Wirtschaft

Fragen und Antworten Franken-Freigabe und ihre Folgen

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Die Schweizer Notenbank sorgt für einen Paukenschlag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jahrelang hat die Schweizer Notenbank den Franken mit Euro-Käufen künstlich niedrig gehalten. Jetzt gibt sie das feste Kursziel Knall auf Fall auf. Was ist passiert und warum?

  • Warum hat die Schweizerische Notenbank eine Kursgrenze zum Euro vor drei Jahren eingeführt? Der Franken ist eine typische Fluchtwährung. Für Anleger ist es günstiger, ihre Millionen in der Schweiz zu parken als in der Eurozone, wo seit Juni der EZB-Strafzins wirksam ist. Eingeführt hat die SNB den Mindestkurs in der heißen Phase der Euro-Schuldenkrise, als viele Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum ihr Geld in der als sicher geltende Schweiz anlegten. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken belastete die exportorientierte Wirtschaft im Land. Deshalb griff die SNB ein.

 

  • Warum hat die Schweizerische Notenbank das Kursziel für den Franken jetzt freigegeben? SNB-Chef Thomas Jordan rechtfertigte die überraschende Aufgabe des Franken-Mindestkurses mit den Worten, ein Festhalten an dem Kursziel hätte auf lange Sicht "keinen Sinn ergeben". "Der Mindestkurs sei in einer "Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt" worden. Der Franken bleibe zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung habe sich "seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert." Darüber begründete die Notenbank die jetzige Aufhebung des Mindestkurses auch mit der Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Hintergrund dürfte die unterschiedliche Entwicklung der Geldpolitik in den bedeutenden Währungsräumen sein. Es könnte sein, dass die Schweizerische Nationalbank den wahrscheinlich bevorstehenden Anleihekäufen durch die EZB entkommen wollte. Die Europäische Zentralbank könnte am 22. Januar mit breit angelegten Anleihekäufen eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschließen. Was den Euro schwächen dürfte. Die SNB hätte dann noch mehr Euro kaufen müssen, um den Franken zu verteidigen.

 

  • Will die Schweizerische Notenbank überhaupt nicht mehr intervenieren? Doch. Sie hat bereits angekündigt, dass sie "bei Bedarf" eingreifen will, das heißt Devisen kaufen wird, um den Höhenflug des Franken zu bremsen. Abschrecken will die Zentralbank vor allem große internationale Anleger, wie zum Beispiel Hedgefonds.

 

  • Geht der Kurs des Franken jetzt durch die Decke? Eher nicht. Die Zentralbank steht bereit. Sie setzt jetzt vor allem auf einen sogenannten Negativzins. Um den Auftrieb des Franken zu bremsen, hat die SNB als begleitenden Schritt den Zins für Bankeinlagen bei der Notenbank noch weiter von minus 0,25 auf minus 0,75 Prozent gesenkt. Das soll Kapitalanleger abschrecken.

 

  • Was bedeutet das für die Schweizer Exportindustrie? Die Schweizer Wirtschaft verliert ihren Schutzschirm. Die Ausfuhren der Schweiz dürften unter der Entscheidung stark leiden. Nach Einschätzung der Großbank UBS könnten die negativen Folgen für die Exportwirtschaft rund 5 Milliarden Franken oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen.

 

  • Was bedeutet das für den Euro? Ziehen Investoren ihr Geld aus der europäischen Gemeinschaftswährung ab und legen es stattdessen in Schweizer Franken an, sinkt der Eurokurs. Weil die Zentralbank die Nachfrage nach Franken nicht mehr durch Käufe puffert, ist der Euro auch am Tag der Franken-Freigabe unter Druck geraten. Zeitweise fiel er auf das Rekordtief von 0,8517 Franken. Zuletzt erholte sich der Euro allerdings wieder etwas und wurde mit 1,0430 Franken gehandelt. Am Finanzmarkt wurde spekuliert, dass die SNB doch wieder angefangen habe, zu kaufen.

 

  • Was bedeutet das für Deutschland? Produkte aus der Schweiz und Urlaub dort werden beispielsweise für Deutsche teurer. Gleichzeitig dürfte es Unternehmen aus Deutschland und der Eurozone allerdings auch leichter fallen, in die Schweiz zu exportieren.

Quelle: ntv.de, ddi