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Es muss nur halten Samsung Galaxy Fold ist überraschend gut

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Das Samsung Galaxy Fold ist ein teures, aber alltagstaugliches Falt-Smartphone.

(Foto: kwe)

Im zweiten Anlauf gelingt Samsung das Galaxy Fold überraschend gut. Im Test erweist sich das Falt-Smartphone als nützlich, unterhaltend und alltagstauglich. Ob es jetzt auch stabil genug gebaut ist, wird aber erst die Zukunft zeigen, der Kauf bleibt ein Risiko.

Nachdem Samsung den Marktstart des Galaxy Fold im Frühjahr abbrechen musste, weil es sich in ersten Tests als nicht robust genug erwies, ist das Klapp-Smartphone jetzt in einer überarbeiteten Version seit ein paar Wochen im Verkauf. n-tv.de hat ein Gerät eine Woche lang im Alltag ausprobiert, ohne es dabei wie ein rohes Ei zu behandeln. Bisher hat das Galaxy Fold keine Macken davongetragen und sich als überraschend praktisch und unterhaltsam erwiesen.

Tolles Display mit Kuhle

Das 2100 Euro teure Gerät befindet sich aufgeklappt in der Verpackung. Der erste Wow-Effekt stellt sich ein, wenn man das Galaxy Fold einschaltet, denn das 7,3 Zoll große Amoled-Display sieht grandios aus. Befürchtungen, man müsse bei einem faltbaren Bildschirm bei Schärfe, Helligkeit, Kontrast und Farben Abstriche in Kauf nehmen, lösen sich in Sekunden in Luft auf. Der einzige Kompromiss, den man eingehen muss, ist eine Kuhle entlang der Falt-Achse. Sie ist nicht besonders tief, aber vor allem wenn man seitlich auf das Display blickt, deutlich zu erkennen. Doch sie stört nicht wirklich, das Gehirn blendet sie nach einer Weile einfach aus.

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In Maps das Ziel suchen, im Browser Informationen dazu abrufen und dann Nahverkehrsverbindungen finden und Tickets kaufen.

(Foto: kwe)

Das Seitenverhältnis von 4,2:3 ist ideal, um Webseiten und Apps im Hochformat darzustellen. Ins Querformat wechselt man eigentlich nur, um Videos anzuschauen. Egal, wie man das Galaxy Fold hält, kann man zum Multitasking den Bildschirm teilen. Es ist möglich, zwei Apps nebeneinander auszuführen und deren Größe an der Trenn-Achse zu verändern. Bei drei Anwendungen teilen sich zwei eine Display-Hälfte. Man wählt die Apps einfach in einem Fenster aus, das man von der rechten Seite in den Bildschirm wischt. Oder man zieht eine hereinkommende Benachrichtigung herunter, um die Anzeige zu teilen.

Plastik statt Glas

Um das Galaxy Fold zusammenzuklappen, drückt man am besten am unteren Rand auf das Scharnier, worauf sich der Haltemechanismus löst. Druck auf das flexible Display sollte man vermeiden, da es nur von elastischem Kunststoff und keinem festen Abdeckglas geschützt wird. Das klingt komplizierter als es ist, die Bewegung hat man im Handumdrehen im Griff. Deutlich länger dauert es, bis man sich daran sattgesehen hat, wie sich das Display zusammenfaltet.

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Da ist noch Luft zwischen den Display-Hälften...

(Foto: kwe)

Etwas ungeschickt hat Samsung den Fingerabdrucksensor im Rahmen platziert, da man ihn beim Zusammenklappen öfter auch mit nicht registrierten Fingern berührt. Das hat zur Folge, dass man gelegentlich zum Entsperren die PIN eingeben muss.

Durch Magnete im Rahmen haften die beiden Bildschirm-Hälften fest aneinander, wobei sich die gegenüberliegenden Display-Flächen nicht berühren. Samsung hat noch genug Luft gelassen, damit ein Sandkorn beim Zusammenklappen nicht reicht, um das Panel zu beschädigen. Durch die nach den ersten Test-Desastern angebrachten Abdeckungen dringen an den Scharnier-Enden auch keine Fremdkörper mehr ein. Wasser- und staubdicht ist das Gerät allerdings nicht. Außenseiten und Rahmen schützen zusätzlich zwei Cover-Hälften, die wie die kabellosen Ohrhörer Galaxy Buds im Preis inbegriffen sind.

Gelungenes Display-Wechselspiel

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Die ntv-App im Tablet-Modus starten ...

(Foto: kwe)

Zusammengeklappt kann man das Galaxy Fold fast wie ein ganz normales Smartphone nutzen, da es auf der Außenseite ein zweites Display hat. Aber der Bildschirm misst nur 4,6 Zoll und ist mit dem Seitenverhältnis 21:9 sehr schmal. Man nutzt ihn daher vor allem, um Benachrichtigungen zu lesen oder einen schnellen Überblick über E-Mails, in sozialen Medien oder über News in der ntv-App zu gewinnen. Möchte man mehr sehen oder machen, klappt man das Galaxy Fold auf, und die auf dem Außen-Display dargestellte App wird im Tablet-Modus fortgesetzt.

Das Ganze klappt natürlich auch andersrum. Eine auf dem Tablet-Homescreen ausgeführte Anwendung wird nach dem Zusammenklappen auf dem Außen-Display fortgesetzt. Sehr praktisch ist das beispielsweise bei der Navigation mit Google Maps. Seltsamerweise klappt das Ganze aus der Box heraus nur mit wenigen Anwendungen. In den Einstellungen kann man aber fast alle Apps für das Wechselspiel freischalten.

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... und im Smartphone-Modus fortsetzen.

(Foto: kwe)

Zusammengeklappt ist das Galaxy Fold zwar ein 1,7 Zentimeter dickes Pummelchen, aber man kann es trotzdem noch problemlos in die Hosentasche stecken, weil es so schmal ist. Problematischer kann da für manche Kleidungsstücke das Gewicht von fast 280 Gramm sein. Allerdings ist das Galaxy Fold auch nur rund 50 Gramm schwerer als das iPhone 11 Pro Max.

Knipst so gut wie das Galaxy S10

Die Kameras kann man in jedem Zustand nutzen. Im Prinzip hat das Galaxy Fold die sehr gute Dreifach-Knipse des Galaxy S10 mit Haupt-Kamera, Zweifach-Tele und Superweitwinkel-Objektiv geerbt. Sie liefert bei ausreichendem Licht ausgezeichnete Fotos und Videos mit vielen Details, schönen Farben und kräftigen Kontrasten. Auch mit der Dämmerung kommt die Triple-Kamera noch gut klar, wenn's dunkel wird, kann das Galaxy Fold aber nicht mit dem iPhone 11 oder anderen Top-Smartphones mithalten.

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Das Galaxy-Fold ist auch ein sehr gutes Kamera-Smartphone.

(Foto: kwe)

Zusammengeklappt hat man über dem Mini-Display eine einzelne Frontkamera, eine Doppel-Selfie-Knipse à la Galaxy S10 steht nur im Tablet-Modus zur Verfügung. Vielleicht wäre hier ein einzelnes Objektiv auch die bessere Wahl gewesen, da Samsung für die Doppel-Kamera eine ziemlich unansehnliche Aussparung in sein prächtiges Display einfügen musste.

Ausreichend Reserven

Befürchtungen, dem Galaxy Fold könnte schnell die Puste ausgehen, haben sich als unbegründet erwiesen. Das Gerät ist zwar kein Dauerläufer wie das iPhone 11 Pro Max oder das Huawei P30 Pro. Doch es hält normalerweise locker einen Tag durch. Wenn man häufiger das kleine Display einsetzt, sind auch bis zu zwei Tage drin. Ein bisschen knapper wird es, wenn man viel spielt oder die 5G-Fähigkeiten der in Deutschland verkauften Variante nutzt.

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In einem Test haben Scharnier und Display immerhin rund 120.000 Falt-Vorgänge heil überstanden.

(Foto: kwe)

Auch die Kraftreserven sind mehr als ausreichend, um Multitasking mit drei Apps zu ermöglichen. Dem Qualcomm-Prozessor Snapdragon 855 stehen satte 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zur Verfügung. Der interne Flash-Speicher ist mit 512 GB ausreichend, obwohl er nicht erweiterbar ist.

Die Ungewissheit bleibt

Alles in allem hat sich das Galaxy Fold im Test nicht nur als sündhaft teure Spielerei für Technik-Enthusiasten herausgestellt. Es macht richtig Spaß und hat auch viele praktische Seiten. Mit dem Gerät ist Samsung ein starkes Argument für die These gelungen, dass Falt-Smartphones die Zukunft gehören könnte. Allerdings muss sich erst noch herausstellen, wie stabil das Galaxy Fold tatsächlich ist, ein insgesamt zweiwöchiger Test ist da wenig aufschlussreich. Das Risiko müssen Falt-Smartphone-Pioniere wohl eingehen.

Quelle: n-tv.de

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