Technik

Apple biegt die Realität Hohe Reparaturkosten für verbogenes iPad

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Das iPad Pro lässt sich nicht nur leicht biegen, manchmal kommt es schon verbogen aus der Fertigung.

(Foto: Youtube/JerryRigEverything)

Ein neues iPad Pro mit leicht gebogenem Gehäuse ist laut Apple nicht defekt und kein Grund für ein Ersatzgerät. Wer das nicht einsehen und das Gerät trotzdem austauschen will, muss unter Umständen viel bezahlen.

Wer neue Technik kauft und dafür viel bezahlt, erwartet ein makelloses Produkt. Das gilt natürlich auch für Apples neue iPads. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung des neuen iPad Pro gab es in Foren Beschwerden von Nutzern, die leicht verbogene Geräte erhalten hatten. Nicht schlimm verbogen und voll funktionstüchtig, aber eben doch so, dass es auffiel. Die Geburt von "iPad-Gate"?

Apple wollte von einem Fabrikationsfehler nichts wissen. Stattdessen seien leichte Verformungen ganz normal und ein Nebeneffekt des Herstellungsprozesses. Und weil an den neuen iPads nach Apples Sicht nichts kaputt ist, lässt sich der Hersteller laut Medienberichten auch die Reparatur fürstlich bezahlen.

Wer ein neues iPad Pro mit gebogenem Gehäuse besitzt, hat im Grunde nur zwei Chancen, es kostenlos umzutauschen. Entweder man bringt es binnen der 14-tägigen Rückgabefrist wieder zurück (nur bei Käufen in der Weihnachtszeit gelten längere Fristen bis zum 8. Januar) oder man hofft auf die Kulanz des Service-Personals. Denn eine Verpflichtung seinen Kunden gegenüber sieht Apple in diesem Fall offenbar nicht.

Mehrere Kunden berichten inzwischen, dass bei einem gewünschten Austausch oder einer Reparatur des iPad Pro 2018 ganz regulär die Tarife für Reparaturen fällig werden. Das bedeutet: Wer eine AppleCare+-Versicherung abgeschlossen hat, kommt mit einer Selbstbeteiligung von 49 Euro davon. Zudem wird die Reparatur als eine von zwei Reparaturen bei "unabsichtlicher Beschädigung" angerechnet - der Kunde muss also die Verantwortung für den Schaden auf sich nehmen.

Wer auf die Zusatzversicherung von Apple verzichtet hat, kann sich im Grunde gleich ein neues Tablet kaufen: Für die Reparatur eines 12,9-Zoll-iPad-Pro der 3. Generation werden laut Apples offizieller Preisliste saftige 700,90 Euro fällig. Über 700 Euro also für einen Schaden, den Apple selbst verursacht hat und den der Hersteller partout nicht als Makel anerkennen will.

"Gaslighting"

Michael Simon, Autor der auf Apple spezialisierten Website "Macworld", bezeichnet Apples "erstaunliches" Vorgehen mit einem Begriff aus der Psychologie: Der Konzern betreibe "Gaslighting", also, frei nach Wikipedia, die gezielte Desinformation und Manipulation seiner Kunden, um deren Realitätsbewusstsein zu deformieren.

Die Assoziation ist nicht abwegig und deckt sich gut mit einem kürzlich erschienenen Bericht des "Guardian", laut dem die Angestellten in den Apple-Stores darauf geschult werden, Kunden einzulullen und ihnen mit emotionalen Tricks Produkte zu verkaufen. Probleme mit einem Produkt gebe es grundsätzlich nicht, manche Wörter wie "Fehler" oder "Crash" dürfen nicht verwendet werden.

Den gleichen Weg wählt auch Apples Hardware-Vizechef Dan Riccio in einer E-Mail an einen verärgerten Kunden, aus der "Macrumors" zitiert. Darin heißt es in blumigen Worten, das Unibody-Design des iPads erfülle oder übertreffe alle Qualitätsstandards. Die aktuelle Toleranzgrenze für die "Flachheit" eines iPad Pro liege bei 0,4 Millimetern und der Grad werde sich bei normalem Gebrauch mit der Zeit nicht verändern. "Leichte Abweichungen" beeinflussten nicht die Funktionalität des Geräts.

Für Macworld-Autor Simon kann Riccios Statement nur zwei Dinge bedeuten: "Apple sagt im Grunde, dass diese iPads entweder a) nicht verbogen sind oder b) verbogen sein sollen." Wenn das Apples Umgang mit einer offensichtlichen Panne sei, dann sei das besorgniserregender als die schlechten Verkaufszahlen des iPhone XR - und die sind bekanntlich alles andere als gut. Eine offizielle Stellungnahme von Apple gibt es bisher nicht.

Quelle: n-tv.de, jwa

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