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Doppel-Premiere für Sony Z5 Compact ist ein kleiner Kraftprotz

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Das Z5 Compact ist eines von drei neuen Sony-Smartphones mit Fingerabdruckscanner.

(Foto: jwa)

Kleines Smartphone mit mächtiger Hardware: Das Xperia Z5 Compact hat mehr unter der Haube als viele andere Android-Geräte, ist besser ausgestattet als das iPhone 6 und deutlich günstiger. Aber reicht das für eine Kaufempfehlung?

Sony ist der einzige Smartphone-Hersteller, der auch unterhalb der 5-Zoll-Marke Smartphones mit Premium-Hardware anbietet. Nicht umsonst nennen die Japaner ihre geschrumpften Flaggschiffe "Compact" und nicht "Mini" wie die Konkurrenz. Samsung, LG oder HTC brachten in der Vergangenheit geschrumpfte Versionen ihrer Flaggschiffe auf den Markt, die den großen Vorbildern optisch zwar ähnelten, technisch jedoch deutlich schlechter ausgestattet waren. Sony wählt seit dem Z1 Compact einen anderen Weg und setzt diesen auch in der dritten Generation fort.

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Das Display des Xperia Z5 Compact ist klasse.

(Foto: jwa)

Das Z5 Compact wurde im Rahmen der Technikmesse IFA zusammen mit dem Z5 und dem Z5 Premium vorgestellt - es hat den gleichen Prozessor mit der gleichen Grafikeinheit und die gleiche Kamera wie die beiden größeren Modelle. Außerdem ist es wasser- und staubdicht und hat einen Fingerabdruck-Scanner, der seitlich im Gehäuse sitzt. Eine Doppel-Premiere: Die Z5-Reihe ist die erste von Sony mit Finger-Leser und die Unterbringung an der Seite bietet so bisher kein anderer Hersteller an.

Praktischer Fingerabdruckscanner

Die Platzierung ist praktisch: Nimmt man das Handy in die Hand, liegt ein Finger automatisch auf dem Sensor, egal ob Links- oder Rechtshänder. Zum Entsperren bleibt der Finger einfach auf dem Anschalter liegen. Eine Herausforderung für die Lesegenauigkeit ist die schmale Bauweise des Scanners, doch im Test klappt das Auslesen gut: Der Daumenabdruck der rechten Hand wird fast immer sofort erkannt und das Smartphone ohne Verzögerung entsperrt. Beim Mittelfinger der linken Hand liegt die Trefferquote etwas niedriger, ist mit circa 80 Prozent aber immer noch akzeptabel. Etwas unpraktisch platziert ist dagegen die Lautstärkewippe: Rechtshänder werden es schwer haben, beim Telefonieren mit dem Daumen die Lautstärke zu verändern. 

Die wichtigsten technischen Daten

  • System: Android 5.1.1 Lollipop
  • Display: 4,6 Zoll, HD (1280 x 720 Pixel), 323 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 810
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + Micro-SD (bis zu 200 GB)
  • Kamera: 23 MP
  • Frontkamera: 5,1 MP
  • LTE Cat. 6, WLAN ac
  • Bluetooth 4.1, NFC, UKW-Radio
  • Wasser- und staubdicht (IP65/68)
  • Akku: 2700 mAh
  • Abmessungen: 127 x 65 x 8.9 mm
  • Gewicht: 138 g

Die Leistung des Z5 Compact ist über größere Zweifel erhaben: Der Snapdragon-810-Prozessor ist absolute Oberklasse und sorgt für butterweiche Performance - mit einer Einschränkung: Die kleinen Ruckler und gelegentlichen Aussetzer, die andere Tester beobachtet haben, traten auch beim n-tv.de Testgerät auf. Gut möglich, dass die Software noch nicht optimal abgestimmt ist und ein Update hier Abhilfe schafft. Bekannt wurde der Snapdragon 810 durch Hitzeprobleme, doch im Test erwärmte sich das Gerät nicht über normale Werte hinaus. Im Benchmark-Test Antutu liegt das Z5 Compact nur knapp hinter den deutlich teureren Spitzensmartphones Galaxy S6 und Note 5 von Samsung.  

Punktabzug gibt es für Verarbeitung und Design: Wie schon beim Vorgänger verzichtet Sony in der Kompaktklasse auf einen Metallrahmen, doch im Gegensatz zum matten, halbtransparenten Kunststoffrahmen des Z3 Compact wirkt der Rahmen beim neuen Compact wenig elegant. An Vorder- und Rückseite ragt er etwas über die Glasfläche hinaus. Dadurch entstehen unangenehme Kanten, die das Smartphone nicht gerade zum Handschmeichler machen. Gelungen sind die Rückseite aus mattem und dadurch edel wirkenden Glas sowie die kompakte Bauweise: Das Display ist mit 4,6 Zoll kaum kleiner als beim iPhone 6 und 6s (4,7 Zoll), doch das Gehäuse ist deutlich kürzer und auch nicht so breit wie beim Apple-Handy. Nachteil: Mit 9 Millimeter ist das Z5 Compact relativ dick und wirkt im Vergleich zu anderen aktuellen Topmodellen fast klobig.  

Klasse Display   

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Das Z5 Compact ist kleiner, aber dicker als das iPhone 6.

(Foto: jwa)

Das Display ist sehr hell und klar, im direkten Sichtvergleich konnten weder das Huawei Mate S noch das iPhone 6 mithalten. Farben werden neutral und unverfälscht gezeigt, per Weißabgleich kann die Anzeige weiter angepasst werden. Die Auflösung ist mit 1280 x 720 Pixeln nicht sonderlich hoch, die Pixeldichte von rund 320 ppi reicht aber aus, um Inhalte scharf darzustellen. Blickwinkelstabilität und Kontrastdarstellung sind klasse, die automatische Helligkeitsregulierung funktioniert zuverlässig. Wer genau hinsieht, wird die geringe Auflösung erkennen - wirklich störend ist das aber nicht, im Gegenteil: Weniger Auflösung bedeutet in den meisten Fällen auch mehr Akkulaufzeit, da weniger Pixel angesprochen werden müssen.

Tatsächlich ist die Akkulaufzeit des Z5 Compact vorbildlich. Mit 2700 Milliamperestunden sind reichlich Reserven vorhanden, um es auch über zwei Nutzungstage zu bringen. Weniger überzeugend ist die Kamera, die von Sony während der Vorstellung des Smartphones besonders hervorgehoben wurde. Mit bis zu 23 Megapixeln hat die Z5-Reihe eine sehr hohe Auflösung, doch die Qualität der Aufnahmen des Testgeräts, das n-tv.de zur Verfügung gestellt wurde, enttäuscht. Auf den Testbildern sind Unschärfe und verwaschene Details zu erkennen, außerdem typische Artefakte, die durch automatische Nachbesserung entstehen. Bildqualität, Aufnahmegeschwindigkeit und Handhabung reichen nicht an die Konkurrenzmodelle von Samsung oder Apple heran.

An der Kamera-App hat sich kaum etwas verändert. In den Aufnahmemodi ist viel Überflüssiges dabei, grundlegende Funktionen wie HDR-Aufnahmen sind nur erreichbar, wenn man in den manuellen Modus schaltet - das ist umständlich und ärgerlich, gute Handhabung hat Sony offenbar zugunsten von Gimmicks geopfert. Die App startet in die "überlegene Automatik", die dem Nutzer kaum Möglichkeiten zum Eingriff bietet. Einen Moduswechsel merkt sich das Handy für den nächsten Start zwar, jedoch anscheinend nicht immer. Im Test stürzte die Kamera-App zudem wiederholt ab - ein Fehler, der schon beim Xperia Z3+ auftrat und durch ein schnelles Software-Update behoben werden dürfte.

Die Kamera ist aber die einzige Enttäuschung, die das Z5 Compact bereithält - abgesehen vom Design, wo etwas mehr Klasse nicht geschadet hätte. Das kompakte Sony-Flaggschiff ist ansonsten ein klasse Smartphone, dem es an nichts fehlt und das ein paar Extras bereit hält, die der Konkurrenz fehlen: Es ist wasser- und staubdicht, hat einen zweistufigen Kamera-Button, einen Micro-SD-Steckplatz, gute Stereo-Frontlautsprecher, einen kraftvollen Akku und einen flotten Fingerabdruckscanner. Es ist das beste Android-Smartphone seiner Größenklasse, kann mit der Spitzenkonkurrenz mithalten und kostet mit rund 550 Euro deutlich weniger, Tendenz sinkend. Was ihm fehlt, ist das Premium-Gefühl - der Wunsch, es anzufassen und in die Hand zu nehmen. Wenn Sony hier noch nachbessert, kommt man an der Compact-Reihe nicht mehr vorbei.

Quelle: n-tv.de

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