Technik

Sexistische Männerdomäne CES? Innovatives Sex-Spielzeug von Messe verbannt

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Der Osé Personal Massager sollte auf der CES eigentlich einen Innovationspreis bekommen.

(Foto: Quelle: LoraDiCarlo)

Ein Sex-Spielzeug für Frauen soll auf der CES einen Innovationspreis bekommen. Doch die Jury entscheidet sich um, verbannt es von der Messe und streicht den Preis. Die Begründung will die Firmenchefin nicht gelten lassen - sie wittert Sexismus.

Jedes Jahr werden auf der CES in Las Vegas neue und aufregende Produkte mit Innovationspreisen ausgezeichnet. Nominiert und für einen Preis vorgesehen war dieses Jahr auch ein Sex-Spielzeug für Frauen. Der "Osé Personal Massager" sollte den Preis in der Kategorie "Robotics and Drone" gewinnen, doch die Jury entschied sich kurzerhand um und schloss Osé-Hersteller Lora DiCarlo von der Messe aus. Warum?

Von Frauen für Frauen

Lora DiCarlo ist laut Selbstbeschreibung ein "von Frauen geführtes Start-up", das das Image von sogenannten "pleasure products" verändern möchte - gemeint sind damit Sexspielzeuge wie der "Osé Personal Massager" mit "Hands-Free Technology", der Frauen freihändiges Vergnügen verspricht. Lora DiCarlo reichte sein erstes Produkt als Kandidat für die CES Innovation Awards ein - und bekam im Vorfeld der Messe gleich einen Preis zugesprochen. Doch der Triumph war nur von kurzer Dauer.

Die Juroren von der Consumer Technology Association (CTA), die auch die Messe selbst organisieren, widerriefen ihre Entscheidung und untersagten Lora DiCarlo zudem, den Osé auf der Messe auszustellen. "Business Insider" zitiert eine Stellungnahme der CTA, in der es heißt, das Produkt passe in keine der bestehenden Kategorien und hätte deshalb gar nicht erst zur Preisverleihung zugelassen werden sollen. Die CES habe keine Kategorie für Sexspielzeuge. Eine Erklärung dafür, weshalb LoraDiCarlo auch von der Messe selbst verbannt wurde, liefert die CTA laut "Business Insider" nicht.

Doppelmoral

Firmenchefin Lora Haddock hat eine andere Version der Geschichte. In einem offenen Brief erklärt sie, die Jury habe ihr Unternehmen und den "Personal Massager" Osé ursprünglich aus moralischen Gründen disqualifiziert - eine Entscheidung, die laut Haddock die Doppelmoral der CES zeige. Denn Geräte und Gadgets, die auf die sexuelle Befriedigung von Männern ausgerichtet seien, gehörten längst zum Messeinventar.

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Fühlen sich die Messemacher vom Osé Personal Massager bedroht?

(Foto: LoraDiCarlo)

Eine Sexpuppe für Männer sei 2018 auf der CES präsentiert worden, führt Haddock aus, und jedes Jahr könnten dort Männer in aller Öffentlichkeit Virtual-Reality-Pornofilme anschauen. Die CTA habe also offensichtlich kein Problem damit, "die demonstrative Zurschaustellung von männlicher Sexualität und Lust" zu erlauben. "Andere Sexspielzeuge wurden auch auf der CES gezeigt und manche gewannen sogar Preise", fährt Haddock fort. "Aber Osé hat offenbar etwas Bedrohendes an sich - ein Produkt von Frauen für die Emanzipation von Frauen."

Im Übrigen sei auch die Begründung falsch, Osé passe nicht in die Robotics-Kategorie. Das Unternehmen habe das Sexspielzeug zusammen mit der Robotik-Abteilung der Oregon State University entwickelt und acht Patente für die Bereiche Robotik, Bionik und Engineering angemeldet. Osé sei in der Lage, alle Empfindungen von Mund, Zunge und Fingern eines Menschen nachzuahmen - das sei "wirklich innovative Robotik", betont Haddock.

Kein Platz für weibliche Sexualität

Dass für derlei Produkte auf der CES aber offenbar kein Platz sei, kommt für Haddock nicht gänzlich unerwartet. Die Messe - wie auch die Technikbranche an sich - sei geprägt von Sexismus, Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung und sexueller Doppelmoral und habe klare Probleme mit Diversität. Während Sex-Produkte für Männer prominent ausgestellt würden, hätten die weibliche Sexualität und innovative "Sex Tech" für Frauen offenbar keinen Platz auf der Messe.

Entscheidungen wie die der CTA-Jury trügen dabei laut Haddock nicht nur dazu bei, dass Frauen, Menschen mit nicht-binärer und genderneutraler Geschlechtsidentität sowie Mitglieder der LGBTQI-Gemeinschaft systematisch von der männerdominierten Technikwelt ferngehalten werden. Sie bremsten auch technische Innovationen aus, indem sie ganzen Konsumenten- und Produktgruppen den Zugang zu Finanzmitteln und Ausstellungsmöglichkeiten versperrten.

Quelle: n-tv.de

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