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Aldi Life Musik gestartet Was taugt das Streaming vom Discounter?

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Aldi hat jetzt auch einen Streaming-Dienst.

(Foto: Medion)

Aldi hat mit Life Musik jetzt seinen eigenen Musikstreaming-Dienst. Mit dem Katalog von Napster und günstigen Preisen will man die Kunden locken - doch bietet der Discounter-Dienst einen echten Mehrwert?

Musik-Streaming liegt im Trend - das hat auch Aldi erkannt und steigt nun mit seinem eigenen Streaming-Dienst ins Geschäft ein. Der Discounter, der sich mit Aldi Talk bereits erfolgreich auf dem deutschen Mobilfunkmarkt positioniert hat, arbeitet für seinen Musik-Dienst mit dem Branchen-Dino Napster zusammen. Das Discounter-Versprechen: voller Zugriff auf den kompletten Katalog für weniger Geld als bei der Konkurrenz und bei Napster selbst. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob Aldi Life nicht nur günstiger ist, sondern auch mehr kann als die Konkurrenz-Angebote. Spotify und Deezer dominieren den deutschen Markt, Google Play Music mischt mit, mit Apple Music ist erst vor Kurzem ein Schwergewicht dazugekommen. Ist da noch Platz für einen weiteren Anbieter?

Die Grundbedingungen unterscheiden sich zuerst einmal nicht groß von der Konkurrenz: Um den Dienst zu testen, muss man sich anmelden und hat dann 30 Probetage kostenlos, danach kostet Aldi Life 7,99 Euro im Monat. Kündigen kann man ganz einfach per Knopfdruck mit einem Klick, jeweils zum Monatsende. Deezer kostet 9,99 Euro, Apple Music und Google Play Music auch, Spotify in der Premium-Version ebenfalls - eine werbefinanzierte Gratis-Version wie bei Spotify oder ein Familienangebot wie Apple Music hat Aldi Life nicht. Zahlen kann man per PayPal, Kreditkarte - oder mit einem Guthaben-Bon von Aldi Life, den man in jeder Aldi-Filiale kaufen kann.

Per App und im Web

Für Smartphone-Nutzer gibt es eine App, unterstützt werden iOS, Android und Windows Phone. Bis zu drei Geräte können mit einem Konto verbunden werden, zusätzlich gibt es einen Webplayer für den Browser, eine eigenständige PC- oder Mac-Version wird nicht angeboten.

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So sieht das Web-Interface von Aldi Life Musik aus.

(Foto: Medion)

Wer die App zum ersten Mal startet, wird aufgefordert, seine Lieblingsmusik anzugeben - bis zu drei Genres lassen sich hier bestimmen, anschließend kann der Nutzer bis zu zehn Lieblingskünstler eingeben oder den Schritt überspringen. Die Apps für iOS und Android unterscheiden sich in Optik und Funktionsumfang nur unwesentlich voneinander. Bei Android werden aktuelle laufende Downloads angezeigt, außerdem gibt es einen Menüeintrag für die aktuelle Wiedergabeliste. In den Playlists finden sich im Test direkt nach der Anmeldung bereits Listen mit Top-Titeln zu zwei der vorher angegebenen sechs Lieblingskünstler. Den Rest des Archivs muss der Nutzer wie bei jedem anderen Dienst auch selbst befüllen.

Aldi Life bietet Radiostationen an, sogenannte Channels. Wie bei anderen Streaming-Diensten auch gibt es hier nach Genre, Stimmung oder Anlass sortierte Playlisten. Das Angebot unterscheidet sich hier nicht groß von den anderen Anbietern am Markt und lässt sich kaum objektiv beurteilen - entweder man mag die kuratierten Playlists oder man stellt sich lieber eigene Listen zusammen. Die Rubrik "Tipp" bietet redaktionell betreute Empfehlungen, auch hier sind die Listen nach Themen oder Genres sortiert und heißen dann "Hits! Hits! Hits! September", "Klassik Chill", "Herbstsongs" oder "Rap Check Q3".

Radio hören und Lieder erkennen

Zusätzlich bietet Aldi Life einen Zugriff auf Rundfunkprogramme aus der ganzen Welt, die sich direkt aus der App anhören lassen. Das ist nicht bahnbrechend, aber eine willkommene Erweiterung des üblichen Streaming-Angebots und erspart die zusätzliche Webradio-App. Weiteres nützliches Extra: Die Funktion TrackMatch bietet eine Musikerkennung innerhalb der App, wie man es von Apps wie Shazam kennt. Wenn ein Lied erkannt wurde, kann es direkt in der eigenen Sammlung gespeichert, einer Playliste hinzugefügt oder heruntergeladen werden. Hörbuch-Fans könnten am Aldi-Streamingdienst Gefallen finden, denn im Angebot gibt es neben rund 34 Millionen Musiktiteln auch über 10.000 Hörbücher. Auch hier kann man in kuratierten Playlisten nach Tipps, Neuveröffentlichungen und Klassikern stöbern.

Um die Wiedergabequalität zu verbessern, gibt es zahlreiche voreingestellte Equalizer, beim Streaming und für Downloads können Nutzer die Datenrate festlegen, von 64 Kilobit für datensparendes Streaming bis zu 320 Kilobit für gute Klangqualität bei gleichzeitig höherer Datenrate.

Die Benutzeroberfläche ist ansprechend gestaltet, das Angebot übersichtlich aufbereitet - auch hier bietet Aldi Life Musik kein wesentlich besseres oder schlechteres Auftreten als andere Dienste. Im Test funktionieren die Apps für iOS und Android aber noch nicht einwandfrei. Nach der Kündigung des Kontos war vom Smartphone aus kein uneingeschränkter Zugriff mehr möglich, obwohl der Testzeitraum erst am 24. Oktober ausläuft.

Günstige Tarifoptionen

Interessant dürfte Aldi Life Musik vor allem für Musikhörer sein, die bislang noch keinen Streaming-Dienst nutzen. Der Umstieg von einem anderen Anbieter lohnt kaum, dafür unterscheiden sich die Angebote nicht genug voneinander und der Preisunterschied von 2 Euro im Monat ist zu vernachlässigen. Neueinsteiger könnten sich aber von dem etwas günstigeren Preis angesprochen fühlen, direkte Nachteile gegenüber den Konkurrenzangeboten gibt es nicht. Attraktiv ist das flexible Prepaid-Angebot, also die Möglichkeit, per Guthaben-Karte zu bezahlen.

Außerdem bietet Aldi Kombi-Tarife an, die sogenannten Musik-Pakete, mit denen es tatsächlich deutlich günstiger wird als bei der Konkurrenz. Kunden können hier einen Prepaid-Tarif wählen, in dem sie gleichzeitig ein Life-Musik-Abo und einen Smartphone-Tarif mit Inklusivminuten und -SMS sowie Internetflatrate buchen. Das Einstiegsangebot gibt es mit 50 Inklusiveinheiten, Aldi-Talk-Flatrate und 200 Megabyte Datenflatrate für 9,99 Euro im Monat.

Quelle: n-tv.de

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