Wirtschaft

Weidmann kritisiert EZB-Kurs "Draghi ist über das Ziel hinausgeschossen"

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In den EZB-Türmen sind im Rat der Zentralbank längst nicht alle einig über den Kurs.

(Foto: imago images / Ralph Peters)

Höhere Strafzinsen und neuerliche Anleihenkäufe: Die EZB stemmt sich gegen einen drohenden Wirtschaftsabschwung. Doch innerhalb der Notenbank ist der Kurs nicht unumstritten. Bundesbank-Chef Weidmann findet deutliche Worte am Tag danach.

Einen Tag nach dem tiefen Griff in den Instrumentenkasten melden sich die internen Kritiker am Kurs der Europäischen Zentralbank zu Wort. So sagte Bundesbank-Chef Jens Weidmann, EZB-Chef Mario Draghi sei "über das Ziel hinausgeschossen". Schließlich sei "die wirtschaftliche Lage nicht wirklich schlecht", erklärte er in der "Bild"-Zeitung. Durch die neuen Anleihenkäufe würden die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik "absehbar in Frage gestellt". Mit dieser Position sei er innerhalb des EZB-Rates "nicht allein".

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Weidmann - hier beim G7-Gipfel - kann für den EZB-Kurs keine Begeisterung empfinden.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Die EZB müsse "darauf achten, dass das, was sie tut, die Menschen nicht zutiefst verunsichert", riet er. "Dazu gehört auch, dass die Menschen sich darauf verlassen können, dass das Geld seinen Wert behält." Zwar werde, wer bauen möchte, vielleicht günstigere Kredite bekommen. "Sparer dagegen sind schlechter dran." Zudem werde es schwerer, für das Alter vorzusorgen, ohne mehr Risiko einzugehen. "Das spüren Pensionsfonds und Lebensversicherer besonders."

Kritik kam auch von den Notenbank-Chefs der Niederlande und Österreichs. Die Maßnahmen, vor allem der Neustart der Anleihenkäufe, passten nicht zum aktuellen Konjunkturumfeld, und es gebe gute Gründe, dessen Wirksamkeit zu bezweifeln, erklärte der niederländische Notenbankchef Klaas Knot. Die Wirtschaft im Euroraum sei voll ausgelastet, zudem stiegen die Löhne. Die Finanzierungsbedingungen für Verbraucher, Unternehmen und Regierungen seien sehr günstig.

Dagegen gibt es Knot zufolge bereits Anzeichen für verzerrte Kurse an den Finanzmärkten und eine überhöhte Risikobereitschaft im Immobilienmarkt. Zwar bereite Sorge, dass die Inflation unter der Zielmarke der Notenbank liege. Daraus folge aber nicht, dass der Neustart eines Instruments mit so großer Tragweite wie die Anleihenkäufe angemessen sei, sagte er weiter.

Auch Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann meldete zumindest Zweifel an. Auf die Frage, ob andere und auch er dachten, dass die Beschlüsse vielleicht ein Fehler gewesen seien, sagte er Bloomberg TV: "Ich bin mir sicher, dass diese Idee einigen Leuten durch den Kopf ging. Mir ging sie definitiv durch den Kopf." So war EZB-Präsident Mario Draghi mit dem Vorschlag zur erneuten Auflage der Anleihenkäufe in der Zinssitzung auf starke Opposition gestoßen. Laut Holzmann waren Zweifel an der Wirksamkeit des Pakets ein Hauptgrund für den Widerstand.

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Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/rts

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