Technik

Die Zukunft hat schon begonnen IBM macht Quantensprung für alle

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IBMs Projektleiter Jerry Chow bei der Arbeit.

(Foto: IBM)

Wer Lust und das entsprechende Können mitbringt, kann jetzt die Computer-Zukunft selbst ausprobieren. IBM startet einen Cloud-Dienst, der es es jedem Interessierten ermöglicht, Berechnungen von einem Quanten-Chip durchführen zu lassen.

IT-Riese IBM hat einen Cloud-Dienst gestartet, der es Studenten, Forschern oder Wissenschaftsenthusiasten erlaubt, Experimente mit einem Quantenprozessor durchzuführen. So ein Chip ist der erste Schritt hin zu einem Quantencomputer, der um ein Vielfaches leistungsfähiger ist als die aktuell schnellsten Supercomputer. "Wir sind dabei, ein neues Kapitel in der Computing-Geschichte aufzuschlagen", heißt es auf der Startseite des "IBM Quantum Experience". Heutzutage definiere noch die klassische Physik "unser Denken, unsere Experimente, unsere Computer und letztendlich auch, wie wir Informationen verarbeiten." Klassische Computermodelle seien allerdings kurz davor, ihre Grenzen zu erreichen", schreibt IBM. Quantencomputer dagegen hätten das Potenzial, Probleme zu lösen, an denen sich die aktuell stärksten Supercomputer die Zähne ausbeißen.

Schrödinger lässt grüßen

Noch gibt es aber keinen solchen Quantencomputer, sondern nur einen Prozessor mit fünf sogenannten Quantenbits. Bei klassischen Computern ist ein Bit entweder 0 oder 1. Ein Quantenbit kann aber beides zugleich sein und damit nicht nur zwei, sondern vier Werte darstellen. Beides zugleich? War da nicht was? Genau, Schrödingers Katze, das berühmte Gedankenexperiment, das Erwin Schrödinger bereits 1935 entwarf.

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So einfach sieht der Zugriff auf IBMs Quanten-Cloud-Dienst auf einem Tablet aus.

(Foto: IBM)

Ein Atom, ein Detektor, ein Hammer, ein Gefäß mit einer giftigen Substanz und eine Katze befinden sich dabei in einer Kiste. Sobald das Atom zerfällt, bemerkt dies der Detektor und bewegt den Hammer. Dieser zerstört das Gefäß, wodurch das Gift freigesetzt wird, welches die Katze tötet. Solange die Kiste aber geschlossen ist und der Betrachter daher nicht sehen kann, ob die Katze noch lebt, befindet sie sich in einem "Zwischenzustand" zwischen lebendig und tot, also in einer Superposition der beiden Zustände.

Wer etwas tiefer in die Theorie der Quantencomputer eintauchen möchte, kann dazu ein PDF von Matthias Bezold lesen, das er unter "Quantencomputer.de" zur Verfügung stellt. Eine einfachere Erklärung zu diesem Thema dürfte schwer zu finden sein.

50 Qbits schlagen chinesischen Supercomputer

Der 5-Qbit-Prozessor ist IBMs zweiter Chip dieser Art und ein wichtiger Schritt hin zum nächsten großen Ziel des Unternehmens: In den nächsten zehn Jahren sollen Quantenprozessoren mit 50 bis 100 Qbits entwickelt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Das scheint nicht viel zu sein, doch bereits ein Prozessor mit 50 Qbits würde die heutigen Supercomputer der Top 500 alt aussehen lassen. Der aktuell schnellste, der chinesische Tianhe-2, hat eine Rechenleistung von 33,8 Petaflops. Interesse an einer schnellen Entwicklung von Quantencomputern haben dabei nicht nur Wissenschaftler, auch die NSA bezahlt entsprechende Forschungen, um die gewaltigen Datenmengen zu bewältigen, die sie sammelt.

Wer herausfinden will (und kann), was 5 Qbits zustande bringen, muss zunächst eine Einladung von IBM beantragen und angeben, wie er den Quanten-Cloud-Dienst nutzen möchte und was seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Quantenphysik sind. Außerdem muss man für ein Experiment geduldig sein. Man habe schließlich kein Quanten-Rechenzentrum, sagte Projektleiter Jerry Chow "Venture Beat". Es könnten nicht gleichzeitig 1000 Leute Tests mit einem Quantenchip machen, weshalb die Anfragen nacheinander abgearbeitet würden. Ist ein Auftrag erledigt, erhält der Auftraggeber eine E-Mail.

Quelle: ntv.de, kwe