Wirtschaft

Zwischen Genie und Wahnsinn Der irre Aufstieg von "Terminator" Elon Musk

imago0100160110h.jpg

Alles, was der Visionär und Tesla-Chef Elon Musk anfasst, scheint zu Gold zu werden.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Er revolutioniert die Autowelt, erfindet die Raumfahrt neu und operiert mit Chips, die das menschliche Hirn digitalisieren. Selbst Kritiker geben zu: "Elon Musk ist ein Genie". Was treibt den ultrareichen und superkreativen Sonderling?

Wenn jemand Rückschläge verkraften kann, dann ist es Elon Musk. Das neue Jahr hätte für ihn nicht besser starten können. Nicht nur mit seinen SpaceX-Raketen startet er durch. Auch sein Vermögen geht steil durch die Decke. Von seiner Beteiligung am Bezahldienst Paypal über das Weltraumunternehmen SpaceX, den geplanten Hyperloop-Tunneln in den USA, dem Satelliten-Internetdienst Starlink bis hin zum Elektroautobauer Tesla: Was der Multi-Unternehmer anfasst, macht er mit fast spielender Leichtigkeit zu Gold.

Selbst Kritiker können nicht leugnen: Musk hat eine unglaubliche Karriere hingelegt. "Elon Musk ist ein Genie", sagt Autoexperte Helmut Becker ntv.de: "Er sieht aus wie ein Halunke unter der Brücke, aber er hat einen unendlich weiten Horizont. Wichtig ist, zwischen dem Kaufmann Musk und dem Ingenieur Musk zu unterscheiden. Der Ingenieur ist ein Genie!"

Aber auch der Kaufmann Musk kann sich nicht beklagen. Laut aktuellem Milliardärs-Ranking von Bloomberg ist er an Amazon-Gründer Jeff Bezos vorbeigezogen und neuerdings der reichste Mensch der Welt. Mit seinen verschiedenen Unternehmungen hat er mehr Vermögen angehäuft als Mark Zuckerberg und Warren Buffett zusammen. Und das in kürzester Zeit. Ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 hat er den größten Teil, unglaubliche 150 Milliarden Dollar, auf sein Nettovermögen draufgesattelt.

Superlative sind Musks Markenzeichen

Der Reichste der Reichen, der schnellste Verdiener unter der Sonne, Tesla der mit Abstand wertvollste Autobauer der Welt: Superlative sind eine Konstante in Musks Karriere. Wie schafft der 49-Jährige das? Was treibt ihn? Ist es Fleiß? Zielstrebigkeit? Glück im Spiel oder wurde ihm der Erfolg in die Wiege gelegt?

Letzteres eher weniger. Der 1971 in Südafrika geborene Musk kommt zwar nicht aus armen Verhältnissen, aber Kindheit und Jugend sind schwierig für ihn. Er selbst bezeichnet sich als Opfer. In der Schule sei er gemobbt worden. Und auch sein Zuhause sei "Nonstop-Terror" gewesen, zitiert ihn sein Biograf Ahlee Vance in "Wie Elon Musk die Welt verändert".

Trotzdem oder gerade deshalb schmiedet Musk früh große Pläne. Er will nach Amerika und dort Karriere machen, und das sobald wie möglich. Auch Tempo und Ungeduld ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Mit 17 Jahren wandert er erst nach Kanada aus, um dort zu studieren. Danach zieht es ihn und seinen Bruder auf der Suche nach Geschäftsideen ins kalifornische Silicon Valley.

Was folgt, ist ein geradezu märchenhafter Dreisprung wie aus einem Karrierehandbuch: Im Jahr 1995 gründen die beiden die Internetfirma Zip2. Die ersten drei Monate leben die Brüder im Büro, um Geld zu sparen. Zum Duschen gehen sie in eine Jugendherberge. Mit dem Verkauf ihres ersten Startups im Jahr 1999 streicht Musk bereits einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Danach gründet er die Online-Bank X.com, die später zu Paypal wird.

Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Paypal an Ebay gründet er das Raumfahrt-Unternehmen SpaceX und investiert in den Aufbau von Tesla. Musk gibt sich cool, aber er ist ein Workaholic, wie er im Buche steht, immer zielstrebig und mit viel Biss. Er hasst Fehler und fordert sich und seinen Angestellten viel ab. Dabei dienen seine Unternehmungen vor allem einem Zweck: die Grenzen des Unmöglichen zu verschieben und die Welt damit besser zu machen. "Musk macht alles mit Bedacht", sagt Autoexperte Becker. "Was so nebenbei wirkt, geschieht mit voller Absicht."

Der "Terminator" - menschlich in einer anderen Liga

Legendär sind seine Büro-Übernachtungen, die für ihn selbst am Anfang seiner Karriere selbstverständlich waren: Als Tesla 2008 fünf Jahre nach der Gründung kurz vor der Pleite steht und Musk seinen Mitarbeitern ein hartes Sparprogramm verordnet, gilt samstags und sonntags Anwesenheitspflicht für die Beschäftigten. Geschlafen wird vor Ort. Wer sich widersetzt, fliegt. Es zeigt: Nicht nur finanziell, sondern auch menschlich spielt Musk in einer anderen Liga.

So innovativ und energiegeladen er ist, so bizarr und sonderbar kommt er manchmal auch daher. Es gibt viele Anekdoten über Musks aufbrausende Natur: Passt ihm etwas nicht, wird er sauer, formuliert böse Mitarbeitermails oder spuckt auch schon mal Kaffee über den Tisch. Hat er ein Ziel vor Augen, wird er zum "Terminator", sagt seine erste Frau Justine in Vances Biografie.

Der wichtigste Meilenstein in Musks Karriere ist Tesla. Für seinen E-Autopionier formuliert er 2006 einen "geheimen" Masterplan - "between you and me" ("nur unter uns") -, in dem er mit eigenen Worten formuliert, wie er "tickt". Das Schreiben zeigt: Ihn kümmern vor allem Ziele, nicht aber Methoden oder Strategien, um diese zu erreichen. Er zieht es vor, zu improvisieren.

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 609,89

Dazu zählt auch, wie er sein Geld verdient. Denn Musks Kassen klingeln nicht, weil er so viele Autos absetzen würde, sondern weil er CO2-Zertifikate an die Wettbewerber verkauft und kräftig am Höhenflug der Tesla-Aktien verdient. Im vergangenen Jahr legte das Papier mehr als 700 Prozent zu. Mit knapp 670 Milliarden Dollar wird das Unternehmen inzwischen höher bewertet als die zehn größten Autobauer weltweit zusammen. BMW, Daimler und Volkswagen kommen auf vergleichsweise schlappe 47, 62 und 82 Milliarden Dollar Börsenwert.

Dank des Schubs durch die Aufnahme in den prestigeträchtigen Aktienindex S&P 500 im Dezember konnte Tesla zuletzt sogar Facebook überflügeln. Was auch zeigt, wo die Anleger Tesla mittlerweile verorten. In den Augen der Investoren spielt das Unternehmen nämlich längst nicht mehr in der Liga der Autobauer, sondern in der der Tech-Konzerne.

Dudenhöffer: "Elon Musk hat immer geliefert"

Musk ist umtriebig, er hinterlässt Spuren auf der ganzen Welt. Seine Fabrik in Deutschland soll im Sommer an den Start gehen. Dass aus dem brandenburgischen Grünheide Teslas rollen werden, nennt Autoexperte Dudenhöffer ein "Geschenk" für die deutschen Autobauer.

"Wenn der Wettbewerber vor der Haustür sitzt, dann hat man mehr von ihm", sagt der Direktor des CAR - Center Automotive Research in Duisburg. "Elon Musk ist einerseits bekannt dafür, dass sich Dinge und Ankündigungen verzögern können. Andererseits hat er immer geliefert. Jetzt kommt jemand, der eher unkonventionell und schnell große Dinge erreicht. Das ist für Deutschland ein Wunderwerk."

Kritik prallt an ihm ab. Auch das ist typisch Musk. Dass Tesla noch nie in einem vollen Geschäftsjahr einen Gewinn erzielt hat, Musk sich nicht als erfolgreicher Autoverkäufer (in Deutschland hat er 2020 gerade mal 15.000 Autos verkauft), sondern eher als Erfinder und cleverer Unternehmer hervortut, interessiert weder ihn noch eingefleischte Tesla-Fans. Sie hängen an seinen Lippen und saugen jeden Tweet auf, wie man es sonst nur beim amtierenden US-Präsidenten Donald Trump kennt.

Musks Aufruf, wegen der neuen Datenschutzbestimmungen von Whatsapp zu Signal zu wechseln, ist das beste Beispiel. Es reicht, dass er am 7. Januar zwei Wörter postet: "Use Signal". Millionen folgen seinem Rat. Gleichzeitig sitzen viele dann an der Börse einer großen Verwechslung auf.

Obwohl Musk steinreich ist, steht Geld für ihn nie im Fokus. Für ihn ist es das Mittel zum Zweck. Es macht vieles möglich: Sein SpaceX-Modell Falcon 9 startet mittlerweile jeden Monat ins All. Wer hätte je gedacht, dass die Nasa mit einem Privatunternehmen gemeinsame Sache machen würde? Musks Welt, so wie er sie sich vorstellt, nimmt immer mehr Gestalt an. In einem Twitter-Post verrät er, was er in Zukunft noch alles mit seinem Geld anfangen will: Die Hälfte des Geldes will er nutzen, um weiter Probleme auf der Erde zu lösen und die andere Hälfte, um innerhalb weniger Jahrzehnte eine Kolonie auf dem Mars zu bauen. Weitere Höhenflüge sind also vorprogrammiert - auch wenn es finanziell vielleicht mal nicht so gut läuft.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.