Wirtschaft

Stromer dominieren nun AbsatzDas E-Auto überholt in China den Verbrenner

19.06.2026, 13:40 Uhr Christina-LohnerVon Christina Lohner
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In China werden bereits mehr Elektroautos verkauft als Neuwagen mit Verbrennungsmotor. (Foto: picture alliance/dpa)

Schneller als von vielen erwartet wird der Elektromotor der wichtigste Antrieb in China. Das setzt besonders deutsche Autobauer unter Druck.

Spätestens jetzt sollten in Wolfsburg, Stuttgart und München alle Alarmglocken schrillen. Zum ersten Mal wurden auf dem weltgrößten Automarkt China mehr reine Elektroautos zugelassen als Neuwagen mit Verbrennungsmotor. "Die deutschen Hersteller haben die Entwicklung völlig unterschätzt und nicht gedacht, dass es so schnell geht", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel im Gespräch mit ntv.de.

579.000 neue Stromer kamen im April auf chinesische Straßen und damit 27.000 mehr als neue Verbrenner. Das geht aus Daten des Center of Automotive Management der Fachhochschule der Wirtschaft hervor, das Bratzel leitet. Im Mai war der Abstand noch größer: 637.000 Neuwagen wurden von einem Elektromotor angetrieben, 59.000 mehr als mit Verbrennungsmotor. Plug-in-Hybride hinzugerechnet, kamen E-Autos damit sogar auf einen Anteil von rund 60 Prozent an allen Neuzulassungen.

"Der Trend ist klar: China will zum Elektroauto-Musterland werden", sagt Frank Schwope, Automotive Consultant und Lehrbeauftragter der Fachhochschule des Mittelstands Berlin, ntv.de. "Der Verbrenner wird tendenziell weiter an Boden verlieren."

Der rasante Aufstieg des E-Autos in der Volkrepublik trifft die deutschen Hersteller bis ins Mark. Denn die Stärke von Mercedes und Co lag bisher im Verbrenner - Elektroautos für chinesische Kunden produzieren vor allem einheimische Hersteller. Während die deutschen Autobauer vor der Corona-Pandemie noch jeden vierten aller Neuwagen in China lieferten, sind es heute nur noch 15 Prozent, wie Bratzel vorrechnet.

Trotzdem hielten die deutschen Hersteller am Verbrenner fest, weil sie hier hohe Marktanteile schafften. Dabei sei der Trend zur Elektromobilität seit Jahren erkennbar, betont Bratzel. Zusätzlich beschleunigt wurde dieser nun noch von externen Schocks wie der Ölpreis- und damit Spritpreiskrise infolge des Iran-Kriegs.

"Marktanteile lassen sich nicht zurückgewinnen"

Schwope prognostiziert: "Die verlorenen Marktanteile in China werden sich nicht zurückgewinnen lassen." Die Verkaufszahlen der deutschen Hersteller in der Volksrepublik könnten in den nächsten Jahren sogar weiter abschmelzen, "zumal chinesische Elektroautos den deutschen mittlerweile häufig überlegen sind".

Technisch haben die deutschen Hersteller Bratzel zufolge inzwischen aufgeholt, ihre E-Autos sind allerdings teurer. Und wer nicht viel besser ist, kann auf Dauer nicht viel teurer sein. "Das trifft im Moment gerade auch die deutschen Premiumhersteller, die sich zunehmend mit Wettbewerbern aus China auseinandersetzen müssen", sagt Bratzel. Die deutschen Autobauer müssten es schaffen, durch Strategien wie "in China, für China" - wie VW es nun vormacht - auch preislich zu konkurrieren.

Schwope warnt: "Weltweit können die Deutschen sicherlich mit den chinesischen Herstellern - auch bedingt durch Zölle - noch mithalten. Aber gerade in China wird das durch die dortigen Player und den zunehmenden Stolz auf die heimische Autoindustrie immer schwerer."

Zusätzlich erschwert werden die Probleme der deutschen Hersteller auf dem chinesischen Markt von dessen Sättigung. Batzel erwartet, dass dort in diesem Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung fünf bis zehn Prozent weniger Autos verkauft werden. Von Januar bis Mai brach der Absatz um ein Fünftel ein. Die Verbrenner-Verkäufe leiden dabei mehr als der Elektro-Absatz. "China bleibt wichtig, aber in nächster Zeit sind dort keine großen Gewinne zu erwarten", sagt Bratzel mit Blick auf die deutschen Hersteller.

Auf zu neuen Ufern

Den beiden Experten zufolge müssen die hiesigen Autobauer deshalb weitere Märkte erobern, vor allem Indien. Längerfristig ist laut Bratzel zudem notwendig, technisch wieder führend zu werden. "Die deutschen Hersteller müssen sowohl bei der Batterieentwicklung als auch beim autonomen Fahren Gas geben und sich dringend weitere Kooperationspartner suchen", sagt Schwope. "Nach der Disruption durch die Elektromobilität droht in den 2030ern die nächste Disruption durch das autonome Fahren."

Der Elektroautomarkt wächst auch in Deutschland, jede vierte Neuzulassung war zuletzt ein reiner Stromer. Die Kaufprämie regt den Absatz zurzeit zusätzlich an, nach deren Ende erwartet Schwope dann wieder einen massiven Einbruch, wie 2009 bei der Abwrackprämie. Der Branchenkenner sieht in der E-Autoprämie reine Steuerverschwendung, die überproportional ausländische Hersteller fördere. "Der Elektroautomarkt würde sich auch sukzessive ohne staatliche Gelder entwickeln."

Bratzel mahnt, es seien noch Hausaufgaben zu machen, vor allem bei Ladeinfrastruktur und Ladestrompreisen. Doch auch er ist sicher: E-Autos werden in den nächsten Jahren deutlich Marktanteile gewinnen.

Quelle: ntv.de

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