Wirtschaft

Wachstum 2021 geringer EZB-Prognose löst sich in zweiter Welle auf

imago0106935478h.jpg

Noch gleichen die Wirtschaftsprognosen etwas dem Stochern im Nebel.

(Foto: imago images/MiS)

Die zweite Corona-Welle hat weite Teile Europas mit voller Wucht erfasst. Und Besserung ist kaum in Sicht. Für die EZB sind damit ihre Wachstumsannahmen für das nächste Jahr nicht mehr haltbar. Dagegen ist das DIW für Deutschland äußerst optimistisch - doch die Zuversicht steht auf wackeligen Beinen.

Die Europäische Zentralbank senkt wegen der zweiten Pandemiewelle ihre Konjunkturprognose für die Eurozone deutlich. Für das kommende Jahr rechnet sie nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,9 Prozent statt wie noch im September von 5,0 Prozent, wie aus ihren Projektionen hervorgeht. Derweil hat das DIW seine Prognose für Deutschland angehoben und rechnet nun mit einem Plus von 5,3 Prozent und damit zu einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Allerdings sei die Unsicherheit "enorm groß".

"Die Pandemie stellt weiterhin ein ernsthaftes Risiko für die öffentliche Gesundheit sowie für die Wirtschaft im Euroraum und weltweit dar", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung schränkten die Wirtschaftstätigkeit in der Währungsunion "erheblich ein".

Für das laufende Jahr erwartet die EZB nach der unerwartet starken Belebung im Sommer-Quartal einen Einbruch von nur noch 7,3 Prozent. Bislang war sie von minus 8,0 Prozent ausgegangen. Die Notenbank-Volkswirte rechnen dann weiter für 2022 mit einem Plus von 4,2 und für 2023 mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 2,1 Prozent.

Die zweite Infektionswelle und die Eindämmungsmaßnahmen hinterlassen auch in der Inflationsentwicklung ihre Spuren. Die EZB erwartet dieses Jahr nun eine Teuerungsrate von 0,2 Prozent und für 2021 unverändert von 1,0 Prozent. Für 2022 werden 1,1 Prozent und für 2023 dann 1,4 Prozent vorhergesagt. Damit würde die Euro-Notenbank ihr Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent auf Jahre hinaus klar verfehlen. Sie strebt diese Marke als Optimalwert für die Wirtschaft mittelfristig an, was sie aber bereits seit Jahren nicht erreicht.

DIW: Einerseits, andererseits

Das DIW blickt derweil ausgesprochen zuversichtlich auf die größte Volkswirtschaft im gemeinsamen Währungsraum. Wachstumstreiber im kommenden Jahr werden nach Ansicht der Experten vor allem der Außenhandel und Konsumausgaben sein. Nach einem starken Aufhol-Jahr fällt das Wachstum jedoch 2022 mit 2,6 Prozent deutlich geringer aus. Damit wäre es aber immer noch stärker als in den beiden vergangenen Jahren.

Für das laufende Jahr rechnet das DIW mit einem historischen Einbruch von 5,1 Prozent, der jedoch nicht so stark ausfallen würde wie zuvor mit minus 6,0 Prozent vorhergesagt. "Einerseits gibt es Hoffnung, dass man die Infektionswelle unter anderem mit den bevorstehenden Impfungen im Laufe des Winters in den Griff bekommt", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. "Andererseits ist das Risiko, dass es anders kommt, beträchtlich", warnte er.

Mehr zum Thema

"Wenn die Erholung im Frühjahr ausbleibt, das Virus länger und heftiger grassiert, könnten viele Unternehmen und in der Folge auch Banken erheblich in Schieflage geraten." Laufe es schlecht, könne das Wachstum im kommenden Jahr auch um 1,5 Punkte niedriger ausfallen als derzeit angenommen. In der Folge würden möglicherweise viele Unternehmen und sogar Banken in erhebliche Schieflage geraten. Dies wiederum könne eine noch tiefere Wirtschaftskrise nach sich ziehen.

"Die Unsicherheit ist enorm groß", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher, zumal es weitere Risiken wie den ungeordneten Brexit gebe. Für die Wirtschaft sei entscheidend, dass die zweite Infektionswelle gestoppt werde. Hoffnung machten die Erfolge in der Entwicklung und Auslieferung von Impfstoffen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts