Technik

Smartphone aus einem Guss Google Pixel ist ein echter iPhone-Gegner

Google Pixel Google Pixel XL.jpg

Das Google Pixel (r.) und das größere Google Pixel XL.

(Foto: kwe)

Das Google Pixel kann im Test voll überzeugen, bei dem Smartphone stimmt fast alles und es ist ein würdiger iPhone-Herausforderer. Die Hardware ist für den Hersteller aber nur Mittel zum Zweck - und darüber sollten sich Käufer im Klaren sein.

Ab dem 20. Oktober verkauft Google sein erstes selbst entwickeltes Smartphone, bei dem Hard- und Software aus einer Hand stammen. Der Such-Gigant will damit nicht nur eine echte Alternative zu Apples iPhones liefern, sondern eine ganz neue Ära einläuten, in der Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle spielen. n-tv.de hat das Pixel bereits getestet.

DSC01072.JPG

Die Geräte haben eine leichte Keilform, sie sind oben etwas dicker als unten.

(Foto: kwe)

Das Pixel kommt in zwei Größen. Das Standard-Gerät hat ein 5-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung, der Bildschirm des XL ist 5,5 Zoll groß und bietet mit QHD die noch schärfere Auflösung. Außerdem haben die Akkus unterschiedliche Kapazitäten, ansonsten sind die Geräte baugleich.

Griffiges Design

Das Design des Pixel ist schlicht, aber sehr ansprechend. Mit seinem mattierten Aluminiumgehäuse liegt das Gehäuse angenehm und sicher in der Hand, Lautstärkewippe und Einschalter sind bei beiden Größen bequem mit Zeigefinger oder Daumen zu erreichen. Von vorne betrachtet ist die Ähnlichkeit zu den iPhones recht groß. Allerdings haben die Pixels keine abgerundeten, sondern flache, leicht angeschliffene Seiten und ganz anders gestaltete Rückseiten. Dort haben die Google-Smartphones eine großzügige Glasfläche, in der eine bündig abschließende Kamera und ein leicht vertiefter Fingerabdrucksensor sitzen. Die Verarbeitung des Auftragsherstellers HTC ist hervorragend, die Pixels machen einen sehr hochwertigen Eindruck.

Technische Daten

  • Display Pixel: 5 Zoll, AMOLED, FHD, 441 ppi
  • Display Pixel XL: 5,5 Zoll, AMOLED, QHD, 534 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 821, 2 x 2,15 GHz, 2 x 1,6 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 32/128 GB
  • Kamera: 12,3 MP, f/2.0
  • Frontkamera: 8 MP, f/2.4
  • System: Android 7.1
  • WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2 x 2 MIMO
  • Bluetooth 4.2
  • USB-C
  • Sensoren: Fingerabdruck, Beschleunigung, Lage, Kompass, Barometer, Näherung, Umgebungslicht, Hall
  • Akku: 2770 mAh/3450 mAh (XL)
  • Maße Pixel: 143,8 x 69,5 x 8,5 mm
  • Maxe Pixel XL: 154,7 x 75,7 x 8,5 mm
  • Gewicht: 143 g/168 g

Zum Design gehört auch die Benutzeroberfläche von Android 7.1, die Google fürs Pixel noch etwas angepasst hat. Insgesamt sieht sie schön aufgeräumt und schlicht aus, hübsch sind unter anderem die neuen runden Ordner und App-Symbole. Und dass die App-Sammlung über einen kleinen Pfeil in die Anzeige geschoben wird, ist viel eleganter als ein Extra-Icon im Dock. Schick ist auch der neue Nachtmodus und künftig kann man aus der Google-Tastatur GIFs versenden, bisher klappt das aber nur in der Nachrichten-App. Mit Android 7.1 kommt auch die Möglichkeit, bei Google-Apps durch einen langen Druck ein Menü mit Funktionen anzuzeigen - ähnlich wie bei Apples 3D Touch.

Große Ausdauer

Die AMOLED-Displays leuchten hell, stellen Farben akkurat dar und bieten kräftige Kontraste. Im direkten Vergleich schneidet der Bildschirm des größeren Geräts noch etwas besser ab, was an der höheren Pixeldichte liegen dürfte, wodurch ein breiteres Farbspektrum abgebildet werden kann. Auch das 5-Zoll-Diplay hat aber Top-Niveau.

Die Leistung des Google Pixel ist ebenfalls spitze. Zwar erreicht das Gerät in manchen Benchmark-Vergleichen keine Treppchen-Plätze. Letztendlich kommt es aber darauf an, dass Prozessor und Arbeitsspeicher ihre Leistung richtig dosieren und nur wenn gefordert an ihre Grenzen gehen. Das ist Google hervorragend gelungen, kein anderes Gerät fühlt sich zackiger an, Apps starten beispielsweise genauso schnell wie beim iPhone 7 Plus. Hier merkt man deutlich, was es bringt, wenn Hard- und Software perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Google Pixel Rueckseiten.jpg

Kamera und Fingerabdrucksensor sitzen in einer Fläche aus Gorilla Glass 4.

(Foto: kwe)

Davon profitiert auch die Laufleistung, die beim Pixel famos ist - vor allem beim XL. Selbst bei starker Nutzung im Testbetrieb war der Akku nach 14 Stunden noch zu 48 Prozent gefüllt, für den nächsten Tag blieb so noch eine Reserve von rund 13 Stunden. Das kleine Pixel hält nicht ganz so lange durch, eine immer noch komfortable Reserve von zehn Stunden ist aber drin. Wird's doch mal knapp, ist der Akku über die Schnelllade-Funktion rasch wieder für ein paar Stunden Laufzeit gefüllt.

Klasse Kamera

Ein weiterer Höhepunkt des Pixel ist die 12-Megapixel-Kamera. Wie schon bei den jüngsten Nexus-Smartphones setzt Google hier auf einen Sensor mit besonders großen Pixeln. Dadurch ist die Kamera nicht nur bei schwachem Licht stark, sondern kann in normalen Situationen so kurz belichten, dass ein optischer Bildstabilisator weitgehend überflüssig ist. Tatsächlich macht man mit dem Pixel meistens Fotos, ohne zu verwackeln. Wenn das Licht sehr knapp wird, sind die Resultate der Kamera aber nicht ganz so scharf wie beispielsweise beim iPhone 7. Bei Videos arbeitet die digitale Stabilisierung allerdings überraschend gut, bis auf leichte Zitterer gleicht die Kamera beispielsweise Schritte sehr gut aus - auch bei 4K-Aufnahmen.

Die Qualität der Bilder ist klasse, Farben, Belichtung und Kontraste passen. Ein Grund dafür ist, dass HDR+ im Automatikmodus immer aktiv sein kann, weil es die Kamera kein bisschen ausbremst. Sie ist fast ohne Verzögerung schussbereit, fokussiert und löst blitzschnell aus. Auch in dunklen Bereichen hält sich das Farbrauschen in Grenzen und Details stellt das Pixel ebenfalls besser dar als die meisten anderen Smartphones. Insgesamt befindet sich die Pixel-Kamera auf Augenhöhe mit den Top-Kameras von Apple und Samsung, im Labortest von DxO ließ sie die Konkurrenz sogar knapp hinter sich. Auch die 8-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite ist hervorragend. Selfies sehen natürlich aus und die Qualität der Bilder kann sich mit so mancher Hauptkamera messen. Pixel-Nutzer dürfen alle Aufnahmen in voller Größe in Googles Cloud speichern. Auf Wunsch löscht das Gerät lokal gesicherte Bilder auch, wenn der Speicher knapp wird.

Lernfähiger Assistent

Google baut das Pixel nicht nur, um dem iPhone endlich ein eigenes Smartphone entgegenzustellen. Es ist in erster Linie ein Transportmittel für Googles Dienste, allen voran den neuen Assistenten, der bereits in der Messenger-App Allo arbeitet. Er ist auf dem Pixel entweder nach dem Kommando "OK Google" oder nach einem langen Druck auf dem Home-Button immer erreichbar. Seine Spracherkennung ist bereits vorzüglich und von allgemeinen Wissensfragen über Erinnerungen anlegen bis zur Übersetzung hilft der Assistent in vielen Situationen. Allerdings befindet er sich noch in der maschinellen Lernphase und kann erst in Zukunft wirklich zeigen, was er kann. Dabei geht es beispielsweise um kontextbezogene oder vorausschauende Informationen.

Auch wenn man so schnell keine echte Künstliche Intelligenz und echte Gespräche im Chat-Fenster erwarten darf, ist es spannend zu sehen, wohin hier die Reise geht. Pixel-Nutzer können die Entwicklung sozusagen live mitverfolgen. Dazu müssen sie allerdings bereit sein, ihre Daten in großem Maße zur Verfügung zu stellen. Wer ein Google-Smartphone kauft, sollte sich darüber im Klaren sein. Akzeptiert man den Deal Daten gegen Dienste, wird man wohl kaum auf einem anderen Smartphone besser bedient als auf dem Pixel.

Alles in allem ist Google mit dem Pixel ein hervorragendes Smartphone aus einem Guss gelungen. Herausragend sind die Akku-Leistung und die tolle Kamera, echte Schwächen hat das Gerät nicht. Um alle Vorzüge zu genießen, müssen Nutzer allerdings bereit sein, ihre Daten bereitzustellen. Das könnte vor allem bisherige iPhone-Nutzer abschrecken, weil Apple bei der Weiternutzung der Informationen doch wesentlich zurückhaltender ist. Außerdem sind beide Modelle sehr teuer. Das 5-Zoll-Pixel kostet mindestens 760 Euro, das XL ist nicht unter 900 Euro zu haben.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema