Technik

Monumentales Götter-Epos God of War erklimmt Thron der Actionspiele

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Größe spielt in "God of War" nur eine untergeordnete Rolle.

(Foto: Santa Monica Studio)

Der griechische Kriegsgott Kratos macht sich auf, die nordische Mythologie aus ihren Angeln zu heben. Der neue Teil der "God of War"-Reihe fasziniert mit epischen Schlachten und einem Vater-Sohn-Drama. Schonungslos brutal, aber auch brutal gut.

"Ein Gott kann selbst entscheiden, ob er sich selbst oder anderen dient", lautet das digitale Credo, nach dem Kriegsgott Kratos 13 Jahre lang im antiken Griechenland gewütet hat. Auf seine alten Tage verbringt er im neuen Teil der "God of War"-Reihe seinen Ruhestand, getarnt als Mensch, in der nordischen Mythologie. Aber dieses Mal ist er nicht allein - sein Sohn Atreus lebt mit ihm in den einsamen Wäldern, unwissend von der Vergangenheit seines Vaters. Das Verhältnis der beiden Sturköpfe ist nach dem Tod der Mutter angespannt. Der Zwist ist ein wichtiger Faktor, der oft die Stimmung und Story des Spiels ausmacht.

Die Handlung beginnt mit dem letzten Willen der verstorbenen Mutter: Ihre Asche soll vom höchsten Punkt von Midgard, der neuen Wahlheimat Kratos', verstreut werden. Der Wunsch der Mutter hat einen Hintergedanken: Die für den jungen Atreus lehrreiche Reise soll zugleich Vater und Sohn einander näherbringen. Die hiesigen Götter um Odin und Thor wittern jedoch bald die Gefahr, die durch den Geist von Sparta und dessen Filius ausgeht.

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Atreus und Papa Kratos - seinen Sohn nennt er in der Regel schlicht "Junge". 36 Mal in 4 Stunden Spielzeit.

Von Riesen, Ogern über Libellenmenschen und Drachen - Kratos und Atreus räumen alles aus dem Weg. Im Kampf sind die beiden fast immer auf einer Wellenlänge, danach fliegen zwischen ihnen aber verbal die Fetzen. Und alles nur, weil der Herr Papa nicht will, dass der Sohnemann ihm nacheifert.

Schlagkräftige Vater-Sohn-Armee

Das Kampfsystem hat es in sich. Im Gegensatz zu den Vorgängern werden keine Treffer-Kombos mehr gezählt, mittelgroße Massenschlachten gibt es trotzdem. Die bleiben aber immer übersichtlich, mit der richtigen Balance zwischen Blocken und Angreifen. Ein stupides Abmetzeln der Gegner und blindes Buttondrücken führt je nach Schwierigkeitsgrad und je nach Fortschreiten der Geschichte nicht zum Erfolg, sondern endet meist im Tod. Im Gegensatz zu den vorigen "GoW"-Titeln greift Kratos vorerst nicht zu den Chaosklingen, sondern zur Leviathanaxt, die er schleudern und wie Thors Hammer auch zurückrufen kann.

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Je größer die Gegner, desto geschickter muss sich der Spieler mit Kratos im Verbund mit Atreus anstellen. Der junge Krieger unterstützt seinen Vater im Kampf tatkräftig mit Pfeil und Bogen, lenkt Monster ab und sorgt so für Verschnaufpausen. Im Verlauf des Spiels beteiligt er sich immer aktiver an den Kämpfen und lernt wie Kratos neue Angriffskombinationen. Sowohl Vater also auch Sohn, der von seinem alten Herrn oft einfach nur "Junge" genannt wird, können ihre Waffen mit Runen bestücken und so Spezialangriffe starten. Die enden regelmäßig in den beliebten Finishing Moves, bei denen Gegner dann und wann mit bloßen Händen in zwei Hälften gerissen werden.

Die Inszenierung der Boss-Kämpfe treiben die Entwickler erneut mit viel Pathos und atmosphärischer Musik auf die Spitze. Dennoch wirken die Sequenzen nie abgedreht, denn die extrem verrohten Kampfszenen passen zum wutentbrannten Wesen Kratos' oder eben zum ungestümen Atreus - ohne sie besonders heroisch aussehen zu lassen. Denn das Duo zweifelt im Laufe des Spiels selbst daran, ob sie die Guten oder die Bösen sind.

Wie ein interaktiver Fantasy-Blockbuster

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Neben den Schlachten gegen Monster, Menschen und andere Götter stellen Rätsel und Fallen das Vater-Sohn-Gespann auf dem beschwerlichen Weg zum höchsten Berg immer wieder auf die Probe. Will der Spieler jede noch so kleine Aufgabe lösen, muss er sich die imposanten Landschaften, Gruften und Gebäuden ganz genau anschauen.

Im Grunde spielt sich das neue "God of War" wie ein epischer Fantasyfilm - und das ganz ohne Schnitt. Es gibt keine Ladebildschirme, außer Kratos segnet das Zeitliche. Jeder Gebietswechsel, jede Zwischensequenz, jedes Quicktime-Event und jeder Kampf gehen flüssig ineinander über. Gepaart ist der filmreife Auftritt mit einer starken Grafik in einem stimmigen nordischen Setting - eine Mischung aus borealen Nadelwäldern und Alpenvorland.

"God of War" liefert mit interessanten Nebenquests sogar Open-World-Aspekte, missionsüberladen wie andere Titel ist das Spiel von Santa Monica Studios allerdings nicht. Der Hauptstory kann sich der Spieler nicht entziehen, selbst wenn er wollte. Schnödes Wegklicken von Dialogen funktioniert im Mainquest nicht. Das wäre auch zu schade um die sensationell gute Geschichte, zu der neben dem Vater-Sohn-Drama auch ein Götterkomplex gehört.

Schwachstellen offenbart das Spiel nur ganz selten. Ausrüstung und Skill-Baum hätten umfangreicher sein können, doch diese Makel stören angesichts der dichten Story kaum. Denn die zieht den Spieler in seinen Bann - vielleicht, weil jeder auf seine Art bereits einen elterlichen Konflikt erlebt hat. Am Ende bringt der Konflikt für beide eine Erkenntnis und sie lernen voneinander: Atreus, wie man sich als Gott richtig verhält und Kratos, was es bedeutet Empathie zu zeigen.

 

Quelle: ntv.de