Wirtschaft

Langzeitausfälle bleiben ProblemDAK meldet weniger Krankmeldungen bei der Arbeit

20.07.2026, 07:12 Uhr
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Die schwarz-rote Koalition plant strengere Regeln für Krankschreibungen. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesregierung ist überzeugt: Arbeitnehmer können sich zu einfach krankmelden, viele nutzen dies aus. Schwarz-Rot plant deshalb zusätzliche Hürden. Doch bei der DAK sinkt die Zahl der Krankmeldungen im ersten Halbjahr ganz ohne Bremsen und Schranken.

In der ersten Hälfte dieses Jahres gingen die Krankschreibungen im Job nach einer Auswertung der DAK-Gesundheit leicht zurück. Im Schnitt waren Erwerbstätige 9,6 Tage arbeitsunfähig geschrieben, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 9,9 Tage gewesen. Die häufigsten Ursachen für Fehlzeiten waren demnach nun psychische Erkrankungen, während es bei Atemwegsinfekten eine deutliche Abnahme gab.

"Der leichte Rückgang beim Krankenstand ist erfreulich", sagt DAK-Chef Andreas Storm. Die Analyse zeige, wie schnell sich Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen nach oben oder unten entwickeln könnten. "Handlungsbedarf besteht vor allem bei der großen Zahl von Langzeiterkrankungen mit vielen Fehltagen."

Krankheitsausfälle bei der Arbeit stehen im Fokus der Politik. Die schwarz-rote Koalition möchte Fehlzeiten in Firmen eindämmen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Laut der DAK-Auswertung sank der Krankenstand im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 von 5,4 Prozent auf 5,3 Prozent. An jedem Tag von Januar bis Ende Juni waren im Schnitt 53 von 1000 Beschäftigten krankgeschrieben. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,2 Millionen Erwerbstätigen aus, die bei der Kasse versichert sind.

Ursache Nummer eins für Krankschreibungen waren mit einem Plus von neun Prozent psychische Erkrankungen wie Depressionen mit 184 Fehltagen je 100 Versicherten. Bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Grippe gab es ein Minus von 21 Prozent auf 175 Fehltage je 100 Versicherte. Atemwegserkrankungen waren im ersten Halbjahr 2025 für die meisten Krankschreibungen verantwortlich. Damals waren die Fehltage wegen einer Erkältungswelle im Januar und Februar deutlich hochgegangen.

Dritthäufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit waren nun Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. In diesem Bereich wurden 174 Fehltage je 100 Versicherte registriert.

Jüngere Beschäftigte fehlten seltener

Betrachtet nach dem Alter, gingen Krankschreibungen demnach bei allen Beschäftigten unter 55 tendenziell zurück - besonders stark bei Jüngeren. So sank der Krankenstand bei 15- bis 19-Jährigen und bei 20- bis 24-Jährigen jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Gegen den Trend habe es bei Über-60-Jährigen aber ein Plus von 0,3 Prozentpunkten gegeben: Bei ihnen sei die Zahl der Krankschreibungen gesunken, dafür aber die Länge der Ausfälle gestiegen.

DAK-Vorstandschef Storm sagte mit Blick auf Langzeiterkrankungen, er begrüße die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gestartete Offensive für mehr Vorbeugung auch für die Arbeitswelt. Zielführend sei ebenso die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung. "Das sind geeignete Instrumente, um den Krankenstand nachhaltig senken zu können."

Höhere Hürden für Krankmeldungen

Um Fehlzeiten im Job zu verringern, plant die schwarz-rote Koalition außerdem strengere allgemeine Regeln für Krankschreibungen. So soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag zur gesetzlichen Regel werden - statt wie bisher am vierten Tag, wobei Arbeitgeber schon eine frühere Vorlage verlangen können. In Firmen sollen abweichende Regeln vereinbart werden können. Wegfallen soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen ohne extra Praxisbesuch.

Gegen die Pläne gibt es breite Proteste. Es grenze an Irrsinn, Abertausende Menschen für das reine Ausfüllen von Zetteln zusätzlich in die Praxen zu jagen, kritisiert etwa die Kassenärztliche Bundesvereinigung. "Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett - und nicht in die übervolle Praxis."

Bereits beschlossen ist die Einführung von Teilkrankschreibungen. Beschäftigte sollen sich so bei längeren Erkrankungen nur teilweise arbeitsunfähig schreiben lassen können, wenn sie und der Arbeitgeber es möchten - und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit. Generell weisen Kassen und das Statistische Bundesamt darauf hin, dass ein Anstieg der Fehlzeiten auch auf die seit 2022 geltende elektronische Übermittlung von Krankschreibungen zurückzuführen sei. Dies habe zu einer vollständigeren Erfassung geführt.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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