Wirtschaft

Sorge vor LieferengpässenVerkehrsminister Bilger will Flüsse wegen niedriger Pegel ausbauen

12.08.2026, 02:26 Uhr
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Der-Mittelrhein-mit-Niedrigwasser-im-trockenen-Sommer-bei-Kaub-Rheinland-Pfalz-Deutschland
Besonders kritisch ist die Lage derzeit bei Kaub in Rheinland-Pfalz. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Der Rheinpegel sinkt auf einen historisch tiefen Stand. Vor Ende August ist nach Einschätzung von Verkehrsminister Bilger keine Entspannung in Sicht. Die Versorgung sieht er "Stand jetzt" gesichert - doch erste Betriebe klagen bereits über Rohstoffengpässe.

Vor dem Hintergrund extrem niedriger Pegelstände setzt sich Bundesverkehrsminister Steffen Bilger für den Ausbau der Flüsse in Deutschland ein. Der CDU-Politiker sieht trotz der anhaltenden Niedrigwasserlage auf wichtigen Wasserstraßen derzeit keine Versorgungsengpässe. "Stand jetzt ist die Versorgung gewährleistet", sagte Bilger der "Rheinischen Post" vor einer Schaltkonferenz mit den Verkehrsministern der Länder am heutigen Mittwoch.

Um das Risiko zu senken, müsse mehr Güterverkehr von den Wasserstraßen auf Schiene und Straße verlagert werden, betonte der Minister. Er gehe davon aus, dass die Problematik mindestens bis Ende August anhalte. "Ich bin dankbar, dass die Bahn sich umgehend gekümmert und zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt hat", lobte der Verkehrsminister die Deutsche Bahn. Diese habe weitere Waggons zur Verfügung gestellt, deren Zahl noch steigen solle.

Die Bauindustrie sieht die Lage dagegen deutlich kritischer: "Lieferengpässe für erste Baustoffe sind von den Lieferanten bereits angekündigt worden für den Fall, dass die Situation noch länger anhält, wovon derzeit auszugehen ist", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Flächendeckende Baustopps sehe er zwar aktuell nicht. Je länger und ausgeprägter die Niedrigwasserphase allerdings anhalte, desto größer werde das Risiko von Engpässen, höheren Logistikkosten und Verzögerungen.

Bilger: Wasserstraße "umweltfreundlichster Verkehrsträger"

"Grundsätzlich sollten wir alle ein Verständnis dafür haben, dass die Wasserstraße Unterstützung verdient, weil sie der umweltfreundlichste Verkehrsträger ist", sagte der CDU-Politiker. Vertrauen in die Binnenschifffahrt könne nur bestehen, wenn es nicht regelmäßig zu Niedrigwasserproblemen komme. "Deswegen brauchen wir einen Ausbau der Wasserstraße, um langfristig für mehr Zuverlässigkeit zu sorgen", sagte Bilger.

Naturschutzverbände sind gegen einen solchen Ausbau und werben stattdessen für lebendige Flüsse. "Politik und Wirtschaft treiben den Ausbau der Flüsse voran - mit oft dramatischen ökologischen Folgen", heißt es etwa beim BUND. Bilger ist die Kritik offenbar bekannt. "Ich werde darüber auch mit den Umweltverbänden sprechen", kündigte der Verkehrsminister an.

Bilger setzte sich zudem dafür ein, die Förderung von Niedrigwasserschiffen in voller Höhe beizubehalten. Diese war von zunächst 36 Millionen Euro für 2027 zwischenzeitlich aus Haushaltsgründen halbiert worden. "Das Anliegen bringen wir in die parlamentarischen Haushaltsberatungen ein", erklärte Bilger. Parallel dazu würden die erforderlichen europäischen Abstimmungen vorangetrieben, "damit eine Fortführung der Förderung nicht unnötig verzögert wird", versprach Bilger.

Quelle: ntv.de, bho/dpa

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