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Solides Upgrade mit Top-Kamera Soll man das Samsung Galaxy S9 kaufen?

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Das Galaxy S9 und das Galaxy S9 Plus.

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Das Galaxy S9 ist grundsätzlich ein überarbeitetes Galaxy S8, Samsung verspricht vor allem eine stark verbesserte Kamera. Im Test erweist es sich als erstklassiges Smartphone, aber nicht unbedingt als Kaufempfehlung. Warum das denn?

Während der große Gegner Apple mit dem völlig neu gestalteten iPhone X ein großes Risiko eingegangen ist, hat sich Samsung für eine konservative Weiterentwicklung entschieden: Das Galaxy S9 und das Galaxy S9 Plus sehen weitgehend aus wie die Vorgänger und auch bei den Funktionen hat sich nicht viel getan. Samsung hat vor allem das Innenleben verstärkt und als wichtigste Neuerung eine Kamera mit zwei verschiedenen Blendenöffnungen eingebaut. Das Resultat sind zwei hervorragende Smartphones, die technisch derzeit keinen Android-Konkurrenten fürchten müssen, aber beim Preis-Leistungs-Verhältnis nicht unbedingt erste Wahl sind.

Weniger Rand, voller Klang

Technische Daten

  • System: Android 8.0
  • Display S9: 5,8 Zoll, AMOLED, WQHD+, 570 ppi
  • Display S9 Plus: 6,2 Zoll, AMOLED, WQHD+, 529 ppi
  • Prozessor: Exynos 9810, 8 Kerne, 4 x 2,7 GHz + 4 x 1,7 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4/6 GB
  • Interner Speicher: 64/256 GB + microSD
  • Kamera S9: 12 MP, F/1.5 und F/2.4, OIS
  • Kameras S9 Plus: 12 MP, F/1.5 und F/2.4, OIS + Tele (12 MP, F/2.4, OIS)
  • Frontkamera: 8 MP, F/1.7
  • WLAN ac, LTE Cat. 18
  • Stereo-Frontlautsprecher
  • USB-C, Bluetooth 5.0, NFC
  • IP65/68
  • Akku S9: 3000 mAh, Qi Drahtlosladen
  • Akku S9 Plus: S9: 3500 mAh, Qi Drahtlosladen
  • Maße S9: 68,7 x 147,7 x 8,5 mm
  • Maße S9 Plus: 73,8 x 158,1 x 8,5 mm
  • Gewicht S9: 163 g
  • Gewicht S9 Plus: 189 g

Beim Display ist alles beim Alten geblieben, das S9 hat ein 5,8 Zoll großes, an den Seiten gebogenes AMOLED-Display, der Bildschirm des S9 Plus misst 6,2 Zoll. Die Auflösung beträgt bei beiden Modellen 2960 x 1440 Pixel (WQHD+), aber sie ist standardmäßig auf 2220 x 1080 Pixel (FHD+) eingestellt, um Strom zu sparen. So lange man die Geräte nicht in eine VR-Brille steckt, gibt es auch keinen Grund, dies zu ändern. Die Ränder ober- und unterhalb des prächtigen Bildschirms sind ein kleines bisschen schmaler geworden, ansonsten hat sich das Design nicht geändert - auch die Klinkenbuchse ist noch da.

Bei Videos oder Musik ohne Kopfhörer machen bei den neuen Galaxys Stereo-Lautsprecher ordentlich Dampf und erzeugen sogar einen gewissen Raumklang. Besseren Sound hat man trotzdem, wenn man die mitgelieferten AKG-Ohrhörer verwendet.

Neuer Chip, alter Akku

Im Inneren hat sich dagegen erwartungsgemäß einiges getan. So treibt die Geräte in Deutschland Samsungs neuester Top-Chip Exynos 9810 an und im größeren Plus-Modell stehen jetzt 6 statt 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung. Einen Unterschied zu den Vorgänger-Geräten spürt man im Alltag aber kaum. Das gilt auch für die Akkulaufzeiten. 3000 und 3500 Milliamperestunden genügen, um die Geräte gut über einen normalen Tag zu bringen, mehr aber auch nicht. Problematisch ist beim S9, dass Samsung den Schwerpunkt auf die Fotografie gelegt hat. Denn wenn man viele Bilder macht und Videos dreht, sinkt der Ladestand schneller als bei anderen Tätigkeiten.

Hervorragende Kamera

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Erstaunlich, wie gut auch solche extremen Aufnahmen gelingen.

(Foto: kwe)

Und man fotografiert mit dem S9 wirklich gerne, denn die Kamera mit optischer Bildstabilisierung ist hervorragend. Dies liegt vor allem an den beiden verschiedenen Blendenöffnungen F/1.5 und F/2.4, die das Gerät je nach Lichtverhältnissen selbst wählt. Kombiniert mit einer verbesserten Entrauschung sind so außergewöhnlich gute Fotos im Dämmerlicht möglich. Noch beeindruckender sind aber vielleicht die Gegenlicht-Aufnahmen bei kleiner Blende. Selbst wenn man direkt gegen die Sonne knipst, haben Bereiche im Schatten noch viele Details und der Himmel ist nicht hoffnungslos überbelichtet, sondern sogar noch blau. Man kann die Blende auch selbst wählen, aber im Test war das eigentlich nie nötig.

Die zweite Kamera mit zweifacher Vergrößerung hat leider nur das S9 Plus vom Galaxy Note 8 geerbt. Sie ist ebenfalls optisch stabilisiert und liefert sehr schöne, detailreiche Zoom-Aufnahmen. Außerdem sind mit ihr Porträtfotos möglich, die ein ansprechendes Bokeh zeigen.

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Dass es hier schon fast dunkel war, sieht man dem Bild kaum an.

(Foto: kwe)

Auch bei Videos macht das S9 eine sehr gute Figur. Die Kamera kann prima mit wechselnden Lichtverhältnissen umgehen, stabilisiert und fokussiert zuverlässig. Wie bei Fotos leuchten die Farben und dunkle Bereiche rauschen kaum.

Super-Zeitlupen nicht ganz einfach

Ein weiteres Kamera-Highlight sollen Super-Zeitlupen mit 960 Bildern pro Sekunde bei einer 720p-Auflösung sein. Hier hat sich im Alltags-Test gezeigt, dass das Feature eine Schönwetter-Funktion ist. Das heißt, wenn sehr gute Lichtverhältnisse herrschen und die Kamera nicht durch unruhige Hintergründe abgelenkt wird, kann man imponierend gute Ergebnisse erzielen. Ansonsten tut sich die automatische Bewegungserkennung aber schwer und die Aufnahme rauscht heftig. Schick: Wenn eine Super-Zeitlupe gelingt, kann man sie als Bildschirm-Hintergrund einrichten.

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AR-Emojis sind witzig, aber man sollte es nicht übertreiben.

(Foto: kwe)

Eine Veränderung hat's auch auf der Vorderseite gegeben. Hier arbeiten jetzt Frontkamera und Iris-Scanner bei der Gesichtserkennung zusammen. Damit lässt sich das Gerät bei verschiedenen Lichtverhältnissen schnell entsperren und die Fehlerquote ist wesentlich geringer als beim S8 oder Note 8. Allerdings ist die Gesichtserkennung keinesfalls so sicher wie ein 3D-Scan beim iPhone X. Deshalb haben Galaxy S9 und S9 Plus auch noch einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Dieser sitzt jetzt endlich unter der Kamera und der Finger verschmiert seltener die Abdeckung als beim Vorgänger. Durch den geringen Abstand zwischen Sensor und Objektiv kommt dies aber auch beim S9 noch vor.

Sehr persönliche Botschaften

Samsungs neue AR-Emojis kann man mit Front- und Rückkamera erstellen. Dabei handelt es sich um animierte Emojis, die dem Nutzer ähnlich sehen sollen. Das klappt tatsächlich ziemlich gut und man erkennt sich in seinem Avatar durchaus wieder. Schön ist, dass er auch Gesten in Echtzeit erkennt. So kann man sein AR-Emoji Botschaften sagen lassen und als GIF an jedes andere Smartphone schicken. Außerdem kann man SMS-Nachrichten mit 18 verschiedenen Stickern versehen. Am Anfang ist das auch für Empfänger noch lustig, man sollte es aber nicht übertreiben.

Samsung hat auch seinen digitalen Assistenten Bixby noch lange nicht aufgegeben, auch wenn er bis heute noch kein Deutsch kann. Immerhin kann man die dazugehörige Taste jetzt deaktivieren, eine andere Funktion darf man ihr aber nicht zuweisen. Und eine neue Funktion ist jetzt auch für deutschsprachige Nutzer hilfreich: Bixby übersetzt mit der Kamera erfasste Schilder oder Speisekarten.

Vielleicht doch lieber ein Galaxy S8?

Unterm Strich sind das Galaxy S9 und das Galaxy S9 Plus ausgezeichnete Smartphones, die keine echten Schwächen zeigen und mit einem prächtigen Display und einem gelungenen Design glänzen. Das gilt aber auch für die Vorgänger, die einige Hundert Euro günstiger sind. S9 und S9 Plus kosten mit 64 Gigabyte (GB)internem Speicher 850 und 950 Euro, das S9 Plus mit 256 GB verkauft Samsung exklusiv in seinem Online-Shop für 1050 Euro. Das S8 gibt's ab 520 Euro, das S8 Plus für rund 650 Euro. Eine interessante Alternative ist auch das Galaxy Note 8, das man ab 730 Euro bekommt. Nur wenn man sehr großen Wert auf die aktuell beste Smartphone-Kamera legt und sicher sein möchte, für zwei Jahre Android-Updates zu bekommen, lohnt sich ein S9 wirklich. Gibt's das neue Flaggschiff als neues Vertragsgerät beim Mobilfunkanbieter, ist es ebenfalls erste Wahl.

Quelle: n-tv.de

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