a) ist nur nach IP64 vor Staub und Wasser geschützt. Immerhin gibt der Hersteller an, es halte 25 Minuten in 25 cm Tiefe durch, hochwertigere Geräte halten aber nach IP68 besser dicht.
Das Display ist mit Gorilla Glass 7i gut geschützt, die Rückseite ist aber deutlich empfindlicher. Deshalb ist es gut, dass Nothing eine passende, transparente Hülle mitliefert.
Prächtiges Display, gutes Mittelklasse-Innenleben
Der knapp 6,8 Zoll große AMOLED-Bildschirm ist ausgezeichnet. Er bietet starke Kontraste, akkurate Farben, kann bis zu 1600 Nits hell leuchten und ist mit einer Pixeldichte von 440 ppi knackig scharf. Das Display hat eine adaptive Bildwiederholfrequenz von 30 bis 120 Hertz, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist.
Angetrieben wird das Nothing Phone (4a) von Qualcomms grundsolidem Mittelklasse-Chip Snapdragon 7s Gen 4. Zusammen mit der schlanken Benutzeroberfläche bietet das Gerät so jederzeit eine flüssige Bedienung und erledigt alle Aufgaben ohne zu zögern, solange man es nicht mit grafisch besonders aufwendigen Spielen quält.
Man sollte es auch mit Multitasking nicht übertreiben, wenn man eine Variante mit 128 oder 256 Gigabyte (GB) Flash-Speicher gekauft hat, denn dann ist der Arbeitsspeicher lediglich 8 GB groß. Nur mit dem rund 430 Euro teuren 512-GB-Modell erhält man 12 GB.
Ausdauernd, mit starker Dreifach-Kamera
Das Nothing Phone (4a) hat sich im Praxistest als ausdauernd erwiesen. Normalerweise hält es locker einen Tag durch, bei einem zurückhaltenden Gebrauch kann man mit dem Aufladen auch bis zum kommenden Mittag warten. Im Notfall lässt sich das Smartphone mit bis zu 50 W auftanken. Ein leerer Akku ist so in etwas mehr als einer Stunde wieder voll.
Die Dreifach-Kamera des Vorgängers war bereits gut, die des (4a) ist noch etwas besser. Die optisch stabilisierte (OIS) Hauptkamera liefert mit bis zu 50 Megapixeln und Blende f/1.8 und einem relativ großen Sensor (1/1.57 Zoll) bei Tageslicht, aber auch nachts ansprechende Fotos. Die Videos können sich ebenfalls sehen lassen. 4K-Aufnahmen macht die Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde (fps), Full-HD-Videos mit 60 fps. Insgesamt sind die Unterschiede zum (3a) nicht allzu groß.
Das trifft auch auf die 8-MP-Ultraweitwinkel-Kamera (f/2.2) zu. Sie produziert tagsüber zwar akzeptable Bilder, die allerdings durch einen anderen Weißabgleich als die Aufnahmen der anderen Kameras auffallen.
Der größte Fortschritt ist die 50-MP-Tele-Kamera (f/2.88/OIS), die jetzt mit einem Periskop-Objektiv eine 3,5-fache statt nur zweifache optische Vergrößerung bietet. Sie hat im Test gezeigt, dass sie auch darüber hinaus noch scharfe Aufnahmen zustande bringt, obwohl bei sehr großem digitalem Zoom doch viele Details verloren gehen.
Praktische KI-Taste
Eine gute Idee von Nothing war, die Extra-Taste für den sogenannten Essential Space solo links oben im Rahmen unterzubringen. So nutzt man sie nicht mehr versehentlich, was beim Vorgänger, wo sie direkt unter dem Einschalter sitzt, schnell passiert ist.
Drückt man die Essential-Taste, erstellt das Gerät einen Screenshot, der in der Essential-Space-App abgelegt wird. Unter anderem kann man Notizen hinzufügen, wobei die KI-Funktion beispielsweise erkennt, wenn es eine Aufgabe ist, und sie zu einer To-do-Liste hinzufügt. Bei Bildschirmfotos mit Text sieht man Zusammenfassungen des Inhalts, 300 Minuten pro Monat sind gratis. Außerdem ist es möglich, über die Essential-Taste Sprachaufnahmen zu machen und transkribieren zu lassen.
Das alles funktioniert größtenteils online. Weitere KI-Talente hat das Nothing Phone (4a) nicht, aber man kann wie bei anderen Android-Geräten über einen langen Druck auf den Einschalter Google Gemini oder ChatGPT über ein Widget aufrufen. Interessant ist, dass man in den Einstellungen unter "Intelligence-Toolkit" ablesen kann, wann welches KI-Modell verwendet wurde. Hier sieht man auch, dass Nothing für die Sprachumwandlung "Whisper" von OpenAI verwendet.
Sechs Jahre Updates, aber …
Nothing liefert das Phone (4a) mit dem aktuellen Android 16 aus. Die Briten garantieren sechs Jahre lang Sicherheitsupdates, aber nur drei Jahre Systemaktualisierungen mit neuen Funktionen. Das ist einerseits verständlich, da Updates für das Unternehmen aufwendig und teuer sind, und die günstigen Preise mit einem längeren Zeitraum kaum zu halten wären.
Andererseits verlangt die seit Juni 2025 für Mobiltelefone geltende EU-Ökodesign-Verordnung streng genommen, dass ab Verkaufsende eines Geräts nicht nur Sicherheitsupdates, sondern auch Betriebssystem-Upgrades mindestens fünf Jahre lang kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Nothing nutzt wie andere Hersteller eine schwammige Formulierung in der englischen Version der Verordnung, die scheinbar einen Spielraum lässt.
Fazit
Trotz der verkürzten Funktionsupdates ist das Nothing Phone (4a) ein Preis-Leistungs-Hit. Ab 350 Euro zeigt es von einem tollen Display bis zur starken Dreifach-Kamera mit Teleobjektiv vieles, das sonst nur deutlich teurere Smartphones zu bieten haben. Dazu kommt das einzigartige Design, interessante Funktionen und ein großer Community-Support. Es wird für die Android-Konkurrenz schwer, zu einem ähnlichen Preis ein interessanteres Gerät auf den Markt zu bringen, denn auch alle anderen Hersteller haben mit den extrem gestiegenen Komponentenpreisen zu kämpfen.
