Wirtschaft
Zum Schutz von Bienen ist in Frankreich die Verwendung bestimmter Insektengifte nun völlig untersagt.
Zum Schutz von Bienen ist in Frankreich die Verwendung bestimmter Insektengifte nun völlig untersagt.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 01. September 2018

Aus für fünf Insektengifte: Frankreich verbietet "Bienenkiller" komplett

Französische Bienen sind ab sofort besser geschützt. Um ihr Überleben zu sichern, verbietet das Land fünf Neonikotinoide, die bei Tierschützern als "Bienenkiller" gelten. Damit nimmt Frankreich eine EU-weite Vorreiterrolle ein. Hintertüren bleiben offen.

In Frankreich ist ein Verbot bestimmter Pestizide in Kraft getreten, die als bienenschädlich gelten. Fünf Neonikotinoide, die als "Bienenkiller" verrufen sind, dürfen nicht mehr als Pflanzenschutzmittel genutzt werden. Frankreich geht damit weiter als die EU, die Ende April mit deutscher Zustimmung ein weniger umfassendes Verbot beschlossen hatte.

Neonikotinoide gehören zu den meist genutzten Pestiziden der Welt. Sie kommen auf Weinstöcken, Obstbäumen und Feldern zum Einsatz. Die Mittel töten aber nicht nur Blattläuse, Holzwürmer und andere Schädlinge, sondern setzen auch Bienen und Hummeln schwer zu: Sie schwächen ihr Immunsystem, stören die Orientierung und beeinträchtigen die Fortpflanzung, wie Umweltschützer bereits seit Jahren beklagen. In höheren Dosen töten sie die Bienen sogar. Französischen Imkern gehen schon seit Jahren im Winter im Schnitt 30 Prozent ihrer Bienenbestände verloren. Im vergangenen Winter waren es sogar noch mehr.

Frankreich verbot deshalb fünf der umstrittenen Wirkstoffe. Auf der schwarzen Liste stehen unter anderem die Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, die in vielen Pflanzenschutzmitteln enthalten und ab dem 19. Dezember auch in der EU im Freiland verboten sind. Darüber hinaus ist in Frankreich auch der Einsatz von Thiacloprid und Acetamiprid untersagt - Mittel, die in Deutschland noch erlaubt sind.

Verbot mit Hintertüren

Die französische Regierung erklärte, das Verbot mache das Land zum Vorreiter beim Bienenschutz. Das Gesetz war bereits 2016 unter der sozialistischen Vorgängerregierung beschlossen worden. Es ermöglicht allerdings bis Sommer 2020 Ausnahmen auf Antrag.

Mehrere der Wirkstoffe werden vom Leverkusener Chemiekonzern Bayer hergestellt, der sich auf EU-Ebene juristisch gegen die Einschränkung seiner Geschäftstätigkeit wehrt. Bayer hält die Argumente der Kritiker für "wissenschaftlich unbegründet".

Kritik kommt auch von den französischen Landwirten. Die Regierung hat ihnen versprochen, sie bei der Suche nach Alternativen zu den schädlichen Mitteln zu "begleiten". Eine große Anzahl von Erzeugern sei nun in einer "dramatischen technischen Sackgasse". Der Dachverband FNSEA forderte Ausnahmen für den Anbau von Mais und Rüben, weil es in diesen Branchen keine anderen Lösungen gebe.

Der Grünen-Faktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, rief Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, dem Beispiel Frankreichs zu folgen. "Nur mit einer konsequent-giftfreien Landwirtschaft können unsere Bienen geschützt werden", sagte Hofreiter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Solange Klöckner hier blockiert, sind ihre blumigen Worte zum Bienenschutz unglaubwürdig."

Quelle: n-tv.de