Wirtschaft

"Sie werden auch zu uns kommen" Flüchtlingsstrom durch Klimawandel?

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Ein Müllsammler in der Nähe von Manila.

(Foto: REUTERS)

Hunderte Millionen Menschen leben in Armut. Der Klimawandel könnte ihre Zahl kräftig erhöhen, so die Weltbank. Politiker warnen deshalb vor einem neuen Flüchtlingsstrom.

Dürren, häufigere Wetterextreme, steigender Meeresspiegel: Der Klimawandel kann nach Einschätzung der Weltbank in den nächsten 15 Jahren die Zahl der Armen weltweit um weitere 100 Millionen erhöhen – wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. "Der Klimawandel wird die Ärmsten am härtesten treffen", sagte Weltbank-Chef Jim Yong Kim.

Die von der Weltbank genannte Zahl von 100 Millionen neuen Armen bis zum Jahre 2030 kommt auf die bisher geschätzte Zahl von 900 Millionen dazu. Für das laufende Jahr beziffert die Organisation die Anzahl der Armen weltweit auf 702 Millionen Menschen.

Vor allem Menschen in den ohnehin schon ärmsten Regionen - das Afrika südlich der Sahara und Südasien - werden leiden, wie es in dem von der Weltbank vorgelegten Bericht heißt. Der Klimawandel trifft sie bereits jetzt: Die für Landwirtschaft nutzbare Fläche verringert sich durch Dürre, Fluten spülen Behausungen und damit ganze Existenzen weg.

Ernteverluste könnten zu einer deutlichen Erhöhung der Lebensmittelpreise führen, so die Weltbank. Da in Afrika die ärmsten Haushalte 60 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel aufbringen, würde dies "einen sehr harten Schlag" für die Region bedeuten. Und in Südasien? Allein in Indien könnten durch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und durch eine schnellere Ausbreitung von Krankheiten weitere 45 Millionen Menschen in extreme Armut geraten und damit weniger als umgerechnet 1,90 Dollar am Tag zur Verfügung haben. Bei einer globalen Erwärmung von zwei bis drei Grad drohe ein Anstieg von Malaria-Erkrankungen, so die Weltbank. Zusätzliche 150 Millionen Menschen könnten betroffen sein.  

Die Warnung wurde wenige Wochen vor der internationalen Klimakonferenz veröffentlicht. Vertreter von 195 Staaten wollen ein neues weltweites Klimaabkommen aushandeln, um die Treibhausgase zu reduzieren. Es soll vom Jahr 2020 das sogenannte Kyoto-Protokoll ablösen. Ziel ist es, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Bei der Konferenz soll es auch um Hilfen für ärmere Länder gehen.

"Kolossale Migrationsprobleme"

Die Klimapolitik könne bis zum Jahre 2030 die Klimaerwärmung nur geringfügig verringern, so die Weltbank. Deshalb müssten zugleich Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen abzumildern. Die Studie empfiehlt bessere soziale Sicherheitsnetze und bessere Gesundheitsfürsorge, gepaart mit Hochwasserschutz, Frühwarnsystemen und widerstandsfähigerem Getreide.

Unterdessen warnen Politiker vor einer durch den Klimawandel ausgelösten Flüchtlingswelle. "Klar ist, dass es riesige Dürregebiete und überflutete Landstriche geben wird, wenn wir den Klimawandel nicht auf ein beherrschbares Maß begrenzen", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dem "Focus". "Ohnehin fragile Staaten werden dann weiter destabilisiert. Dies wiederum wird Millionen Menschen in die Flucht treiben, und sie werden auch zu uns kommen", sagte die SPD-Politikerin. Klimaschutzmaßnahmen seien eine "absolute Dringlichkeit", sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. Andernfalls gäbe es "katastrophale Konsequenzen" und "kolossale Migrationsprobleme."

Quelle: ntv.de, jga/AFP