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Unterwegs in Berlin Wie schnell ist das 5G-Netz der Telekom?

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Seit dem 5. September funkt ein 5G-Netz in der Berliner Innenstadt.

(Foto: Telekom)

Seit Beginn der IFA ist das erste 5G-Netz der Telekom in Berlin in Betrieb. Ein Praxistest von n-tv.de zeigt, dass die Daten darin zwar deutlich schneller als im LTE-Netz fließen, Normal-Nutzer profitieren aber vorerst kaum vom neuen Mobilfunkstandard.

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis 5G in Deutschland auch nur annähernd flächendeckend zur Verfügung steht, aber erste Test-Netze sind bereits gespannt. In Berlin schaltete die Telekom im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (IFA) ein 5G-Netz frei, das mit 66 Antennen bereits einen relativ großen Bereich von rund sechs Quadratkilometern der Innenstadt versorgt. Damit konnte n-tv.de 5G dort fast unter Realbedingungen testen. Fast, weil es bisher so gut wie keine Nutzer mit Smartphones gibt, die den neuen Mobilfunkstandard unterstützen. Daher funkt ein 5G-Gerät derzeit praktisch völlig ungestört in den bisher fünf Modellregionen der Telekom (Berlin, München, Köln, Bonn, Darmstadt).

Starke Mini-Antennen

Der Mobilfunkanbieter nutzt für seine städtischen 5G-Netze sogenannte Small Cells. Dabei handelt es sich im Prinzip um runde oder rechteckige  Antennen mit integriertem Verstärker, die nicht größer als ein Schuhkarton oder eine Suppenschüssel sind. Die von der Schweizer Firma Huber + Suhner entwickelten Geräte decken LTE- und 5G-Frequenzen zwischen 1,7 und 4,2 Gigahertz (GHz) ab und haben ungefähr eine Reichweite von 200 Metern. Sie sind besonders gut für Innenstädte geeignet, da hier keine größeren Distanzen überwunden werden müssen. Außerdem sind die Small Cells im Stadtbild praktisch unsichtbar, da sie beispielsweise auf Lichtmasten und Haltestellen oder in Infosäulen platziert werden können.

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Die Grafik erklärt Einsatzzweck und Funktionsweise der Small Cells.

In der Realität bedeutet 5G derzeit vor allem deutlich höhere Downloadraten. Mehr ist aktuell im 5G-Netz der Telekom nicht drin, für Upload und Telefonie wird vorerst weiter LTE genutzt. Wie hoch die Download-Geschwindigkeiten ausfallen, hängt stark davon ab, wie nahe man sich einer Antenne befindet und wie ungestört die Übertragung läuft. Unter anderem können Hindernisse wie Gebäude oder Fahrzeuge, die sich zwischen Smartphone und Small Cell befinden, die Datenraten deutlich drücken. Im Test machten ein paar Schritte oft einen großen Unterschied aus. Woran dies genau lag, ist schwer zu sagen, schließlich sind die Antennen normalerweise nicht zu sehen.

Fast 600 MBit/s

Für den Test nutzte n-tv.de das Huawei Mate 20 X 5G. Für die Messung der Datenraten kam die App RTR-Netztest der österreichischen Regulierungsbehörde zum Einsatz, da die Anwendung der Bundesnetzbehörde noch nicht 5G-tauglich ist. Zum Verifizieren der Ergebnisse diente der Speedtest von 5G-Anbieter.info. Grundsätzlich zeigte die App etwas höhere Datenraten als die Web-Anwendung an, die Ergebnisse lagen aber nicht allzu weit auseinander.

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Die Geschwindigkeiten erreichten im Test fast 600 MBit/s. Es kann sein, dass die Downloadraten an anderen Messpunkten noch höher sind.

(Foto: kwe)

Erwartungsgemäß war die Datenübertragung  am Rande des ausgewiesenen 5G-Gebietes beim Alexa-Einkaufszentrum am Alexanderplatz am niedrigsten. In der Mall selbst empfing das Smartphone keine 5G-Daten. Immerhin ergaben auf der Straße davor die Messungen noch Download-Werte um die 200 Megabit pro Sekunde (MBit/s). Der Upload via LTE-Netz erreichte 22 MBit/s. Im Kerngebiet kletterten die Downloadraten auf 350 bis 580 MBit/s, Daten sendete das Smartphone mit bis zu 60 MBit/s.

Vorteile nur mit Daten-Flatrate

Auch wenn diese Raten ein gutes Stück vom möglichen Gigabit-Highspeed entfernt sind, sind die erreichten Geschwindigkeiten immer noch beeindruckend. Man kann damit nur nicht viel anfangen, was man mit LTE nicht auch machen könnte. Klar, ein hochauflösendes Video ist flott heruntergeladen. Das lässt man aber tunlichst bleiben, solange man keine Daten-Flatrate hat, für die die Telekom 85 Euro im Monat sehen möchte. Die anderen 5G-Magenta-Mobil-Tarife zwischen 40 und 60 Euro haben auf 6, 12 oder 24 Gigabyte (GB) begrenzte Volumen. Und selbst wenn man die Flatrate hat, ist man doch selten in einer Situation, in der man in einer Innenstadt im Mobilfunk-Netz hochauflösende Videos aufs Smartphone laden muss.

Fürs Streaming braucht man kein 5G, da tut es auch ein gutes LTE-Netz. Und das ist dank der Small Cells im ausgewiesenen 5G-Gebiet ebenfalls richtig flott. Im schlechtesten Fall maß n-tv.de mit einem Huawei P30 Pro rund 75 MBit/s, oft waren um die 100 MBit/s drin, gelegentlich kletterte die Download-Geschwindigkeit auch auf 200 MBit/s. Zum Vergleich: Laut Amazon sind mindestens 15 MBit/s zum Streamen eines 4K-Videos nötig, Netflix empfiehlt mindestens 20 MBit/s.

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Rund um den U-Bahnhof Klosterstraße haben LTE- und 5G-Nutzer in Berlin einen sehr guten Empfang.

(Foto: kwe)

Latenzen noch zu hoch

Ein größerer 5G-Vorteil als die hohen Datenraten sind die extrem niedrigen Latenzen, die der Standard ermöglicht. Das ist unter anderem beim autonomen Fahren für die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen enorm wichtig, bei der Verzögerungen über Leben und Tod entscheiden können. Auch in der Industrie werden geringe Latenzen benötigt, um die reibungslose Zusammenarbeit von vernetzten Maschinen zu gewährleisten.

Allerdings gibt das Berliner 5G-Netz das noch nicht her. Ein Ping war zwar sehr gleichmäßig fast immer in ungefähr 28 Millisekunden beantwortet. Doch das ist noch viel zu langsam. Die Bundesnetzagentur fordert 10 Millisekunden an Bundesstraßen und Autobahnen. In der Stadt, wo es viele Kreuzungen und andere Gefahrenstellen gibt, an denen sich autonome Fahrzeuge austauschen müssen, ist dies noch wichtiger.

Wichtiges Experiment, aber Nutzer können warten

Der Praxistest hat auch ein weiteres Problem bestätigt, das sich praktisch alle aktuellen 5G-Smartphones teilen: Der Stromverbrauch der zusätzlich verbauten Modems ist noch sehr hoch. So ging das Huawei Mate 20 X 5G mit vollem Akku in die Messungen. Nach rund einer Stunde war er nur noch zu knapp 75 Prozent gefüllt. Erst Huaweis kommender Kirin-990-Chip soll durch ein integriertes Modem deutlich sparsamer sein, Ähnliches darf man von der Konkurrenz erwarten.

Unterm Strich zeigt der Praxistest im Berliner 5G-Netz der Telekom, dass man jetzt wirklich noch kein 5G-Smartphone braucht. Daran wird sich wahrscheinlich auch im kommenden Jahr wenig verändern, obwohl der Ausbau zügig vorangehen soll. Doch einerseits profitieren davon auch alle LTE-Nutzer, deren Verbindungen durch die Small Cells schneller und stabiler werden. Und sndererseits benötigen Mobilfunkanbieter, Gemeinden und Wirtschaft dringend solche Versuchsnetze, um Erfahrungen zu sammeln.

Quelle: n-tv.de

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