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Skurrile Premiere in München Huawei Mate 30 kommt vielleicht nie

Huawei stellt die neue Mate-30-Serie in München vor. Trotz der üblichen Rituale ist die Präsentation ganz anders als vorangegangene. Denn wegen des US-Boykotts laufen die neuen Top-Smartphones ohne Google-Software vom Stapel. Ob sie Deutschland erreichen werden, ist offen.

Weil die Veranstaltung schon lange geplant war, bevor die USA einen Handelsboykott verhingen, blieb Huawei wohl nichts anderes übrig, als seine neuen Mate-30-Flaggschiffe am 19. September in München vorzustellen. Hätten die Chinesen vorher gewusst, dass die Geräte ohne Google-Software auskommen müssen, hätten sie das Event wohl in ihrem Heimatland abgehalten. Denn dort ist es nicht unüblich, Smartphones mit alternativen Betriebssystemen und App-Stores zu verkaufen. In Europa dagegen wird es für Huawei enorm schwer, die Geräte ohne Google-Apps auf den Markt zu bringen.

Die Butterbrezeln waren gut

So begann die Veranstaltung für die Medienvertreter mit einem äußerst skurrilen Vorab-Event. Normalerweise haben sie bei solchen Terminen die Möglichkeit, einen ersten Blick auf Geräte zu werfen und erhalten Informationen zu deren Funktionen und ihren technischen Spezifikationen. Doch diesmal durften sie sich Geschichten aus der 32-jährigen Unternehmensgeschichte, die großen Leistungen in der Vergangenheit und eine große Portion PR-Blabla anhören. Nach dem Pre-Event bleib erstmal nur die Erkenntnis, dass man seine Zeit vergeudet hatte und immerhin die gereichten Butterbrezeln gut waren.

Als wäre nichts gewesen

Die Hauptveranstaltung lief dann wie Huaweis Produktvorstellungen in der Vergangenheit ab. Mobil-Chef Richard Yu präsentierte die Geräte als gäbe es keinen US-Boykott und Huawei und Google hätten noch eine gemeinsame Zukunft. Auch die üblichen Seitenhiebe auf Apple blieben nicht aus. Tatsächlich konnte man kurz das Dilemma der Chinesen vergessen, denn vor allem das Huawei Mate 30 Pro ist ein spannendes Smartphone, das es locker mit den neuen iPhones oder Samsungs Galaxy-Note-10-Duo aufnehmen könnte.

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Das Display biegt sich weit zum Rahmen herab.

Auffälligstes Merkmal des Smartphones ist die Quad-Kamera in kreisförmiger Anordnung auf der mattierten Glas-Rückseite. Haupt- und Ultraweitwinkel-Kamera haben 40-Megapixel-Sensoren, dazu kommt eine 8-Megapixel-Tele-Kamera und ein ToF-Sensor für Tiefen-Informationen.

Laut Huawei sollen es die Nacht-, Porträt- oder Tele-Aufnahmen auch mit den Fotos des iPhone 11 Pro aufnehmen. Außerdem soll die Kamera in der Lage sein, für Zeitlupen über 7000 Bilder pro Sekunde zu schießen, Nacht-Videos aufzunehmen und ein während eines Drehs Bokeh in Echtzeit zu erzeugen.

Konkurrenzfähige Technik

Das OLED-Display misst rund 6,5 Zoll, hat einen integrierten Fingerabdrucksensor und besitzt zum Rahmen hin stark gebogene Ränder. Die Volumen-Tasten hat Huawei durch Touch-Kontrollen ersetzt. In der Notch des Bildschirms sitzen neben einer 32-Megapixel-Selfie-Knipse Kameras und Sensoren für eine 3D-Gesichtserkennung und mit 4500 Milliamperestunden verspicht der Akku lange Laufzeiten. Der neue Kirin-990-Prozessor soll extrem leistungsstark, aber sehr sparsam sein. Außerdem gibt es von ihm eine Version mit integriertem 5G-Modem – ein Novum bei Smartphone-Chips.

Android 10 ohne Google-Apps

Letztendlich spielten die technischen Eigenschaften der vorgestellten Mate-30-Serie eine untergeordnete Rolle. Vor allem die anwesenden europäischen Medienvertreter wollten wissen, ob die Smartphones unter anderem nach Deutschland kommen und wenn ja, mit welcher Software-Ausstattung.

Wie im Vorfeld der Veranstaltung vermutet wurde, kommt die Mate-30-Serie nicht mit Huaweis eigenem Betriebssystem HarmonyOS, sondern mit der lizenzfreien Android-10-Version und eigenem App-Store. Dass Nutzer sich später vielleicht die Google-Apps selbst installieren können, sagte Richard Yu nicht. Auf der IFA in Berlin deutete er jedoch an, dass dies ein Weg sein könnte, den Boykott zu umgehen.

Nur die Preise stehen fest

Das Huawei Mate 30 Pro soll mit 128 Gigabyte (GB) Flash-Speicher und 8 GB Arbeitsspeicher 730 Euro kosten, das Mate 30 Pro mit 256/8 GB 1100 Euro kosten, für die 5G-Version veranschlagt Huawei 1300 Euro.

Ob und wann auch deutsche Nutzer die Geräte kaufen können, ließ Huawei vorerst völlig offen. Man versuche, die Geräte nach Europa zu bringen, könne aber noch nichts Genaues sagen, sagte ein deutscher Huawei-Vertreter. So ging eine der seltsamsten Smartphone-Premieren aller Zeiten mit großen Fragezeichen zu Ende.

Quelle: n-tv.de

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