Technik

Meilenstein bei I/O Google Assistant geht offline

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Der Google Assistant und künstliche Intelligenz waren die Schwerpunkte der I/O 2019.

(Foto: Google)

Der Google Assistant benötigt jetzt für Text- und Spracherkennung keine Cloud-Verbindung mehr. Möglich wird dies durch eine enorme Komprimierung der Datenmenge, mit denen die Modelle des maschinellen Lernens arbeiten.

Die vielleicht spektakulärste Neuheit, die Google zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz I/O vorstellte, war die "nächste Generation" des Google Assistant, die in Sachen Sprach- und Texterkennung eine kleine Revolution darstellt.

Bisher benötigt der digitale Assistent noch einen Cloud-Zugriff, da seiner künstlichen Intelligenz Modelle des maschinellen Lernens zugrundeliegen, die insgesamt ein Datenvolumen von rund 100 Gigabyte (GB) einnehmen. Google hat es aber durch nicht näher erklärte Methoden tatsächlich geschafft, den benötigten Speicherplatz auf etwa 0,5 GB zu schrumpfen. Damit kann der Assistant auf Smartphones auch offline Sprache und Texte verstehen.

Anonymer und schneller

Dies bedeutet nicht nur, dass Nutzer Daten nicht mit Google teilen müssen, um dessen Dienste in Anspruch zu nehmen. Der Assistant arbeitet offline auch wesentlich schneller als über den Cloud-Umweg. In gezeigten Demos wandelte er Sprache quasi in Echtzeit in Text um und umgekehrt. Ebenso flott setzt er Befehle um, zeigt beispielsweise Fotos von einem bestimmten Anlass und teilte ausgesuchte Bilder ("Das mit dem roten Haus").

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Im Auto-Modus zeigt der Assi automatisch eine Navigation zu bevorstehenden Terminen an.

(Foto: Google)

Der Google Assistant versteht dabei jetzt auch aufeinander aufbauende Anfragen, ohne dass Nutzer vor einem Kommando jedes Mal "Hey Google" sagen müssen. Und das Ganze funktioniert über mehrere verschiedene Apps hinweg. Besitzer eines Pixel-Smartphones werden die ersten Nutzer sein, denen der Offline-Assistent "im Laufe des Jahres" zur Verfügung stehen wird.

Google hat auch Fortschritte bei "Duplex" gemacht. Sundar Pichai schockierte die Welt aber nicht erneut mit einem Sprachassistenten, der wie ein echter Mensch Reservierungen für ein Restaurant oder den Friseur aushandelte. Diesmal ging es um eine Web-Version, die beispielsweise alle Schritte bei der Buchung eines Mietwagens übernehmen kann. Der Nutzer muss sie im Prinzip nur noch bestätigen. Die Informationen zieht der Assi dabei aus anderen Google-Diensten, unter anderem Gmail oder Chrome.

Assi wird persönlicher

Mit den Daten, die Nutzer ihm zur Verfügung stellen, soll der Google Assistant künftig auch persönlichere Vorschläge machen. Beispielsweise soll er bei der Suche nach Rezepten die Vorlieben des Nutzers berücksichtigen, die er unter anderem aus vorangegangenen Suchen kennt.

Wenn er die Informationen zu engen Verwandten hat, kann der Assi auch natürlich gesprochene Sätze verstehen. Beispielsweise Fragen nach dem Wetter, wo Mama wohnt oder wenn man an Blumen für den Geburtstag der Schwester erinnert werden möchte.

Neuer Fahrmodus

Nachdem Google seinen Assistenten bereits in Maps integriert hat, folgt als nächster Schritt der neue Fahrmodus. Mit einem Sprachkommando startet man eine spezielle Oberfläche mit den für den Nutzer wichtigsten Aktivitäten, zum Beispiel Navigation, Nachrichten und Musik. Die Übersicht wird aber auch geöffnet, wenn das Smartphone eine Bluetooth-Verbindung zu dem Auto-System herstellt.

Natürlich versucht der Assi auch im Auto, intelligente Vorschläge zu machen. Wenn der Nutzer beispielsweise in seinem Kalender einen Termin eingetragen hat, zeigt er den Weg dorthin automatisch an. Bei kompatiblen Autos können Fahrer den Assistenten auch als Fernbedienung nutzen, unter anderem um die Temperatur einzustellen oder den Benzinstand zu kontrollieren.

Wann die einzelnen Funktionen auch auf Deutsch zur Verfügung stehen, ist noch offen. Leider klappt auch eine von vielen Nutzern gewünschte Neuerung zunächst nur auf Englisch: Man kann einen Alarm einfach mit "Stopp" beenden, ohne davor "Hey Google" sagen zu müssen. Das nennt man wohl Fortschritt.

Quelle: n-tv.de, kwe

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