Wirtschaft
Mittwoch, 06. Januar 2010

Kostspielige Kartenpanne: Chip-Firma in Erklärungsnot

Nach der Panne bei der Herstellung von Millionen EC- und Kreditkarten arbeiten der Chip-Hersteller Gemalto mit den betroffenen Banken an einem Korrekturverfahren, um einen kostspieligen Austausch der Karten zu vermeiden. Findige Tüftler bieten eine überraschend einfache Lösung an.

Unscheinbarer Stein des Anstoßes: Der Sicherheitschip soll die Karten eigentlich sicherer machen.
Unscheinbarer Stein des Anstoßes: Der Sicherheitschip soll die Karten eigentlich sicherer machen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der niederländische Chip-Hersteller Gemalto sei bereits am Sonntagnachmittag über die Probleme informiert worden und arbeite seitdem "mit den Kunden daran, die Situation zu analysieren und zu bereinigen", teilte das Unternehmen am Firmensitz in Amsterdam mit. Schon jetzt könnten die Karten vielfach wieder benutzt werden. Gemalto werde seine "vertraglichen Verpflichtungen natürlich erfüllen" und alles daran setzen, "mit den deutschen Banken schnell eine Lösung zu finden, die eine vollkommene Rückkehr zur Normalität ermöglicht", hieß es.

Das Software-Problem, das zu Schwierigkeiten bei der Bargeld-Auszahlung und der Kartenzahlung beim Händler geführt hat, beschränkt sich nach Angaben des Chip-Herstellers ausschließlich auf Deutschland. Bezahlkarten von Gemalto, die in den anderen Ländern ausgegeben wurden, seien nicht betroffen. Die Gründe dafür erläuterte das Unternehmen nicht.

Angesichts der Probleme könnte nach Sparkassenangaben auch ein Austausch fehlerhafter Karten nötig werden. Derzeit werde daran gearbeitet, die Schwierigkeiten mit falsch programmierten Mikrochips auf rund 30 Mio. Karten aller Kreditinstitute zentral über neue Software zu lösen, hieß es aus Sparkassenkreisen. "Sollte sich herausstellen, dass das so ganz einfach nicht geht, werden die Kunden angeschrieben und gebeten, die alte Karte abzugeben und sich eine neue zu holen", sagte der stellvertretende Sprecher des Ostdeutschen Sparkassenverbands, Wolfram Morales.

Unterdessen haben Tüftler das Problem nach eigener Aussage mit einer einfachen Methode gelöst. Sie drücken Klebe- oder Isolierband auf den Chip der Karte und machen ihn so für die Lesegeräte unsichtbar, schrieben mehrere Nutzer in Internetforen. So griffen die Lesegeräte wieder auf den herkömmlichen Magnetstreifen zu, und das Bezahlen sei möglich.

Aigner tadelt Banken

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation der Banken und Sparkassen rät allerdings dringend davon ab, Karten zu manipulieren. Zum Beispiel stelle sich die Frage der Haftung, wenn Lesegeräte oder die Karten selbst dadurch beschädigt würden, sagte ein Sprecher.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verlangte von Banken und Sparkassen "mehr Sorgfalt", um die Funktionsfähigkeit der Karten zu gewährleisten. "Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürfen dafür keine Gebühren berechnet werden", sagte sie dem "Tagesspiegel".

Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte, die Zahlung mit EC-Karte und Unterschrift auszubauen. Diese Methode werde ohnehin bereits genutzt, wenn es an der Ladenkasse mit EC-Karte und Geheimzahl nicht funktioniere. Der Handel hoffe, dass Einbußen durch entgangene Geschäfte "in überschaubarem Rahmen bleiben", sagte HDE-Experte Ulrich Binnebößel.

Peinlich und kostspielig

Die Aktien von Gemalto mussten wegen des Fehlers bereits kräftige Kursverluste hinnehmen. Der französische Bankenverband FBF teilte mit, in Frankreich sei kein einziger Fall mit fehlerhaften Karten aufgetreten, die wegen des Jahreswechsels 2010 nicht mehr funktioniert hätten.

An der Pariser Börse verlor die Gemalto-Aktie am Vormittag rund 2,9 Prozent, während der Gesamtmarkt nur um 0,26 Prozent nachgab. Gemalto war 2006 durch die Fusion des aus Frankreich stammenden Unternehmens Gemplus International mit der niederländischen Axalto-Gruppe entstanden. Der Konzern beschäftigt heute weltweit 10.000 Mitarbeiter und stellt neben Bankkarten auch SIM-Karten für Telefone und elektronische Pässe her. 2008 machte das Unternehmen einen Umsatz von 1,68 Mrd. Euro.

Gemalto bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer im Bereich Digitale Sicherheit. Das Unternehmen konkurriert unter anderem mit der im dem Jahr 2000 privatisierten und 2009 vom Bund zurückgekauften Bundesdruckerei.

Quelle: n-tv.de