Technik

Sony-Chef über Playstation-Pläne "Wir bringen keine neue Konsolengeneration"

Besucher der Gamescom fotografieren sich in Köln vor dem Logo der Spielekonsole Xbox. Foto: Oliver Berg/Archiv

Sony gibt seiner ursprünglichen PS4 (im Bild) ein Leistungsupdate.

(Foto: dpa)

Virtuelle Realität versetzt die Spieleindustrie in Aufregung. Uwe Bassendowski, Sonys Playstation-Chef in Deutschland, sieht die Zeit für die Technik gekommen - und verrät n-tv.de, wie lange Spieler trotz Playstation Neo und VR-Hardware auf große Neuigkeiten warten müssen.

n-tv.de: Herr Bassendowski, ist Sony eigentlich verrückt geworden?

Uwe Bassendowski: Ich hoffe, wir bleiben verrückt!

Deshalb bringen Sie also rund drei Jahre nach der Playstation 4 eine neue Konsole heraus?

Zu Playstation Neo ist alles gesagt, was es zu sagen gibt. Außerdem heißt sie Playstation 4 Neo. Wir bringen keine neue Konsolengeneration auf den Markt.

Sie brauchen aber schnellere Hardware für Ihr Virtual Reality Headset.

Nein, sonst würden wir es nicht am 13. Oktober in den Handel geben. Es funktioniert auf allen Konsolen, die wir bereits verkaufen. Ohne Einschränkung der Qualität. Die beiden Meldungen sind relativ zeitnah durch die Presse gegangen, nur deshalb wird die PS4 Neo mit Playstation VR in direkten Zusammenhang gebracht. Das ist aber ein Missverständnis.

Gut, also gibt es keine neue Konsolengeneration von Sony. Und was machen Sie dann, wenn Microsoft nächstes Jahr sein "Project Scorpio" verkauft? Die Hardware soll 6 Teraflops leisten, die PS4 aber nur 1,84 Teraflops.

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Uwe Bassendowski ist Chef von Sony Interactive Entertainment im deutschsprachigen Raum.

(Foto: picture alliance / dpa)

Darüber reden wir nächstes Jahr.

Tun wir das?

Wir sind zuversichtlich, dass wir dann noch da sind.

Welchen Stellenwert hat dabei der deutschsprachige Raum für Sony?

Sony ist ein Technikkonzern und die Playstation-Sparte hat enorme wirtschaftliche Bedeutung. Der deutschsprachige Markt hat sich aus einem Nischendasein heraus entwickelt. Früher hatten wir bei Sony global gesehen einen Anteil von 5 Prozent, den haben wir nahezu verdoppelt. Der deutschsprachige Raum ist der wichtigste Markt in Europa. Wir haben die angelsächsischen Märkte, also Großbritannien plus Irland, abgehängt. Die Bedeutung ist immens.

Und welches Potenzial hat VR?

Als Spieleindustrie sind wir für Innovationen da, und VR ist eine. Wir haben die besten Voraussetzungen, das Thema massenmarkttauglich zu machen. Wir haben die Spielerbasis und die Software dafür. Wir wollen solche Verbraucher darüber erreichen, die wir bislang noch nicht erreicht haben. Virtual Reality ist das nächste große Ding, jeder redet darüber. Es hat ein riesiges Potenzial.

Nur positiv darüber zu reden wird nicht ausreichen. In den 80er-Jahren ist VR auch gefloppt.

Jede Technologie zu seiner Zeit. Nicht immer ist der Erste auch erfolgreich. Nokia hat das Smartphone vor 20 Jahren mit dem Communicator erfunden. Aber schauen Sie, wo Nokia jetzt ist. Sie waren 10 oder sogar 15 Jahre zu früh. Man braucht den richtigen Zeitpunkt, um eine neue Technik auf den Markt zu bringen. Ich glaube, für VR ist er jetzt gekommen.

So ein Headset ist doch ein Kommunikationskiller. Würden Sie sich mit Familie oder Freunden zu Hause auf der Couch ein VR-Headset aufsetzen?

Ja. Was der Träger unseres Headsets sieht, können Freunde, Kinder oder andere Sitznachbarn auf dem Bildschirm mitverfolgen. Sie sehen ja nicht nur, was Sie tun, sondern auch Ihre Emotionen dabei. Das macht es so spannend.

Vor wenigen Jahren hieß es, dass die aktuelle Konsolengeneration die letzte stationäre sein und durch Streaming abgelöst wird. Wie verdient Sony da noch Geld?

Totgeglaubte leben länger. Es geht in der Spieleindustrie um organische Veränderung. Die entsteht durch verändertes Verbraucherverhalten, also neue Konsumgewohnheiten. Es gibt Menschen, die lieber digitale Software herunterladen, als in den Handel zu gehen. Dafür haben wir den Playstation Store. Das ist aber nicht der größte Teil. Darüber hinaus gibt es andere, die es im Streamingdienst spielen wollen. Playstation Now befindet sich derzeit in der Betaphase und wird auch an den Start gehen. So lange wir verändertes Verbraucherverhalten in neue Produkte umsetzen können, sind wir gut aufgestellt.

Sie sehen kein Ende für klassische Konsolen, also leistungsfähige lokale Hardware in den Haushalten?

Es ist zu früh, das heute zu sagen. Das Thema neue Konsolengeneration ist derzeit keins. Wir wachsen mit der Playstation 4 noch. Warum sollen wir jetzt schon eine neue Generation bringen? Die PS1 hatte neun Jahre, die PS2 zehn Jahre und die Playstation 3 acht Jahre.

Die PS4 ist in etwa auf den gleichen Lebenszyklus angelegt?

Auf einen annähernd gleichen. Wahrscheinlich etwas kürzer, aber wir sind in der ersten Hälfte ihrer Lebensdauer. Sie hat mindestens noch einmal so viel Zeit vor sich, wie seit dem PS4-Release vergangen ist.

Mit Uwe Bassendowski sprach Roland Peters

Quelle: n-tv.de

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