Wirtschaft

Snapchat-Chef Evan Spiegel Das ist der Mann, der Facebook narrt

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Snapchat-Gründer und -Boss Evan Spiegel ist der bisher jüngste Milliardär.

(Foto: REUTERS)

Der Gründer der Bilder-App Snapchat, Evan Spiegel, schlägt eine Milliarden-Offerte von Facebook-König Mark Zuckerberg aus. Der Mann hat Nerven. Doch beim Gang aufs Parkett zahlt sich sein Kalkül aus.

Vor drei Jahren klingelte Facebook-Magnat Mark Zuckerberg bei dem damals 23-jährigen Evan Spiegel an. Spiegel hatte wie Zuckerberg die Uni geschmissen und steht heute dennoch für einen phänomenalen Aufstieg in der Technikbranche der USA. Denn Spiegel gründete Snapchat, jene App, mit der man Bilder verschicken kann, die sich nach einer festgelegten Zeit von selbst löschen. Snapchat ist aber auch jene App, die sich komplett dem Hochformat verschrieb - das Handy umständlich zu drehen, um Bilder zu machen, sollte der Vergangenheit angehören.

Zuckerberg war aber nicht bei Spiegel, um eine Tasse Tee zu trinken. Der Facebook-Gründer ahnte damals schon, welchen Erfolg Snapchat haben wird und wie gefährlich es Facebook damit werden könnte. Drei Milliarden US-Dollar bot Zuckerberg Spiegel, um Snapchat zu 100 Prozent zu schlucken. Doch mehr als eine Tasse Tee kam bei dem Treffen letztlich nicht herum. Spiegel lehnte die Milliarden-Offerte ab. Wie sich jetzt zeigt, war das ziemlich clever.

App entstand in Stanford

US-amerikanische Medien spekulieren, dass die Snapchat-Mutter Snap im Frühjahr an die Börse geht und den Schritt noch in dieser Woche offiziell machen wird. Es soll mit einer Bewertung von rund 25 Milliarden Dollar der größte IT-Börsengang seit dem des chinesischen Online-Händlers Alibaba 2004 sein - und der war damals schon der größte aller Zeiten in der Branche.

Hinter dem Erfolg steckt Spiegel. Als er im Oktober 2015 das Cover des italienischen Modemagazins "Vogue" zierte, hatten nur Branchenkenner die App auf dem Radar. 2011 entwickelte Spiegel die Idee hinter Snapchat (O-Ton: "Einfangen des Augenblicks") in einem Produktdesign-Kurs an der Universität Stanford. Kurze Zeit später schmiss er seine Ausbildung und gründete die App. Mit einem Privatvermögen von rund 2,1 Milliarden Dollar adelte ihn das Magazin "Forbes" 2015 zum jüngsten Milliardär aller Zeiten.

Spiegel ist der Anti-Zuckerberg: Er gibt kaum Interviews, ist medienscheu und kolportiert nicht ungefragt, dass er die Welt angeblich zu einem besseren Ort machen will. Spiegel hatte eine zündende Idee, setzte alles auf eine Karte und gewann.

Junge Leute im Fokus

So stark gewachsen wie Snapchat in den ersten vier Jahren ist weder Facebook noch Youtube oder Google. Von den Nutzerzahlen steht Snapchat noch um Längen hinter den Giganten, doch benutzen 150 Millionen User täglich eine halbe Stunde die App.

Dabei ist Snapchat auch für Firmen interessant. Die Wege, Geld zu verdienen, hat Spiegel von Anfang an klar geebnet. Unternehmen können "sponsored lenses" kaufen - bestimmte Fotofilter. Wenn ein User die benutzt, erscheint ein Werbevideo des betreffenden Unternehmens.

Und die Firmen lieben Snapchat, weil die Zielgruppe klar umrissen ist: Das Unternehmen setzt auf junge Leute. Die Hälfte der User ist unter 20 Jahre alt. 70 Prozent der US-Amerikaner nutzen Snapchat, ein Drittel der Nutzer stammt aus Europa. Snapchat ist flüchtig und albern - Snapchat ist das Viva der Generation Facebook.

"Eisbrecher-Transaktion"

Doch mit seiner Absage an Zuckerberg hat Spiegel das Ego des 32-Jährigen mutmaßlich stark beschädigt. Experten berichten, dass der Facebook-Chef den Börsengang von Snap zu einem Desaster verkommen lassen will, indem das Netzwerk dreist die Ideen des kleinen Konkurrenten kopiert.

Dabei hätte der Börsengang Snapchats durchaus seinen Reiz. Denn die App könnte weitere Start-ups aus dem kalifornischen Siliziumtal den Weg an die Börse ebnen - "Eisbrecher-Transaktion" nennen Analysten dies. Die Zahl der Firmen, die von dort aufs Parkett drängen, war im vergangenen Jahr so niedrig wie zuletzt 2008. Letztlich könnte also ausgerechnet Zuckerberg, der ständig betont, die Welt besser machen zu wollen, den Aufstieg der Technikbranche verhindern.

Quelle: n-tv.de

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