Wirtschaft

"Investoren meiden Wettbewerb" Chinesen kaufen eher schwächelnde Firmen

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"Chinesische Investoren legen offenbar mehr Wert auf Größe statt Profitabilität und meiden so den Wettbewerb mit anderen Bietern", erklärte Ifo-Präsident Fuest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Chinesischen Unternehmen wird oft vorgeworfen, ausländische Investoren systematisch mit Staatsgeldern zu überbieten. Das Ifo-Institut kommt nun aber zu einem anderen Ergebnis: Demnach würden Chinesen vielmehr versuchen, genau das zu verhindern.

Eine neue Studie des Ifo-Instituts räumt mit Vorurteilen gegenüber chinesischen Investoren auf: Laut der Untersuchung sind die chinesischen Unternehmen nicht mit Staatsgeld aufgepumpt und können somit auch nicht jeden Konkurrenten einfach überbieten. Die Preise, die chinesische Investoren zahlen, sind stattdessen geringer als die, die andere Investoren für vergleichbare Firmen zahlen.

Im Rahmen der Studie untersuchten Ifo-Forscher mehr als 70.000 grenzüberschreitende Firmenkäufe in 92 Ländern zwischen 2002 und 2018. Bei 1900 Übernahmen kamen die Käufer aus China, in 171 Fällen übernahmen chinesische Investoren deutsche Firmen.

Im Durchschnitt sind Firmen, die von chinesischen Investoren übernommen werden, gemessen an der Bilanzsumme sieben Mal so groß wie Firmen, die von Investoren aus anderen Ländern gekauft werden. Die Verschuldungsquote liegt bei den chinesischen Übernahmezielen um 6,5 Prozentpunkte höher, die durchschnittliche Profitabilität zum Zeitpunkt der Übernahme liegt nahe null. Andere Investoren konzentrieren sich hingegen auf Unternehmen mit positiven Erträgen.

"Größe statt Profitabilität"

Die Tatsache, dass chinesische Investoren günstiger einkaufen, spricht der Ifo-Studie zufolge gegen die verbreitete These, dass chinesische Unternehmen mit staatlichen Subventionen andere Investoren systematisch überbieten und aus dem Markt drängen. "Chinesische Investoren legen offenbar mehr Wert auf Größe statt Profitabilität und meiden so den Wettbewerb mit anderen Bietern", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die Präferenz für höher verschuldete Unternehmen mit niedrigerer Profitabilität könnte laut Fuest auch mit einem längerfristigen Anlagehorizont oder besseren Finanzierungsmöglichkeiten durch staatliche chinesische Banken erklärt werden. "In der Studie wird außerdem sichtbar, dass chinesische Staatsunternehmen die strategische Wirtschaftspolitik der Regierung in die Tat umsetzen, insbesondere die 'Neue Seidenstraße' und 'Made in China 2025'", erklärte Fuest.

Staatsunternehmen investieren in Seidenstraßen-Länder

Die "Neue Seidenstraße" soll in Anlehnung an die historischen Routen zwischen Mittelmeerraum und Ostasien neue Handels- und Verkehrsnetze zwischen den Kontinenten aufbauen. China will damit Absatzmärkte an sich binden. Seit dem Start der Initiative 2013 kaufen vor allem chinesische Staatsunternehmen deutlich häufiger Firmen in den Seidenstraßen-Ländern als zuvor.

"Made in China 2025" definiert wiederum zehn Schlüsselbranchen, in denen der chinesische Staat bis 2025 weltweit Technologieführer werden. Dazu gehören Software, Roboter, Flugzeuge, Schiffe, Züge und Autos sowie Energiesysteme, Landwirtschaftstechnik, neue Werkstoffe und Medizintechnik.

Chinesische Staatsunternehmen bevorzugen laut Ifo-Analyse Übernahmeziele im Bereich der Rohstoffgewinnung und in der Agrarbranche. Chinesische Privatunternehmen kaufen eher Firmen im Bereich der Elektroindustrie, des Maschinenbaus und der Fahrzeugindustrie. Für diese Bereiche interessieren sich aber auch staatliche Unternehmen verstärkt seit der Verkündung der Strategie 2015. Laut der Studie haben vor allem die Staatsunternehmen ihre Übernahmepolitik an den Regierungswünschen ausgerichtet. Bei Privatfirmen sei das kaum zu beobachten.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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