Wirtschaft

"Fed-Falke" fürchtet Deflation Bullard erwägt mehr Bond-Käufe

Einer der wichtigsten geldpolitischen Vertreter der USA spricht sich für einen noch stärkeren Aufkauf von Staatsanleihen durch die Notenbank aus, sollte das Wirtschaftswachstum wieder einbrechen. Das ist umso bemerkenswerter, da der Chef der Notenbank von St. Louis, Bullard, sonst als "Falke" gilt, also ein Verfechter einer strengen Geldpolitik.

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Noch stärker als die Inflation fürchtet James Billard die Deflation.

(Foto: Reuters)

Die US-Notenbank könnte nach Einschätzung eines führenden Fed-Vertreters künftig verstärkt auf den Ankauf von US-Staatsanleihen setzen. Ein Ausbau der bereits laufenden Maßnahme sei gegenwärtig zwar noch nicht notwendig, weil von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum ausgegangen werde, sagte James Bullard, der Chef der Federal Reserve Bank von St. Louis. Bei weiteren Anzeichen für nachlassenden Preisdruck sollte die Notenbank aber nicht mit dem Einsatz der ihr noch zur Verfügung stehenden Instrumente der Geldpolitik zögern. Die Fed hatte in der vergangenen Woche einen Kurswechsel vollzogen und angekündigt, Geld aus fällig gewordenen Immobilienpapieren zu reinvestieren und neue Staatsanleihen zu kaufen.

Damit stoppte die US-Notenbank unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Ausstieg aus ihrer Krisenpolitik. Sie hält also die Unterstützung für die Wirtschaft aufrecht, anstatt sie wie zunächst geplant langsam abzubauen.

Bullard warnte zudem davor, dass sich die Schuldenkrise in Europa wieder verschärfen könnte. Die Sorgen um die Zahlungsfähigkeit europäischer Staaten hätten sich inzwischen zwar gelegt, sagte der Notenbanker. Sollten sich die Regierungen aber nicht an ihre Sparzusagen halten, könnten die Probleme zurückkehren.

Bullard gilt eigentlich als Verfechter einer strengen Anti-Inflationspolitik. Doch unlängst schockierte er die Finanzmärkte mit der Warnung, dass das Risiko einer Deflation steige. Den USA drohe ein Teufelskreis aus sinkenden Preisen und Löhnen, der Japan rund zwei Jahrzehnte zu schaffen gemacht hatte, sagte Bullard.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's kann eine Deflation verhindert werden, wenn die Fed schnell und entschlossen die Geldmenge vergrößert. Derzeit sei die Wahrscheinlichkeit eines andauernden Rückgangs der Verbraucherpreise gering. Ein Abgleiten in eine neue Rezession, ein W-förmiger Verlauf der Konjunkturkurve also, könnte aber zu einer Deflation führen.

Quelle: ntv.de, rts

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