Wirtschaft

"Massive Auswirkungen" Deutsche Wirtschaft warnt vor hartem Brexit

230295935efce7b82f2e33648e0194ee.jpg

dpa

Ende März ist es soweit: Großbritannien verlässt die EU. Ist bis dahin kein Abkommen unterzeichnet, drohten Verwerfungen in der deutschen Wirtschaft, warnen Interessenverbände. Der DIHK etwa erwartet den Verlust von Jobs und Wohlstand.

Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben vor drastischen Folgen eines chaotischen Brexits ohne Abkommen mit der EU gewarnt. "Beim Brexit drohen auch massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. "Das kann zum Verlust von Jobs und von Wohlstand führen", sagte er in Berlin.

Industriepräsident Dieter Kempf sprach von einer "dramatischen" Situation: "Jede Verzögerungstaktik ist brandgefährlich. Die Wirtschaft braucht endlich Klarheit." Die britische Premierministerin Theresa May kämpft derzeit darum, dass der mit der EU ausgehandelte Austrittsvertrag eine Mehrheit im britischen Parlament findet und ein chaotischer Brexit Ende März 2019 vermieden wird. May hatte der EU am Freitag zwar neue Zusicherungen zur irischen Frage abgerungen, sie erhielt beim EU-Gipfel aber weniger als erhofft.

Die EU dürfe das Austrittsabkommen nicht aufschnüren, forderte Kempf, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). "Die Politik im Vereinigten Königreich muss endlich den Ernst der Lage erkennen", sagte er. Es gehe um fundamentale Weichenstellungen für die Zukunft des Landes und der nachfolgenden Generationen.

Wieder was gelernt

Falls Sie wissen möchten, warum Beobachter ein zweites Brexit-Referendum für Wunschdenken halten, hören Sie rein in diese Ausgabe von "Wieder was gelernt" - dem Podcast von n-tv.de. Abonnieren Sie unsere Podcasts auf iTunes, Spotify und Deezer oder per Feed in der Podcast-App Ihrer Wahl.

"Wir haben nur noch knapp drei Monate Zeit, da darf sich niemand Spielchen erlauben. Ohne Abkommen gibt es auch keine Übergangsphase, die unsere Unternehmen dringend benötigen", so Kempf. Ein ungeordnetes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs riskiere ein Außenhandelsvolumen Deutschlands von über 100 Milliarden Euro: "Es droht eine unmittelbar durchschlagende Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde."

Vorbereitung auf harten Brexit

Deutsche Unternehmen seien mit rund 120 Milliarden Euro und weit über 2000 Beteiligungen im Vereinigten Königreich engagiert, sagte Kempf. "Sie bereiten sich intensiv auf das Szenario eines harten Brexits vor. Für ihre jeweiligen Branchen haben die Unternehmen eine umfangreiche Folgenabschätzung getroffen. Dabei geht es natürlich auch um mögliche Produktionsverlagerungen."

DIHK-Präsident Schweitzer sagte: "Man muss sich klar machen, worum es geht: Großbritannien ist der fünftgrößte Exportmarkt Deutschlands. Mehr als 750.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen vom Export nach Großbritannien ab. Unser Exportvolumen mit Großbritannien ist seit dem Brexit-Entscheid schon um mehr als fünf Prozent zurückgegangen."

Der DIHK rechne bei einem No-Deal-Brexit für deutsche Unternehmen insgesamt mit bis zu 10 Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen pro Jahr und mehr als 200 Millionen Euro zusätzlichen Kosten nur durch diese Zollbürokratie. "Die eigentlichen Zölle könnten noch dazu kommen: Allein für die deutschen Autoexporte drohen dann Mehrbelastungen von rund zwei Milliarden Euro im Jahr."

Die Zollbehörden im Vereinigten Königreich seien kaum darauf vorbereitet, ein Chaos in Dover zu verhindern, wenn Zollanmeldungen und -kontrollen nötig wären. "Just-in-Time-Produktions- und Lieferketten stehen auf dem Spiel", sagte Schweitzer Die unklare Lage beim Brexit führe zu einer massiven Verunsicherung bei den Unternehmen - in einem derzeit ohnehin zunehmend instabilen Konjunkturumfeld.

Je länger es bis zum Ende der britischen EU-Mitgliedschaft am 29. März 2019 keine Lösung gebe, umso schwieriger werde die Situation für die Wirtschaft, sagte Schweitzer: "Umso höher wird der Rückgang bei den Exporten und umso mehr belastet das den Wohlstand - und das schon vor dem eigentlichen Brexit. Mir fehlt aber derzeit die Fantasie, wie es im Unterhaus für das Austrittsabkommen eine Mehrheit geben kann."

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

Mehr zum Thema