Technik

Sauteuer, aber cool Samsung Galaxy Z Flip hält schön die Klappe

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Das Samsung Galaxy Z Flip.

(Foto: kwe)

Das Samsung Galaxy Z Flip ist ein cooles Falt-Smartphone, das auch alltagstauglich ist. Man muss es nicht haben, man will es haben - wenn man es sich leisten kann.

Das Galaxy Fold war zwar Samsungs erstes Falt-Smartphone, aber mit einem 7,3 Zoll großen Bildschirm war es eher ein zusammenklappbares Tablet und nur bedingt hosentaschentauglich. Das neue Galaxy Z Fold ist kleiner, schlanker und leichter. Im Test hat es sich im Alltag bewährt und noch mehr als das neue Motorola Razr das Feeling der coolen Klapp-Handys zurückgebracht. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das Galaxy Z Flip aber auch nur ein Smartphone, und für fast 1500 Euro bieten andere Geräte bis auf ein Falt-Display bessere Technik.

Aufgeklappt ist das Z Flip nicht größer als andere Smartphones mit einem 6,7 Zoll großen Display, denn Samsung hat es geschafft, die Einfassung des Bildschirms sehr schmal zu halten. Mit gerade mal 7,2 Millimetern ist das Gerät außerdem ausgesprochen flach.

Gelungenes Scharnier

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Das Scharnier ist gut vor Staub geschützt.

(Foto: kwe)

Durch das langgestreckte Display-Format 21,9:9 lässt sich das aufgeklappte Gerät nicht nur bequem halten, sondern mit ein bisschen Übung auch gut einhändig öffnen und schließen. Dabei merkt man, dass Samsung das Scharnier richtig gut gelungen ist. Es arbeitet geschmeidig, bietet aber genug Widerstand, um in fast jedem Winkel diese Position zu halten.

Zum Ende der Klappbewegung schnappt das Gelenk angenehm spürbar ein und hält das geöffnete Display straff oder das geschlossene Gerät fest zusammen. Kleine Noppen in den unteren Ecken verhindern, dass die beiden Display-Hälften aneinander scheuern, eine Verkleidung mit feinen Bürsten an der Innenseite sorgt dafür, dass keine Fremdkörper eindringen. Das Gefühl sagt, dass das Scharnier locker die versprochenen 200.000 Klappbewegungen durchhält.

Empfindlicher als andere Smartphones in dieser Preisklasse ist das Galaxy Z Flip trotzdem. Das Display hält weniger aus und wasserfest ist das gute Stück nicht. Wenn man die mitgelieferten Schutzhüllen aufzieht, muss man das Gerät aber auch nicht wie ein rohes Ei behandeln.

Verschwindet in der Hosentasche

Zusammengeklappt ist das Galaxy Z Flip mit 87,4 x 73,6 x 17,3 Millimetern äußerst kompakt. Man muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass ein Smartphone so tief in der Hosentasche verschwindet. Dass das Gerät in diesem Zustand dicker ist als andere, stört dabei nicht im Geringsten.

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Der zweigeteilte Bildschirm beim Fotografieren.

(Foto: kwe)

Die Klapp-Funktion bietet auch noch weitere Vorteile. So wird die untere Hälfte beim Fotografieren zum stabilen Standfuß, was vor allem bei nächtlichen Langzeitbelichtungen und bei Selfies sehr nützlich ist. Dann muss man aber mit Hochformat-Bildern zufrieden sein oder man wählt quadratische Fotos. Wahlweise kann man das Flip auf die Seite legen, was allerdings die Bedienung wieder komplizierter macht. Grundsätzlich teilt sich der Bildschirm, wenn er im 90-Grad-Winkel geklappt ist. Dann dient die obere Hälfte zur Anzeige, die untere zur Bedienung. Praktisch ist die Position auch bei Videochats.

Das Amoled-Display macht nicht nur jede Bewegung problemlos mit, sondern kann sich auch sehen lassen. Die Farben leuchten, die Kontraste sind knackig und der Bildschirm ist hell genug, um auch an sonnigen Tagen noch gut lesbar zu sein. Mit einer Pixeldichte von 425 ppi ist er außerdem ziemlich scharf.

Das Display fühlt sich gut an, durch eine integrierte Schicht aus hauchdünnem Glas macht es einen glatteren und festeren Eindruck als das Panel des Galaxy Fold. Dies könnte aber auch an der geringeren Fläche liegen. Etwas störend ist die Kuhle, die entlang der Falt-Achse verläuft. Sie ist vor allem bei Videos immer mal wieder sichtbar und beim Scrollen durch Webseiten deutlich spürbar. Der Fingerabdrucksensor ist nicht integriert, sondern sitzt im schmalen Einschalter, wo man ihn nicht immer auf Anhieb trifft.

Sehr kleines Zweit-Display

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Das kleine Außen-Display hilft bei Selfies mit der Hauptkamera.

(Foto: jwa)

Ein bisschen klein ist das zweite Display geraten, das sich neben der Doppel-Kamera befindet. Mit knapp einem Zoll kann es aber Uhrzeit und Akkustand anzeigen und auch für die Steuerung der Musikwiedergabe ist der Außenbildschirm groß genug. Bei Benachrichtigungen reicht es nur für ein paar Wörter aus; wenn der Text durchläuft, ist das aber auch kein Problem. Klasse ist, dass das Mini-Display bei geschlossenem Gerät die Vorschau von Selfies mit der Hauptkamera anzeigt.

Die Dual-Kamera ist sehr gut, aber keine Oberklasse. Die optisch stabilisierte Weitwinkel-Kamera macht mit 12 Megapixeln und Blende f/1.8 tagsüber schöne Aufnahmen mit prima Farben. Bei wenig Licht und nachts ist die Knipse allerdings sichtbar schwächer als die Kameras aktueller Oberklasse-Smartphones.

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Nutzt man die untere Smartphone-Hälfte als Standfuß, macht die Kamera Fotos im Hochformat.

(Foto: kwe)

Außerdem hat das Galaxy Z Flip eine 12-Megapixel-Ultraweitwinkel-Kamera. Bei Tageslicht liefert sie gute Resultate und bekommt den Weißausgleich so wie die Hauptkamera hin. Mit Blende f/2.2 nimmt die Qualität der Bilder aber gegen Abend relativ schnell ab.

Bei der Leistung müssen Nutzer weniger Abstriche machen, der Snapdragon 855+ ist zwar nicht Qualcomms jüngster Top-Chip, aber immer noch kräftig genug. 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher sind ebenso wie 256 GB Flash-Speicher ausreichend.

Der zweigeteilte Akku hat mit 3300 Milliamperestunden keine allzu hohe Kapazität, bringt das Gerät aber gut über den Tag. Falls es doch mal knapp werden sollte, kann man die Batterie schnell aufladen. Nach 30 Minuten am 15-Watt-Netzteil ist sie fast wieder halb voll, rund zwei Stunden dauert das Volltanken.

Es klappt, mehr nicht

Alles in allem ist das Galaxy Z Flip nicht nur ein cooles, sondern auch ein alltagstaugliches Falt-Smartphone. Doch neben der Kompaktheit halten sich die Vorzüge in Grenzen und man muss sich schon gut überlegen, ob man 1480 Euro nicht für ein technisch besser ausgestattetes Smartphone ausgibt. Sogar das brandneue Samsung Galaxy S20 Ultra ist kaum teurer und das S20+ gibt's schon für 1000 Euro.

Quelle: ntv.de