Technik

Sennheiser nutzt neues Potenzial Mit diesen Ohrhörern hört man gespenstisch gut

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Die Sennheiser Conversation Clear Plus sind ANC-Ohrhörer und Hörhilfe zugleich.

(Foto: kwe)

Die Sennheiser Conversation Clear Plus sind ganz spezielle Ohrhörer. Denn sie bieten nicht nur einen guten Klang mit effektiver Geräuschunterdrückung, sondern sind auch eine wirksame Hörhilfe, wenn es darauf ankommt.

Im Frühjahr 2021 gab Sennheiser den Verkauf seiner Consumer-Electronics-Sparte an die Sonova Holding AG bekannt. Damit ergänzte das Schweizer Unternehmen seine Hörgeräte-Expertise mit dem Kopfhörer-Know-how der deutschen Traditionsfirma - speziell das über kabellose Ohrhörer.

Im Prinzip eine neue Kategorie Ohrhörer

Man wolle "noch mehr Menschen auf ihrem Weg zu gutem Hören begleiten", sagte Sonova-Chef Arnd Kaldowski damals. "Wir sind davon überzeugt, dass unser erweitertes Angebot an persönlichen Audiogeräten mit Sprachunterstützung wesentlich dazu beitragen wird, die Akzeptanz von Hörlösungen zu steigern."

Erste Ergebnisse waren bereits die TV-Headsets Sennheiser TV Clear und RS 120-W. Doch mit den Conversation Clear Plus bringt Sennheiser jetzt seine erste echte Kombination aus klassischen kabellosen Ohrhörern und Hörhilfe auf den Markt.

Man sieht es ihnen nicht an

Der enorm hohe Preis von knapp 850 Euro lässt es erahnen, aber man sieht den Stöpseln nicht an, dass sie etwas Besonderes sind. Es könnten auch ganz normale Ohrhörer sein. Optisch unterscheiden sie sich allerdings deutlich von Sennheisers Momentum-True-Wireless-Serie: Auf der Außenseite haben die rund 6 Gramm leichten Conversation Clear Plus Zapfen mit mechanischen Tasten und Touchflächen, und für einen sicheren und sehr bequemen Sitz im Ohr gibt es verschiedene Silikon-Ringe mit kleinen Finnen.

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Hosentaschenformat hat das Case nicht gerade.

(Foto: kwe)

Auffallend ist auch das recht große, aber 55 Gramm leichte Ladecase, das an der Unterseite einen Gummiring hat, um nicht von glatten Oberflächen zu rutschen. Damit ist klar, dass die Conversation Clear Plus nicht unbedingt für den unkomplizierten Musikgenuss unterwegs gedacht sind, sondern eher immer griffbereit auf dem Tisch liegen sollen.

Typischer Sennheiser-Klang

Das heißt nicht, dass es keinen Spaß macht, mit den Stöpseln Musik zu hören. Im Gegenteil: Die Ohrhörer klingen wie typische Sennheiser, also richtig gut. Der Klang ist ausgeglichen und neutral. Die Bässe gehen tief und sind kräftig, wummern aber nie unangenehm stark.

Bestimmend sind immer die wohldefinierten Mitten, die mit glasklaren Höhen mit vielen Details ergänzt werden. Allerdings sind die Conversation Clear Plus nicht ganz so analytisch wie die Sennheiser True Wireless Momentum 3. Das liegt unter anderem daran, dass sie keine hochauflösenden Bluetooth-Codecs wie aptX unterstützen.

Sprachverbesserung an erster Stelle

Musikgenus ist eben nur eine Aufgabe der Stöpsel. Die andere ist, die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Das heißt, egal ob man sich mit Menschen in einem Raum unterhalten möchte, Telefongespräche führt oder einem Vortrag folgen möchte, ermöglichen es die Ohrhörer auch in einer lauten Umgebung, alles klar und deutlich bis ins kleinste Detail zu verstehen.

Genau genommen ist Sprachverbesserung die Grundeinstellung der Conversation Clear Plus. Das heißt, wenn man sie einsetzt, befinden sie sich immer zunächst im Konversations-Modus. Erst wenn man die Musikwiedergabe oder ein Video startet, wechseln sie automatisch in den Streaming-Modus. Pausiert man die Wiedergabe, schalten die Ohrhörer umgehend wieder in die Sprachverbesserung um.

Starkes ANC

Der dritte Modus heißt Relax. Er dient dazu, Stille zu genießen, also die Außengeräusche weitgehend auszuschließen. Hier merkt man, dass die Conversation Clear Plus auch über eine sehr effektive aktive Geräuschunterdrückung (ANC) verfügen. Sie blendet nicht nur gleichmäßiges Rauschen wie beispielsweise in Zügen aus, sondern dämpft auch deutlich Bürogeräusche. Sogar Tastatur-Geklapper ist fast nicht mehr zu hören, solange niemand zu sehr in die Tasten hämmert.

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Die Ohrhörer bieten drei verschiedene Klang-Modi.

(Foto: kwe)

Dabei ist es in jedem Modus möglich, in der zugehörigen App die Intensität eines Effekts stufenlos einzustellen. Beim Streaming bedeutet dies zu bestimmen, wie stark Außengeräusche durchgelassen oder abgeschirmt werden. Gleichzeitig wird die Lautstärke unabhängig vom Abspielgerät gesenkt oder erhöht.

Im Kommunikations-Modus legt man die Sprach-Lautstärke fest und kann zusätzlich die höheren Frequenzen für eine bessere Verständlichkeit von Stimmen erhöhen. Im Relax-Modus geht es nur darum, wie stark man Außengeräusche hören möchte.

Rascheln kann ganz schön laut sein

Damit die Sprach-Anpassungen möglichst effektiv sind, kann man in der App ein persönliches Klangprofil erstellen. Dazu gibt man in einem Test an, welche Lautstärke und welche Klangfarbe angenehm ist. Das hilft, dass die Sprachverstärkung nicht allzu unnatürlich wirkt.

Ganz vermeiden lässt sich das nicht, da zur besseren Sprachverständlichkeit immer die höheren Frequenzen betont werden. Übertreibt man, hört man unter Umständen manches besser als einem lieb ist. Beispielsweise versteht man dann nicht nur jedes Flüstern, sondern nimmt auch Kleiderrascheln, seine Atemgeräusche, das Quietschen einer Tür oder andere hohe Töne unangenehm stark wahr. Außerdem verstärkt sich mit dem Effekt auch das Eigenrauschen der Ohrhörer.

Automatische Anpassung

Um dem entgegenzuwirken, findet man etwas versteckt unter "Hören Sie noch nicht gut genug?" in der App einen Regler, um den Klang zwischen weich und hart anzupassen. Zudem erkennen die Ohrhörer automatisch die Lautstärke der Umgebung und passen Effekte entsprechend an.

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Mit Reserven der Ladebox halten die Ohrhörer bis zu 27 Stunden durch.

(Foto: kwe)

Trotzdem dauert es eine Weile, bis man die richtige Balance gefunden hat. Dann versteht man aber wirklich jede Silbe, selbst in lauten Großraum-Restaurants. Bei Telefonaten ermöglicht das Zusammenspiel zwischen Geräuschunterdrückung und Sprachverstärkung entspannte Gespräche, sogar auf belebten Kreuzungen.

Komplizierte Steuerung

Die vielen Möglichkeiten machen die Steuerung der Conversation Clear Plus leider etwas kompliziert und manche Dinge sind nicht möglich, die sonst bei kabellosen Ohrhörern selbstverständlich sind. Beispielsweise kann man Songs nicht überspringen, wenn man Musik hört.

Am schwierigsten ist am Anfang, dass man für jeden Modus teilweise verschiedene Gesten lernen muss. Zum Beispiel schaltet man im Kommunikations-Modus durch langes Drücken auf die Taste des rechten Ohrhörers die Sprachverständlichkeit an oder aus. Im Relax-Modus und beim Streaming kommt man so zum Kommunikations-Modus.

Mit Doppel-Tippern auf die rechten Seite pausiert oder startet man die Wiedergabe eines Songs oder Videos, tut man dies auf der linken Seite, ruft man einen digitalen Assistenten auf. Das ist zwar einfach zu merken, allerdings reagieren die Ohrhörer auf die Geste etwas schwerfällig. Man muss recht kräftig darauf klopfen, was zu lauten Plops im Ohr führt. Hier kann Sennheiser die Empfindlichkeit, hoffentlich noch über ein Update verbessern.

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Nicht verbesserungswürdig ist die Ausdauer der Ohrhörer. Sie halten bis zu neun Stunden durch, das Case hat Reserven für zwei volle Ladungen. Da kann man auch verzeihen, dass die Box trotz ihrer Größe nicht induktiv Strom tanken kann.

Fazit

Die Sennheiser Conversation Clear Plus sind eine tolle und ausgesprochen bequeme Lösung für Menschen, die zwar nicht schwerhörig sind, aber Probleme haben, Stimmen gut zu verstehen. Mit den Ohrhörern können sie beispielsweise auch in lauten Umgebungen mühelos Konversationen oder Telefongespräche führen. Gleichzeitig sind die Conversation Clear Plus sehr gute Musik-Unterhalter. Ihr Preis ist allerdings sehr happig, und Sennheiser sollte bei der Tipp-Steuerung die Empfindlichkeit der Stöpsel erhöhen.

Quelle: ntv.de

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