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Surface Headphones sind speziell Kann Microsoft auch Kopfhörer?

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Man sieht den Microsoft Surface Headphones sofort an, zu welcher Familie sie gehören.

(Foto: kwe)

Es hat lange gedauert, aber jetzt sind Microsofts erste Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung auch in Deutschland erhältlich. n-tv.de hat ausprobiert, ob die Surface Headphones mit den Besten ihrer Zunft mithalten können. Das tun sie, aber sie haben ein paar Eigenheiten, die man mögen muss.

Warum Microsoft bis jetzt gewartet hat, die schon im vergangenen Oktober vorgestellten Surface Headphones auch in Deutschland zu verkaufen, ist nicht ganz klar. Es könnte daran liegen, dass der Kopfhörer hierzulande noch nicht die eigene Sprachassistentin Cortana unterstützt, sondern nur Apples Siri oder den Google-Assistenten. Egal, jetzt sind sie hier und n-tv.de hat ausprobiert, ob sie ihren hohen Preis von 380 Euro wert sind.

Gelungenes Design

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Der Bügel des Kopfhörers liegt eng am Kopf.

(Foto: Microsoft)

Als Erstes fällt das gelungene Design des Kopfhörers auf. Er ist mit seinen Grautönen und silbernen Windows-Logos auf den ersten Blick als Mitglied der Surface-Familie zu erkennen. Und wie bei anderen Microsoft-Geräten ist die Ergonomie sehr gut. Die Headphones sitzen bequem und sicher auf dem Kopf, obwohl sie fast 300 Gramm wiegen. Außerdem liegt der Bügel durch einen Knick über den Muscheln auch seitlich eng an, wodurch sie auf dem Kopf besser aussehen als die meisten anderen Over-Ear-Kopfhörer.

Dazu ist die Verarbeitung ausgezeichnet. Obwohl die Surface Headphones größtenteils aus Plastik bestehen, knarzt kein Gelenk und sie wirken äußerst robust. Dafür kann man für den Transport aber lediglich die Muscheln eindrehen, wodurch die - ebenfalls attraktive - Transporthülle ziemlich groß ausgefallen ist.

Equalizer und Updates nur über Windows 10

Dass die Kopfhörer etwas anders sind, stellt man schon fest, wenn man sie einrichtet. Denn wenn man dazu, wie in der Schnellanleitung aufgefordert, die zugehörige App installieren möchte, findet man in Deutschland bisher weder Android-App noch iOS- oder macOS-App. Man benötigt sie nicht, um die Surface Headphones mit einem Smartphone oder Mac zu koppeln, das klappt auch so völlig problemlos. Aber nur mit der Windows-10-App steht dem Nutzer ein Equalizer zur Verfügung und nur über sie kann man die Firmware des Kopfhörers aktualisieren. Das Fehlen anderer Apps ist angesichts der von Microsoft propagierten Plattform-Offenheit etwas eigenartig.

Komfortable Steuerung

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Die Transporthülle kann sich ebenfalls sehen lassen.

(Foto: kwe)

Die Steuerung ist ebenfalls sehr speziell, aber gelungen. So regelt man die Lautstärke stufenlos, indem man den äußeren Ring der rechten Muschel dreht. Zum Starten, Pausieren oder Überspringen tippt man auf die rechte oder linke Außenfläche, ebenso nimmt man über Tipper Anrufe an, beendet sie oder lehnt sie ab. Drückt man länger auf eine der Touch-Flächen, startet Siri oder der Google-Assistent. Dazu gibt es auf der rechten Seite noch einen Einschalter und eine Taste zum Stummschalten von Anrufen. Praktisch: Nimmt man den Kopfhörer ab, stoppt die Wiedergabe automatisch.

Über den Ring an der linken Muschel stellt man die Stärke der aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) ein, und zwar über 13 Stufen. Im Prinzip ist das praktisch, da man theoretisch den Filter sehr genau an Situationen anpassen kann. In der Praxis hört man die Übergänge zwischen den einzelnen Stufen aber kaum und endet damit, den Filter entweder ganz oder gar nicht zu nutzen, bestenfalls noch eine mittlere Stufe zu wählen.

ANC und Klang gut

Grundsätzlich funktioniert ANC bei den Surface Headphones aber ziemlich gut. Das Rauschen im Flugzeug oder andere permanente Störgeräusche filtert es sehr effektiv. Klappernde Tastaturen oder Gespräche der Kollegen im Büro werden auch gut unterdrückt, aber nicht so stark wie beim Bose Quiet Comfort 35 II oder gar Sonys WH-1000X. Außerdem ist das ANC-Grundrauschen beim Microsoft-Kopfhörer einen Tick deutlicher zu hören.

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Über die USB-C-Buchse ist der Kopfhörer-Akku schnell wieder geladen.

(Foto: kwe)

Auch beim Klang spielen die Surface Headphones in der oberen Liga mit. Sie bieten kräftige Bässe, breite Mitten und klare Höhen. In der Grundeinstellung ist der Sound allerdings etwas dumpf und eher unspektakulär. Mit dem Equalizer kann man dem Klang deutlich mehr Pep verleihen, an verschiedene Musikstile oder den eigenen Geschmack anpassen. Dann sind die Surface Headphones fast auf Augenhöhe mit den Top-Geräten von Bose oder Sony. Blöd nur, dass man das hierzulande bisher nur an einem Windows-10-Rechner machen kann.

Die Laufleistung gibt Microsoft bei aktiviertem ANC und einer Bluetooth-Verbindung mit 15 Stunden an, im Test waren rund 14 Stunden drin. Das ist okay, aber die Top-Konkurrenz kommt auf 20 bis 25 Stunden. Weil die Surface Headphones einen USB-C-Anschluss haben, sind leere Geräte allerdings schnell geladen. Nach 5 Minuten am Netzteil kann man wieder rund eine Stunde Musik hören.

Top, aber es geht besser und günstiger

Unterm Strich ist Microsoft ein richtig guter erster ANC-Kopfhörer gelungen. Die Geräuschunterdrückung ist effektiv und beim Klang kann er ganz oben mitspielen, wenn man den Umweg über die Windows-10-App geht. Das Design der Surface Headphones ist sehr gelungen, man muss den Stil aber mögen. Die Steuerung ist spitze, komfortabel und einfach. 380 Euro sind allerdings ein happiger Preis. Da muss man schon ein Surface-Fan sein, um nicht eher zum Quiet Comfort II zu greifen, der online schon ab 250 Euro zu haben ist. Auch der aktuell wohl beste ANC-Kopfhörer Sony WH-1000XM3 kostet 40 Euro weniger.

Quelle: n-tv.de

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